Adventsmotetten und weihnachtliche Bach-Choräle ergänzen sich

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Unter der Leitung von Nikolaus Henseler singt die Camerata Serena ein berührendes Adventskonzert.
Unter der Leitung von Nikolaus Henseler singt die Camerata Serena ein berührendes Adventskonzert. (Foto: Helmut Voith)

Am dritten Adventssonntag hat auch das Vokalensemble „Camerata Serena“ zum Adventskonzert eingeladen: am Nachmittag nach St. Magnus in Fischbach, am Abend in den Theatersaal des Augustinums in Meersburg – letztere Aufführung ist hier besprochen.

Direktor Richard Rheindorf freute sich, dass das Adventskonzert in seinem Haus schon zur festen Tradition geworden ist, denn seit der Eröffnung des Augustinums hat es nun zum fünften Mal stattgefunden, der nächste dritte Advent ist schon gebucht. Wer die „Camerata Serena“ einlädt, weiß, dass er nicht nur einen ausgewogenen, gut vorbereiteten Projektchor hören wird, sondern auch ein wohldurchdachtes Programm. Denn Chorleiter Nikolaus Henseler – seit diesem Jahr als Stipendiat in das Dirigentenforum des Deutschen Musikrats aufgenommen und als solcher Dirigenten-Akademist beim SWR Vokalensemble – ist stets darauf bedacht, ein Programm mit inneren Zusammenhängen zusammenzustellen. So auch diesmal, wo er Josef Gabriel Rheinbergers neun Adventsmotetten Chorälen aus Bachs Weihnachtsoratorium gegenübergestellt und die Zusammenhänge in kurzen Moderationen aufgezeigt hat. Bewusst habe er mit den Rheinberger-Zyklus noch kein Weihnachts-, sondern ein Adventskonzert gestaltet. Der Komponist hat seine lebendig gestalteten Motetten für die katholische Liturgie der vier Adventssonntage komponiert, für Introitus, Graduale und Offertorium, Motetten, die vom Versprechen und von der Hoffnung auf Erlösung erzählen. Jeder Motette hat Henseler einen Choral nachgestellt, der von der Einlösung der Hoffnung, von der Erfüllung des Versprechens spricht. So lautet der Beginn der vierten Motette „Deus, tu convertens“: „Gott, in Deiner Zuwendung wirst du uns lebendig machen und Dein Volk wird sich an Dir freuen.“ Der ihr zugeordnete Choral bestätigt: „Dies hat Er alles uns getan, sein‘ groß Lieb zu zeigen an; des freut sich alle Christenheit.“

Hören wir nun hinein in den Gesang. Über 30 Sängerinnen und Sänger haben dieses Projekt getragen und in kultiviertem Chorklang dargeboten. Der 1839 in Vaduz geborene Komponist schrieb noch in romantischem Duktus. In klassischer Ausgewogenheit flossen die Motetten mit ihrer farbenreichen Harmonik. Prägend war ein häufiges Alternieren der Stimmen, ein Wandern der Themen durch die Stimmen, die sich ablösten, ineinandergriffen, sich wieder vereinten. Sie konnten zart und demütig sein und wandelten sich allmählich zu freudiger Hoffnung. Besonders innig und berührend war die Vorfreude in der achten Motette „Prope est Dominus“: „Der Herr ist allen nahe, die ihn anrufen.“ Stimmig hat Henseler mit seinem Chor das Konzert mit dem Choral „Ich steh an Deiner Krippen hier“ abgeschlossen. Für die Zugaben machte er einen Sprung zu englischen Christmas Carols, fröhlich bewegt das erste – „Ding dong, merrily on high“ –, besinnlich das zweite – „In the bleak midwinter“.

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