In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre lauscht das vorwiegend weibliche Publikum den Erzählungen.
In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre lauscht das vorwiegend weibliche Publikum den Erzählungen. (Foto: Janine Napirca)
Schwäbische Zeitung
Janine Napirca

Der Dokumentarfilm „Ein Haufen Liebe“ von Alina Cyranek erzählt die Lebens-, Liebes- und zeitweise Leidensgeschichte vier Theater spielender Frauen. Das Kino Studio 17 hat den bewegenden Film nun als krönenden Abschluss des internationalen Frauentags gezeigt. In gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre lauschte das vorwiegend weibliche Publikum den Erzählungen von Anneliese Goth, Esther Eisele, Ruth Sprondel und Ulla Huhn vom Frauentheater Purpur in Tübingen.

In sympathischem schwäbischen Dialekt bilden die vier Damen Jahrzehnte der deutschen Historie ab. Die aus Meßkirch stammende Filmemacherin Alina Cyranek gibt ihren individuellen Schicksalen eine Stimme. Mit dem Thema „Liebe“ setzen sich die Laienschauspielerinnen aufgrund ihres Stückes um die Sage des alten Ehepaares „Philemon und Baucis“ auseinander. Die verschiedenen Rollen bringen sie dazu, ihre eigenen Liebeserfahrungen zu beleuchten. Für sie war es damals Alltag, dass Frauen nicht Auto fahren oder den Mann um Erlaubnis bitten mussten, wenn sie arbeiten gehen wollten. Die inzwischen verstorbene Anneliese, im Film 90 Jahre, sagte: „Bei meinem Namen hat mich eigentlich nie jemand genannt, ich war entweder ‚Mama‘ oder ‚Weib‘.“ Sie hat damals weniger aus Liebe geheiratet, nach dem Krieg gab es einfach nicht so viel Auswahl an Männern.

Dass Liebe und die Sehnsucht nach Zärtlichkeit, Geborgenheit und Anerkennung kein Alter kennen, sind zentrale Wesenspunkte des filmischen Meisterwerks. Die im Film 83-jährige Ruth wurde von ihrem Mann für eine andere verlassen und weiß bis heute nicht so recht, was Liebe eigentlich ist. Wohingegen die 89-jährige Esther nie verheiratet war, es aber nicht für ausgeschlossen hält, sich noch einmal zu verlieben. Eine zweite Chance auf die große Liebe hat Ulla mit ihrem Mann Johannes bekommen und mit ihm gemeinsam ihre Krebserkrankung durchgestanden.

Erinnerungen an Harry und Sally

Stimmen aus dem Publikum ließen im anschließenden Gespräch mit der Regisseurin vor allem verlauten, dass ihnen die szenische Zusammensetzung aus originalem Bildmaterial, die eingeschobenen Interviews, die an den Film „Harry und Sally“ erinnern, die gefilmten Theaterproben und die musikalische Begleitung von Martin Kohlstedt außerordentlich gut gefallen haben. Die Theaterregisseurin des Kulturvereins Caserne, Gabi Gerdau, die einige der Frauen aus dem Film von einer früheren gemeinsamen Theaterproduktion kennt, schwärmt vor allem von der Einbindung des Theaterstücks in den Film: „Es ist klasse, dass die Frauen trotz trauriger Schicksalsschläge Freude im gemeinsamen Schauspiel finden.“

Von so viel Komplimenten und positiven Zuspruch bekommt die in Leipzig lebende Produzentin Gänsehaut: „Dieser Film war für mich so gesehen keine Arbeit, denn ich habe viel für mich selbst mitgenommen.“ Wer „Ein Haufen Liebe“ bisher noch nicht gesehen hat, aber unbedingt sehen möchte, kann die DVD erwerben.

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