Angeldiebstahl? Streit auf der Messe „Aqua Fisch“ endet vor Gericht

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 Haben die Brüder auf der „Aqua Fisch“ versucht, Angelruten zu stehlen? Vor dem Amtsgericht gibt es dazu widersprüchliche Aussag
Haben die Brüder auf der „Aqua Fisch“ versucht, Angelruten zu stehlen? Vor dem Amtsgericht gibt es dazu widersprüchliche Aussagen. (Foto: dpa)

Sie schienen ziemlich optimistisch, unbestraft das Tettnanger Amtsgericht wieder verlassen zu können. Daraus wurde nichts. Nach vier Stunden ging es nur noch um die Höhe der Tagessätze. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung,beziehungsweise versuchter Nötigung wurde am Donnerstag ein Brüderpaar zu deftigen Geldstrafen verurteilt. Selbst eingebrockt auf der Messe „Aqua Fisch“.

Die auf der Anklagebank sitzenden Brüder waren im März 2018 Gast auf der Häfler Fischmesse. Mit einer Halben Bier hatten sie sich auf den Rundgang eingestimmt. Dann trennte man sich zunächst. Einer der beiden sah sich in der Folge bei einem Aussteller für Angelruten nebst Zubehör um, nahm vier verpackte Ruten in die Hand oder unter den Arm, verließ – nach seinen Angaben – versehentlich den Stand, um im Hallengang Bekannte zu begrüßen und mit ihnen einen Plausch zu halten.

Gerangel auf der Messe

Er habe gar nicht gemerkt, den Stand verlassen zu haben. Die in der Hand gehaltenen Angelruten habe er kaufen wollen. Plötzlich sei der Standbetreiber aufgetaucht, habe ihn am Arm festgehalten, angeschrien und beschuldigt, Wertsachen für 1000 Euro klauen zu wollen. Mehrere andere Personen hätten ihn von hinten angegangen. Peinlich sei das gewesen, die Leute hätten geschaut. Er habe sich losgerissen. Bei dem Gerangel seien einige Standutensilien umgefallen. Dann sei sein Bruder gekommen und habe ihn weggerissen.

Der des Ruten-Raubes verdächtige Bruder gab an, dem Standbetreiber seinen Personalausweis gegeben zu haben, mit dem der dann weggegangen sei. Was Richter Christian Pfuhl zu der Frage veranlasste, wieso er seinen Ausweis einem Fremden gegeben habe? Erst recht, nachdem die beiden Brüder ebenfalls abzogen, um eine weitere Halbe zu trinken. Eine einleuchtende Erklärung in Sachen „Person“ gab es nicht.

Messer gefunden

Als die Beiden wieder zurück kamen war die Polizei am Stand, fand ein Messer beim Verdächtigen. Ein gefundenes Filettiermesser sei „nicht seines“ gewesen. „So war das“, schloss der Angeklagte seine Darstellung und widersprach, bei einem späteren Gerangel am Hallen-Notausgang einen Unterstützer des Standbetreibers mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Auch habe sein Bruder dem Kontrahenten nicht gedroht „ich schlag dich tot“, sondern lediglich „lass ihn los sonst gibt’s was“.

Dieser Darstellung widersprach der Standbetreiber, der den „Kunden“ mit seinen Angelruten genau im Auge gehabt hat, wie er glaubwürdig vor dem Richter sagte. Der Angeklagte habe, so der ohne Belastungseifer auftretende Zeuge, den Standbereich verlassen ohne zu bezahlen. Als er ihn verfolgt hat und ihn fragte „was machen wir jetzt?“, habe ihn der Angeklagte verdutzt angeschaut, um sich geschlagen und ihm das T-Shirt zerrissen. Bei dem Handgemenge sei dem der Rucksack mit einem Messer auf den Boden gefallen, ein Rucksack, den der Angeklagte behauptet hatte, gar nicht mitgeführt zu haben. Richtig sei, dass ihm der Angeklagte seinen Personalausweis ausgehändigt habe, wozu er ihn aufgefordert hatte.

Alkoholfahne bei den Brüdern

Ein weiterer Zeuge, der vom Bruder des Hauptangeklagten dessen Faust „voll auf die Schnute“ bekommen hatte, wie er beschrieb, bestätigte die Angaben des Standbetreibers und berichtete, die Brüder seien zwar nicht betrunken gewesen, hätten aber eine Alkoholfahne nach sich gezogen. Ein Alkoholtest bei der Polizei hatte beim Ruten-Angeklagten 1,2 Promille ergeben.

Richter Christian Pfuhl verurteilte den Hauptangeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung in zwei Fällen zu 90 Tagessätzen á 50 Euro (4500 Euro). Seinen Bruder wegen versuchter Nötigung zu 30 Tagessätzen á 40 Euro (1200 Euro). Außerdem müssen die Beiden, die das Urteil annahmen, die Kosten des Verfahrens tragen. Zugute kam den Brüdern, dass sie nicht vorbestraft sind.

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