Als es auf den Fährschiffen noch Gleise gab

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Jürgen Zimmermann (gelbe Jacke) und Uwe Dess (links daneben) haben interessante Einblicke in die Geschichte des Trajektverkehrs
Jürgen Zimmermann (gelbe Jacke) und Uwe Dess (links daneben) haben interessante Einblicke in die Geschichte des Trajektverkehrs über den Bodensee parat. (Foto: wgh)

Spannende Einblicke in die Geschichte der Bodenseeschifffahrt und insbesondere des Eisenbahngüterverkehrs über den See hat es am Wochenende bei interessanten Themenführungen anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Seelinie“ gegeben. Uwe Dess und Jürgen Zimmermann vom Stadtmarketing zeigten sich bestens vorbereitet und hatten auch die eine oder andere historische Episode parat.

Treffpunkt Steg 4: „Was hat eigentlich die Bezeichnung ‚Trajektverkehr‘ zu bedeuten?“, will ein Teilnehmer wissen. „Trajektus“ käme aus dem Lateinischen, erklärt Jürgen Zimmermann, und bedeute soviel wie „Übergang“. In der altersgemischten Gruppe ist auch Beat Bauer mit von der Partie. „Ich bin Jahrgang 1988 und kenne die Geschichte des Schienengüterverkehrs also nur aus Erzählungen. Ich kann mich aber noch gut daran erinnern, dass man in meiner Kindheit noch die Gleise auf den Fährschiffen sehen konnte“, sagt er. Es geht in Richtung Fähranleger. Dort wird in wenigen Minuten die „Romanshorn“ erwartet, die anlässlich des Jubiläums auch zwei – vollständige renovierte – historische Güterwagons an Bord hat. Aber wer hat schon eine Ahnung davon, dass diese aus dem Jahr 1958 stammende Fähre schon bei einem „Tatort“ im Einsatz war? Auch darüber wissen Uwe Dess und Jürgen Zimmermann bestens Bescheid. Und davon, dass bereits in früheren Jahrhunderten jede Menge Güter im Lädinenverkehr über den Bodensee geschippert wurden. „Zum Beispiel Wein“, erklärt Uwe Dess.

Viele Gerüchte

Viele Gerüchte gab’s in der Bevölkerung 1962, als bei einem missglückten Anlegemanöver zwei gedeckte Güterwagons ins Häfler Hafenbecken plumpsten. „Zum Glück gab es damals keine Personenschäden. Aber die anschließende Bergung der Wägen war äußerst abenteuerlich“, berichten die beiden Experten. Noch eine interessante Zahl: Von 1869 bis zur endgültigen Einstellung des Trajektverkehr 1976 wurden mehr als 663 000 Güterwagons über den See transportiert.

Inzwischen hat die „Romanshorn“ wieder abgelegt und die „Friedrichshafen“ legt an. „Ich habe mit dem Schiffsführer gesprochen. Wir haben zehn Minuten Zeit zur Besichtigung“, kündigt Uwe Dess an. Ein Angebot, das von den Tour-Teilnehmern gerne angenommen wird. Und danach geht’s noch ein paar Schritte weiter in Richtung Osten. Dort wird auch über das Schicksal der „Schussen“ gesprochen, die nach ihrer Ausmusterung im Jahr 1976 schon bald eine beachtliche Zweitkarriere als Restaurant und Vereinslokal hingelegt hat.

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