Ausgesetzt: Niemand will die alten Hunde haben

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Crossmedia-Volontärin

Alt, angeschlagen, ungewollt: Regelmäßig werden Senioren-Hunde im Friedrichshafener Tierheim abgegeben und finden nur schwer ein neues Zuhause. Dabei täte ihnen genau das besonders gut - ein Aufenthalt im Tierheim ist laut Carola Fuchsloch für alte Tiere besonders stressig.

Chip und Chap wurden im November 2017 vor einem Einkaufsladen beim Bodenseecenter in Friedrichshafen gefunden. Die Hunde waren angeleint und standen stundenlang in der Kälte. Ein Passant ist auf die beiden Terrier-Mix-Hunde aufmerksam geworden, hat sie länger beobachtet und dann ins Tierheim gebracht. Seitdem warten sie auf ein neues Zuhause. „Die zwei sind schon Senioren und geschätzt zwölf Jahre alt. Die schieben wirklich eine ruhige Kugel“, sagt Anne Juhre, zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Friedrichshafen und Umgebung. Dass alte Hunde im Tierheim abgegeben werden, passiere öfter.

Viele Menschen sind alten Hunden nicht gewachsen 

„Das kann mehrere Gründe haben. Finanzielle Not, Arbeitslosigkeit oder ein neuer Vermieter, der keine Haustiere duldet“, sagt Carola Fuchsloch, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Viele Menschen seien alten Tieren mental nicht gewachsen und können mit deren Krankheiten nicht umgehen. „Die Hunde werden auch bewusst ausgesetzt, weil die Leute die Tierarztrechnung für ihre alten Hunde nicht zahlen wollen oder können“, vermutet Anne Juhre als weiteren Grund. Ältere Katzen, aber auch Nager, Vögel oder Schildkröten werden auch im Tierheim abgegeben unter anderem weil deren Halter keine Kapazitäten mehr für sie haben.

Sie und ihre Kollegen finden es traurig, dass vor allen Hunde gerade in ihrem Lebensabend ausgesetzt werden. „Meiner Meinung nach gehört da auch eine gewisse Kaltschnäuzigkeit dazu“, sagt Fuchsloch. Im Fall von Chip und Chap vermutet sie, dass die Herrchen entweder keine Lust auf alte Hunde hatten oder überfordert waren. „Pauschal kann man das aber nicht sagen“, ist sich Carola Fuchsloch sicher.

Angst vor frühem Tod des Tiers

Alte Hunde wie Chip und Chap seien schlechter zu vermitteln als Welpen oder jüngere Hunde bis vier Jahre. Ältere Hunde müssen oft mehrere Jahre auf ein neues Zuhause warten, junge nur wenige Monate. „Die Leute haben Angst, dass ihnen das Tier zu früh wegstirbt“, weiß Anne Juhre aus Erfahrung. Dabei sei es nie vorhersehbar, wann es sterbe. „Das ist immer unterschiedlich und Glückssache. Ein junger Hund kann auch auf die Straße rennen und überfahren werden“, sagt sie.

Alte Hunde seien im Gegensatz zu ihren jüngeren Artgenossen ruhiger, gesetzter, weniger stressanfällig und gehen gemütlicher spazieren. „Die kommen langsam angetrabt, wenn das Herrchen nach Hause kommt“, weiß Juhre. Außerdem brauchen Senioren wie Chip und Chap in ihren letzten Monaten oder Jahren ein neues Zuhause. Die älteren Tiere leiden und kommen im Tierheim nicht so gut klar wie jüngere Tiere, sagt Carola Fuchsloch. „Die kommen raus aus ihrem gewohnten Umfeld ins laute Tierheim und ohne ständige Begleitung durch ihr Herrchen“, erklärt sie. Die Tiere ziehen sich deshalb oft zurück oder werden hyperaktiv. Ein neues Zuhause würde den alten Tieren helfen. „Man tut etwas Gutes, wenn man den Tieren ein schönes Leben ermöglicht und ihnen Liebe gibt. Da kriegt man viel zurück“, sagt Anne Juhre und lacht.

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