Schwäbische Zeitung
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Wohl jedes Häfler Kind kennt die Häuser und Gebäude aus seiner Hand: Gunther Jauss. Der Architekt und Planer ist zu Jahresbeginn in Friedrichshafen im Alter von 79 Jahren gestorben. Für den Neubau des Klinikums Friedrichshafen zog er einst von Stuttgart an den Bodensee. Jetzt hinterlässt er Stadt und Land ein umfassendes architektonisches Erbe.

Zu Jauss bekanntesten Entwürfen zählt wohl der Umbau des Hafenbahnhofs in Friedrichshafen zum Zeppelin-Museum, ohne Zweifel das Architekturwahrzeichen der Stadt schlechthin. „Der Umbau galt als schwierig, fast nicht machbar“, sagt noch heute Eugen Rabold, ehemaliger Stadtplaner, über den Entwurf von Jauss. Sein Sohn Philip erinnert sich ebenfalls an die Zeit, da sein Vater Ideen für eine neue Nutzung des Hafenbahnhofs entwickeln sollte. „Ihm fiel auf, dass der Turm des Bahnhofs ziemlich genau dem Radius des Hindenburg-Zeppelin entspricht“, erzählt er heute.

Höchste Auszeichnung erhalten

Aus dieser Erkenntnis habe sein Vater die Idee, das Zeppelin-Museum im Bahnhof unterzubringen, erst entwickelt. Ein Geistesblitz mit Folgen: Nicht nur erhielt Gunther Jauss dafür später den Hugo-Häring-Preis, höchste Auszeichnung des Landes für Architekten. Es war wohl auch der Entwurf, der Jauss’, lange Jahre auch Vorsitzender der Architektenkammer im Bodenseekreis, innerer Überzeugung am meisten entsprechen sollte.

„Man muss sich wohlfühlen“

„Form follows function“, die Form eines Gebäude hat der Funktion zu folgen – diesen Leitsatz der populären Bauhaus-Architektur hatte sich auch Jauss zu eigen gemacht. Das bedeute nicht, dass alle seine Entwürfe zwanghaft dieser „neuen Sachlichkeit“ entsprechen mussten oder gar auf Teufel komm raus besonders einfach zu sein hatten, sagt sein Sohn: „Nein, die Form musste einfach zum Nutzen des Gebäudes passen. Und man musste sich darin wohlfühlen.“

Zeppelin mit Dachgauben

Mit dieser Überzeugung gelang es Jauss auch, ein zweites Credo einzuhalten: Gebäude sollten immer auch Zeichen ihrer Zeit sein. Kein Zweifel: Ob Klinikum Friedrichshafen (der erste Auftrag, der Jauss und seinen langjährigen Partner Hubert Gaupp an den Bodensee brachte), das Berufschulzentrum, das alte Landratsamt oder ein MTU-Verwaltungsgebäude, alle Bauten tragen diese Leitlinien in sich. Kein Wunder, dass auch sein eigenes Wohn- und Arbeitshaus in der Hünistraße 13 in „Schöner Wohnen“ abgedruckt wurde. Es war übrigens eine alte, umgebaute Autowerkstatt.

Liebhaber der Literatur

Wer nun glaubt, außer Architektur habe es nichts in Jauss Leben gegeben, der irrt. Denn der Architekt, auch außerhalb Friedrichshafens erfolgreich, galt als Liebhaber der Literatur. Und er hatte Humor: Legendär sind laut Eugen Rabold seine jährlich versandten, selbstgezeichneten Weihnachtskarten. Eine davon soll einst einen Zeppelin mit Dachgauben gezeigt haben – von vielen Architekten so gern genutzte wie auch ästhetisch verhasste Möglichkeit, Gebäuden etwas mehr Wohnraum zu bescheren.

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