Maximilian Pisacane und Doggen-Mix Rico stellen den „Gassireport“ vor.
Maximilian Pisacane und Doggen-Mix Rico stellen den „Gassireport“ vor. (Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

Im Pfotencafé des Häfler Tierheims hat Maximilian Pisacane, bekannt aus dem Blog Gassireport, aus dem Buch „Mein Hund heißt Nein“ gelesen und Sandra Rutz von der Hundephysio Kressbronn stellte das „Praxisbuch Hundefitness“ vor. Er gab Lustiges und Nachdenkliches zum Thema Mensch und Hund. Pisacanes Geschichten zielten eher auf Emotionen ab, während Sandra Rutz theoretische und praktische Tipps zum Thema Hundefitness gab.

Maximilians Pisacanes Geschichten sind sowohl aus der Sichtweise des Menschen, als auch aus der eines Hundes geschrieben. In diesem Fall aus Ricos Sicht. Rico, dem Doggen-Mix, sechs Jahre alt, geboren in einem dunklen Keller, als unterernährter und verwahrloster Welpe vom Veterinäramt gerettet und schließlich von Maximilian Pisacane adoptiert. Während der Lesung stellte sich jedoch die Frage, wer hier eigentlich wen adoptiert hat. Maximilian Pisacane bekennt: Rico habe ihn geerdet. Zuvor war er als Wirtschaftsjournalist aktiv. Er schrieb unter anderem für Capital, Handelsblatt oder für die Financial Times Deutschland. Seine Schwerpunkte waren die Börse und der Rohstoffhandel. „Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt die Verantwortung für einen Hund tragen kann, denn schließlich habe ich oft bis spät in die Nacht gearbeitet und musste morgens wieder früh raus“.

Einerseits hatte er ganz klar den Wunsch nach einem vierbeinigen Partner, andererseits hat ihm diese Entscheidung sowieso Rico abgenommen, der sich im Tierheim im wahrsten Sinne des Wortes Pisacane in die Arme warf und offensichtlich auch nicht daran dachte, ihn wieder allein gehen zu lassen. Schließlich verließen sie zusammen das Tierheim, doch wie sehr Rico das Leben des dauernd gestressten Zweibeiners veränderte, hat der Autor zu diesem Zeitpunkt noch nicht geahnt. Die ständige Abrufbereitschaft im Job und vielen Arbeitsstunden forderten ihren Tribut und „letztendlich habe ich meine Festanstellung, bei der ich wirklich gut verdient habe, für Rico aufgegeben“, erzählt Pisacane im Gespräch. Mit einem diagnostizierten Burn-Out warf er seinen gut dotierten Job über Bord und widmete sich seinem Hund. Einen Schritt, den er nicht bereut habe, auch „wenn ich natürlich finanziell vorher verwöhnt war“. Heute schreibt er als Freelancer für Hundemagazine und da auch durchaus kritisch. „Hunde sind in vielerlei Hinsicht ein Geschäft“, kritisiert er. Hundeschulen wären wie Pilze aus dem Boden geschossen, jede mit einer anderen Ausrichtung und oft würden bei den sogenannten „Problemhunden“ die Fehler auf das Tier abgewälzt und viel zu wenig auf den Halter geschaut.

Dafür haben die Teilnehmer der Lesung auf den Hund geschaut, denn Rico ist als ständiger Begleiter selbstverständlich mit von der Partie gewesen. Während Pisacane las, ließ er sich lieber die Brust von den Anwesenden kraulen, noch nicht ahnend, dass er im Anschluss Praxisübungen zeigen sollte, die Hundephysiotherapeutin Sandra Rutz vorstellte. Aber Rico war willig und solange der Vorrat an Hundeleckerlis nicht schmilzt, auch bereit seitwärts über Stangen zu laufen. Der Erlös des Buchverkaufs „Mein Hund heißt Nein“, in dem Geschichten unterschiedlicher Autoren zu finden sind, geht an zwei Tierschutzorganisationen.

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