Anatoli Muratov (rechts) bereitet sich intensiv auf seinen Kampf vor.
Anatoli Muratov (rechts) bereitet sich intensiv auf seinen Kampf vor. (Foto: ded)
Schwäbische Zeitung
Jochen Dedeleit

Anatoli Muratov kann morgen der neue Europameister im Supermittelgewicht der Universal Boxing Federation (UBF) werden. Beim nächsten Höhepunkt seiner nunmehr drei Jahre andauernden Boxkarriere trifft der 27-jährige Häfler im Nürnberger Maritim-Hotel in einem Kampf über acht Runden, auf den Georgier Ramazi Gogichashvili. Muratov ist zum Ende seiner siebenwöchigen Vorbereitungszeit überaus optimistisch, dass er seinen zweiten Titelkampf erfolgreicher als seinen ersten absolviert. Im Volkshaus Zürich musste er sich, im vergangenen Jahr, im Kampf um die Internationale deutsche Meisterschaft, dem Wuppertaler Philipp Kolodziej nach Aufgabe in der sechsten Runde geschlagen geben.

„Da ist wieder alles in bester Ordnung“, versichert der Supermittelgewichtler, angesprochen auf seine in der Schweiz erlittene Verletzung. „Ein Arbeitsunfall.“ Ein Rippenbruch, bereits in Runde zwei zugezogen, stoppte den damals ebenso zuversichtlichen Häfler. Bis zum Zeitpunkt der Aufgabe lag Muratov auf den Stimmzetteln der Punkterichter in Front, wie ihm sein Manager Benedikt Poelchau mitteilte. Es war die zweite Niederlage für den gebürtigen Kasachen – beide musste er im Ausland hinnehmen. Die erste fügte ihm Juan De la Rosa in Texas zu. Die Kampfbilanz, mit der Anatoli Muratov nach Nürnberg kommt, kann sich dennoch sehen lassen: elf Siege in 13 Kämpfen.

Dass die Bilanz eine noch positivere wird, dafür hat auch Trainer Sergej Lerke gesorgt. „Wir haben vor allem an Anatolis Beweglichkeit gearbeitet, dass er noch seltener getroffen wird.“ 150 Sparringsrunden, vor allem in der Schweiz, mit verschiedenen Partnern hätten dazu beigetragen, „das ist eine enorme Anzahl“, meint Lerke, der seinem Schützling wenige Tage vor dem Kampf im Trainingsraum des Aktiv Fitness Centers beim Pratzentraining noch einmal einiges abverlangt. „Noch eine Runde“, lässt der 29-Jährige, der ebenfalls aus Kasachstan stammt und für Hanau in der 2. Bundesliga antrat, Anatoli Muratov wissen – ehe er zwei weitere hinzufügt.

Sein Boxer nimmt es hin, und legt noch einen Gang zu. Trainingscamps in Las Vegas, London und Mexiko hat Muratov seit seiner Profizugehörigkeit im Juli 2012 erlebt und absolviert. Dieses Mal hat sich der ehemalige Boxer des VfB Friedrichshafen und des Boxteams Langenargen hierzulande vorbereitet. Die ersten beiden Wochen stand Gewichtstraining auf dem Programm, kurz darauf spurtete Muratov schon zehn Mal die 1000 Meter herunter. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass der gelernte Motorenmechaniker mit einer K.o.-Quote von 58 Prozent bei der MTU schichtet. Wenn die Frühschicht, die um 5 Uhr morgens begonnen hat, endet, geht er laufen. Dann wird gegessen, ehe Sparringskämpfe oder wie zuletzt Pratzentrainings anstehen. Aber bei Anatoli Muratov wird Disziplin groß geschrieben, viel Gewicht machen muss er nie.

Vor allem so kurz vor dem Kampfabend, der unter „Fight oft he night in red – Dinner Boxgala by Peter Althof“ publiziert wird, will sich Muratov nicht mehr verletzen. Der UBF-Titel, um den es morgen geht, ist vakant, „das läuft nicht so wie bei den Amateuren, bei denen eins nach dem anderen kommt“, erklärt Sergej Lerke. Denn im Kampf um die DM war sein Schützling unterlegen, „eine bestimmte Punkteanzahl des jeweiligen Boxers und seine Bilanz sind vordergründig“, fügt Anatoli Muratov hinzu und verrät, dass sein Manager Benedikt Poelchau von der Hamburger Agentur Blanko Sports bei der Universal Boxing Federation in Chicago anfragte und Muratov ins Spiel brachte – und der Verband daraufhin sein O.k. gab. Muratov: „Aber die DM hat sich damit nicht erledigt, den Titel will ich noch.“

Sieben Kämpfe verloren

Kontrahent Ramazi Gogichashvili wurde analysiert und studiert, das Muratov-Lager verrät natürlich nicht, was es gesehen hat. Auffällig ist, dass der Georgier, mit einer K.o.-Quote von 31 Prozent, erst 21 Jahre alt ist und von seinen 29 Kämpfen sieben verloren hat. Zweimal musste er sich mit einem Unentschieden begnügen. In seinem vorletzten Kampf musste Gogichashvili in Dänemark gegen Rudy Markussen (38 Siege in 41 Kämpfen) eine herbe Niederlage einstecken – K.o. in Runde eins.

Behält der Häfler die Oberhand, müsste er den Titel nur einmal verteidigen, dann könnte bereits ein Kampf um die WM winken. Manager Poelchau würde gar versuchen, diesen an den Bodensee zu holen.

Ebenfalls in Nürnberg in den Ring steigen wird Konstantin Biegler. Der Superschwergewichtler, der schon etliche Boxkämpfe für den VfB Friedrichshafen bestritten hat, wird einen Titelkampf im K1 bestreiten. Dort war Biegler, ebenfalls aus Kasachstan stammend, bereits Weltmeister.

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