Abschluss des Kulturufers: Ohne Worte – alles gesagt

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Diva und Pianist: Wenn Mimen mehr sagen können als Worte, müssen es Bodecker und Neander sein.
Diva und Pianist: Wenn Mimen mehr sagen können als Worte, müssen es Bodecker und Neander sein. (Foto: Lys)
Lydia Schäfer

Was für ein grandioser Abschluss zum Kulturufer. Mit der „Compagnie Bodecker und Neander“ haben zwei Künstler auf der Bühne des kleinen Zeltes gestanden, die ohne Worte alles gesagt haben. Die Pantomimen kombinieren ihre Kunstform mit der theatralen Erzählstruktur und sprechen mit Mimik, Gestik und Körperbeherrschung ganze Bände. Ohne Worte – alles gesagt.

Keiner kann so starren wie Alexander Neander und niemand ist so divenhaft wie Wolfram von Bodecker. Sie saugen das Publikum mit Blicken auf und spielen mit einer erstaunlichen und schwer zu beschreibenden Leichtigkeit. Es sind Alltagsgeschichten, die sie zum Besten geben. Der Angler, der eingeschlafen ist und davon träumt, ein berühmter Astronaut zu sein, der zum Mars fliegt und dort im Kampf gegen einen Marsianer seinen Arm verliert.

Da sind die beiden Männer in der Wohngemeinschaft, die sich ums Fernsehprogramm streiten. Der eine will Fußball und Bier, der andere Tierdokumentarfilme und Kaffee. Sie sind Straßenkünstler, die gegen den peitschenden Regen kämpfen müssen oder eine Operndiva mit ihrem Pianisten. Und der krönende Abschluss des Abends: ein Jugendlicher auf dem Bahnhof in Berlin Alexanderplatz, der unfreiwillig einer alten, etwas verschusselten Dame hilft, den richtigen Zug zu finden.

Es ist das bis ins letzte Detail fein ausgearbeitete Spiel, das die Zuschauer mitreißt. Mit Blicken, feinen Gesten, nuancierter Mimik und mit Körperbeherrschung, die einen staunen lässt, erzählen sie diese alltäglichen Geschichten, gespickt mit Komik und Poesie. Zwei ganz große Künstler, die mehr sind als Pantomimen – sie sind zugleich Illusionisten. So manch ein Zuschauer wird sich gefragt haben, wie man so geschmeidig hinter einen kleinen Mauer hinab gleiten kann, dass sofort das Bild einer Rolltreppe im Kopf entsteht. Was so leicht aussieht, ist wirklich harte Arbeit und jahrelange Erfahrung. Da spricht die Vita beider schon für sich.

Alexander Neander und Wolfram von Bodecker besuchten die „Ecole Internationale de Mimodrame de Paris, Marcel Marceau“ und spielten mit Marcel Marceau und dessen Compagnie weltweit in den großen Theatern. Wolfram von Bodecker nahm professionellen Unterricht bei Zauberkünstlern. 1992 wechselt von Bodecker nach Frankreich und studiert drei Jahre an der „Ecole Internationale de Mimodrame de Paris, Marcel Marceau“. Das selten vergebene Diplom dieser Schule wurde ihm 1995 überreicht. Alexander Neander besuchte mit zwölf Jahren erste Mimenkurse in Stuttgart.

Später genoss er Ausbildungen wie „Commedia dell'arte“ und „Schwarzes Theater“. Auch Neander ist diplomierter Absolvent der Schule Marcel Marceaus.

Beide Künstler gingen mit Marceau auf Welttourneen und 1996 begann die Zusammenarbeit der Beiden und entwickelten erste gemeinsame Theaterideen. Da will man einfach mehr von sehen.

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