Die Frau hat Wut im Bauch. Sie reckt die Faust in die Luft und rappt, was das Zeug hält: „Are you tired of the bullshit? Are you tired of the lies?“ Im Zeitalter der Trump-Regierung empört sich Akua Naru wie die Hiphop-Formation Public Enemy vor 30 Jahren. Es geht dem Ende des Konzerts im Casino Kulturraum entgegen und die Amerikanerin mit Wohnsitz in Köln kehrt zu den Anfängen ihres Auftritts zurück – zu einem Sound, der einpeitscht. Ihre Band lässt eine Art Heavy Metal-Soul entstehen, der in seiner explosiven Kraft an die Band Rage Against The Machine erinnert. Und die Chefin des Ganzen, Akua Naru, verbindet diese Energie mit einer Publikumswirksamkeit, die im Rap immer schon viel stärker ausgeprägt war als in der weißen Rockmusik: Sie vereint das Publikum zu einer Masse, die im Beat ihre geballten Fäuste schwingt und die ausgegebene Parole ruft: „All power to the people!“

Erotik ohne Spielchen

Aber Aku Naru hat nicht immer diesen durchdringenden Blick, aus dem Willensstärke und Durchsetzungskraft sprechen. Da ist auch ihre weiche Seite. „This is a song about love“, sprechsingt sie, während E-Gitarre und Saxofon ein verträumtes Stimmungsbild malen. Wucht und Nachdruck sind wie weggeblasen, eine schwebende Atmosphäre zieht ein und Akua Narus Blick wird weich, „‚’cause this is a song about love“. Die Stimmung kreiselt auf der Stelle und die Sängerin zeigt, dass sie Marvin Gaye, dem Erotik-Zeremonienmeister der Soulmusik, in nichts nachsteht. „How does ist feel to make love to your soul?“, fragt sie und tastet sich in eine Intimität, die von aufreizenden Spielchen ganz weit weg ist.

Akua Naru weiß, was sie will. Ihr Weg führt sie allerdings abseits der stur durchgezogenen Pfade. Sie gleicht einem Crossover-Genie wie Prince, der keine Stil-Grenzen akzeptierte. Ihre Musik ist in dauernder Veränderung. Da fließen R’n’B und Jazzrock ineinander, es entwickeln sich ziellose Klangbänder, denen es trotzdem nicht an Druck fehlt. Dabei entstehen Strukturen, die viel mit Progressive Rock zu tun haben. Akua Naru entwickelt einen Sound, der die verschiedensten Musiktraditionen zu einem Ganzen verbindet.

Zugleich gönnt sie dem Publikum Griffiges und Schmissiges. So, wenn ihr Gitarrist aus Togo ans Mikro tritt und zu seinem afrikanischen Gesang einen Groove anzettelt, der voll in die Beine geht. Auch das ist keine beliebige Zutat, denn Akua Naru reiste auf der Suche nach ihren Wurzeln selbst nach Westafrika. Ihr kulturelles Selbstverständnis als schwarze Amerikanerin führt sie auch zur Beschäftigung mit der schwarzen Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison – im gleichnamigen Song leitet sie in Morrisons Leben und ihre Literatur ein.

Auch wegen der jazzigen Anklänge ihrer Band wirkt Akua Naru wie eine weibliche Ausgabe von Gil Scott-Heron; einem Urahn des Rap, der sich im Grunde als Dichter begriff. Zudem schreibt auch Akua Naru von Kleinauf Gedichte, die sie nun als Raptexte verwendet. Es wäre verwunderlich, wenn man von dieser Frau nicht noch viel Bemerkenswertes hören würde.

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