Angst vor Pleitegeier: Werden Häfler Eigenheim-Träume zum Alptraum?

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In finanzieller Schieflage: Die Baupartner Massivhaus GmbH in der Häfler Albrechtstraße hat am Freitag Antrag auf Insolvenz ges (Foto: Alexander Mayer)
Schwäbische Zeitung
Alexander Mayer

Der Bau boomt, ein Häfler Bauunternehmen aber wird zum Fall fürs Insolvenzgericht: Die Baupartner Massivhaus GmbH kann akuten Zahlungsverpflichtungen gegenüber ihren Gläubigern offenbar nicht mehr nachkommen. Das mittelständische Unternehmen hat deshalb am Freitag am Amtsgericht Ravensburg Insolvenzantrag gestellt. Das dortige Insolvenzgericht hat am Dienstag Michael Pluta (Pluta Rechtsanwälte GmbH, Sitz Ulm) als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt. Die Kanzlei von Pluta begleitet bundesweit Unternehmen bei Restrukturierungen wie auch im Insolvenzfall. Michael Pluta hat sich vor allem im Insolvenzverfahren von Märklin einen Namen gemacht.

Der Rechtsanwalt der Ulmer Sozietät war am Aschermittwoch in der Albrechtstraße 59 in Friedrichshafen, dem Firmensitz der Baupartner GmbH. Details über mögliche Verbindlichkeiten, über die Anzahl der Gläubiger und über betroffene Bauprojekte des finanziell ins Schlingern gekommenen Unternehmens wollte beziehungsweise konnte er gegenüber der SZ nicht nennen: „Ich stehe ganz am Anfang, bin am Sondieren“, sagte der Anwalt im persönlichen Gespräch. Wie der Homepage von Baupartner Massivhaus zu entnehmen ist, hat das Unternehmen laufende Projekte in Immenstaad (Vier-Familien-Haus), Kressbronn (Mehrfamilienhaus), mehrere Objekte in Oberteuringen, eine Stadtvilla in Tettnang oder mehrere Vorhaben in Friedrichshafen. Nach Worten des Sprechers von Michael Pluta sind acht Mitarbeiter, rund 30 Baustellen und etwa 100 Handwerksbetriebe betroffen. Die Bauprojekte befinden sich in unterschiedlichem Baustadium. Zahlungen von Häuslesbauern fließen an Baupartner Massivhaus gemäß einem „Zahlungsplan auf Fortschritt“. Die erste Fälligkeitsrate ist beim Einreichen des Baugesuchs und die letzte Rate nach der Abnahme fällig.

Geschäftsführer tritt zurück

Geschäftsführender Gesellschafter der GmbH ist Ivan Vukicevic. Genauer gesagt, der Diplom-Ingenieur ist es gewesen: „Herr Vukicevic ist von seinem Posten zurückgetreten“, sagte am Mittwoch Waldemar Krenz auf Anfrage der SZ. Der Architekt, bislang wie der Kundenberater Marco Mayer Gesellschafter von Baupartner, ist nach eigenen Worten nun Geschäftsführer der Firma. Auch Krenz nannte keine weiteren Details zum laufenden Insolvenzverfahren. Nur so viel: Man sei in Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter.

Die Baupartner Massivhaus, so geht aus der Homepage hervor, existiert sei 13 Jahren. In dieser Zeit wurden im Raum Bodensee-Oberschwaben und im Hegaugebiet rund 600 Häuser gebaut. In der Regel sind es Einfamilienhäuser. Allein in Friedrichshafen, Bermatingen, Daisendorf, Deggenhausertal, Hagnau, Immenstaad, Markdorf, Meersburg, Oberteuringen und Stetten sind rund 120 Objekte entstanden.

Nach dem Motto „Individualität zum Festpreis“ wurden nach Unternehmensangaben so manche Träume von Häuslesbauern verwirklicht. Wie es aussieht, könnte die Versprechung, „wir tun alles, damit Ihr Traum vom Haus wahr wird“ nun auch zum Alptraum werden. Und, das, „obwohl ein Hausbau Vertrauenssache“ ist, kann man in der Massivhaus-Profilbeschreibung im Internet lesen. Weiter heißt es, „wir sind ein mittelständisches Unternehmen mit etwa zehn Mitarbeitern. Jeder Einzelne von uns hat ganz besondere Fähigkeiten, von denen Sie bei Ihrem Bauvorhaben profitieren.

Denn zusammen haben wir fachliche Kompetenz und wertvolle Erfahrung auf sämtlichen Fachgebieten: Wir sind Architekten, Bauingenieure, Käufmänner- und frauen, Bauzeichner, Koordinatoren und Vieles mehr.“

Der „vorläufige Insolvenzverwalter“ (wie es im Juristen-Jargon heißt) prüft nun, ob Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise eine Überschuldung vorliegt. Liegt ein Insolvenzgrund vor, wird ein Insolvenzverfahren eröffnet. Es kann mehrere Monate dauern.

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