Auf 20 Blockflöten erklingt ein pfiffiges Programm um die Liebe

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Das Blockflötenensemble „Musica chiara“ spielt eine bezaubernde Matinee in der Schlosskirche.
Das Blockflötenensemble „Musica chiara“ spielt eine bezaubernde Matinee in der Schlosskirche. (Foto: hv)
Christel Voith

Zu einer bezaubernden Stunde rund um die Liebe hat das Blockflötenensemble „Musica chiara“ am Sonntagmorgen in die Schlosskirche eingeladen. Das Quintett mit Helgard Braun, Hanna Kaiser, Sibylle Kastner, Saskia Laubenberger und Gabriele Wittnebel spielte mit sichtlicher Freude und in großer Harmonie Stücke auf der Blockflöte.

Man mochte nicht glauben, welche Vielfalt des Klangs auf der Reise von der Renaissance bis zu zeitgenössischen Komponisten, vom Madrigal bis zum Tango zu hören war Rund zwanzig Blockflöten vom Sopranino bis zum Großbass haben die fünf Musikerinnen dabei, eine Auswahl, mit der die unterschiedlichsten Stimmungen entstehen.

„Ein pfiffiges Programm um die Liebe“ hat Kantor Sönke Wittnebel eingangs versprochen und schon beim bloßen Hören konnte man die Freuden und Leiden der Liebenden nachempfinden, die Saskia Laubenbergers Moderation noch bewusster erleben ließ. Mit Claudio Monteverdis „Ballo“ aus der Oper „Orfeo“ spürten die Spielerinnen dem besonderen Klang des Komponisten am Übergang von der Renaissance zum Barock nach.

Vom Erwachen der Gefühle sprach die Moderatorin und schon umfing die Zuhörer mit dem Song „I fell in love“ des australischen Komponisten Lance Eccles eine zärtliche, sanft wiegende Musik. Zurück ging’s in die Renaissance mit der „Bona speranza“, der guten Hoffnung, eines anonymen Komponisten, einem Stück, das im Zusammenspiel von fünf tiefen Blockflöten eigentümlichen sakralen Charakter entwickelte.

Liebesglück und Liebesklage

Mit John Farmers „Fair Phyllis“ schwelgten die Flötenspielerinnen noch einmal in Liebesglück und Lust, ehe sie mit englischen Komponisten des 16. Jahrhunderts in die damals gepflegte Lust an tieftrauriger Liebesklage eintauchten: „Blut und Tränen fließen in göttlicher Musik.“ In überraschend hellen Farben drückte Thomas Morley seine Trauer über die ablehnende Geliebte aus, während Philip van Wilders Bild einer jungen Nonne, die sich nach menschlicher Liebe sehnt, eher nach einem frommen Lied klang.

Kunstvoll verflochten waren die Stimmen in John Dowlands verzweifelter Klage um verlorenes Liebesglück. Nach Jacob van Eycks wehmütigem Seufzen nach der schönen Amarilli hellte sich der Liebeshimmel wieder auf. Heiter und immer schneller wirbelnd waren Philipp Tentas zwei Stücke in jüdischer Tradition, die das Bild einer fröhlichen Hochzeitsgesellschaft evozierten, und heiter zwitscherten die Flöten in Paul Leenhouts‘ Arrangement von Beethovens „Tango für Elise“. „The Planets‘ feet“, die Füße der Planeten, hat Lance Eccles musikalisch porträtiert: Eine geheimnisvolle Faszination lag in der Betrachtung der Seidenstümpfe der Venus, auf viriles Draufgängertum ließen die Stiefel des Mars schließen. Noch eine Zugabe nach herzlichem Applaus und die letzte Schlosskirchen-Matinée in diesem Jahr war zu Ende.

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