Ausstellung gibt Einblicke in Feuchtgebiete

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Die Seen in Oberschwaben – wie etwa der Schleinsee – stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die noch bis 21. Februar im Landrats
Die Seen in Oberschwaben – wie etwa der Schleinsee – stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die noch bis 21. Februar im Landratsamt zu sehen ist. (Foto: Regierungspräsidium Tübingen.)
Schwäbische Zeitung

Tausende „blaue Augen“ glitzern in der Sonne und gehören einfach zum Landschaftsbild Oberschwabens dazu. Doch viele Seen und Weiher brauchen besonderen Schutz und müssen saniert werden. Die aktuelle Ausstellung „Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen“ im Landratsamt Bodenseekreis gibt Einblicke in die Welt der heimischen Feuchtbiotope und zeigt Erfolge aus 30 Jahren Aktionsprogramm. Bis zum 21. Februar ist die Ausstellung im Landratsamt zu Gast.

Mehr als die Hälfte aller 4500 Stillgewässer Baden-Württembergs liegen in Oberschwaben. Neben natürlichen Seen aus der Eiszeit zählen hierzu auch die im Hoch- und Spätmittelalter angelegten Weiher sowie Torf- und Kiesabbauseen aus heutiger Zeit. Diese Gewässer haben eine große Bedeutung für die Artenvielfalt, sind sie doch das Zuhause unzähliger und teilweise seltener Tiere und Pflanzen. Diese Habitate zu erhalten, ist Ziel und Aufgabe des Aktionsprogramms zur Sanierung oberschwäbischer Seen, kurz auch nur Seenprogramm genannt.

„Die meisten oberschwäbischen Stillgewässer sind mit ihrer Fläche zwischen 0,5 und 70 Hektar zwar relativ klein. Dennoch sind viele davon unter Naturschutz gestellt. Einige sind Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 und als FFH-Gebiet oder Vogelschutzgebiet ausgewiesen“, erklärt Elmar Schlecker von der Koordinierungsstelle des Seenprogramms in Ravensburg in der Vorschau auf die Ausstellung. Zusammen mit ihren Schilfgürteln, Bruchwäldern, Streuwiesen und Niedermoorflächen seien sie für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten einzigartige Rückzugsflächen und böten einem breiten Artenspektrum passende Lebensräume. Auch für den Hochwasserschutz, das lokale Klima und für die Naherholung würden die Seen und Weiher Enormes leisten, so der Experte.

Aber die Idylle ist bedroht: „Einträge von Dünger und erodiertem Bodenmaterial verändern die Biotope, besonders seit den 1960er- und 70er-Jahren. Die Gewässer wurden nährstoffreicher, der Verlandungsprozess wurde beschleunigt. Die Artenvielfalt nahm ab und es kam immer wieder zu Fischsterben. Seen und Weiher „kippten um“, beschreibt Dr. Schlecker, warum es so wichtig ist, sich um die Gewässer zu kümmern.

Auf Initiative des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben hat deshalb das Land Baden-Württemberg bereits 1989 das Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen ins Leben gerufen. Neben dem Bodenseekreis und seinen Städten und Gemeinden Daisendorf, Friedrichshafen, Kressbronn, Meersburg, Owingen, Salem, Neukirch, Tettnang und Überlingen sind auch die Landkreise Biberach, Ravensburg und Sigmaringen sowie weitere 38 Kommunen daran beteiligt. Gemeinsam mit den Landwirtschafts- und Umweltschutzbehörden wird hier vor allem daran gearbeitet, die Nährstoffeinträge zu reduzieren. „Es wurden schon vielerorts die Abwasserbeseitigung verbessert, Zuflüsse ökologisch aufgewertet, Ufer- und Verlandungsbereiche gepflegt und Schlammsedimentationsbecken gebaut. Auch das Fischereimanagement und die extensive Bewirtschaftung der umliegenden Flächen sind wichtige Maßnahmen“, erklärt Elmar Schlecker.

Anlässlich des 30. Jahrestags des Seenprogramms geht in den beteiligten Landkreisen und Gemeinden nun eine Wanderausstellung auf Tour. Sie gibt interessante Einblicke in die Arbeit der Umweltschutzteams, stellt einige der Gewässerbewohner vor und richtet den Blick auf künftige Herausforderungen. Schaubilder, Videos und kleine Spiele machen das Thema anschaulich.

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