Vorbereitungen für Abriss der alten Stadtkasse laufen
Die Vorbereitungen für den Abriss der alten Stadtkasse in Friedrichshafen laufen. Am Dienstag wurde bereits das Dach abgedeckt, in den nächsten Tagen soll das 1931 erbaute Gebäude in der Friedrichstraße dann abgerissen werden.
Nadine Sapotnik

Der Abriss der Stadtkasse hat begonnen. Seit Dienstagvormittag stehen riesige Container an der Friedrichstraße, um damit die alte Bausubstanz des historischen Gebäudes abzutransportieren. Bauarbeiter decken das Dach Ziegel für Ziegel ab. Der ehemalige OB-Kandidat Philipp Fuhrmann, der sich mit seiner Initiative „Netzwerk für Friedrichshafen“ gegen den Abriss eingesetzt hat, ärgert sich nach wie vor über diese Entscheidung.

Eine lange Diskussion ist dem Abriss der Stadtkasse – und auch dem Hotel Schöllhorn vorausgegangen. Die Initiative um Fuhrmann hatte sich dafür eingesetzt zumindest die Stadtkasse als historisches Gebäude in Friedrichshafen zu erhalten, wenn schon das Hotel Schöllhorn abgerissen werden musste. Die Gruppierung hatte gegenüber der Stadt Interesse für den Kauf des Gebäudes gezeigt. Doch die zeigte sich damals reserviert. Das war im Herbst 2016.

Nach wie vor hat Fuhrmann kein Verständnis für das Verhalten der Stadt. „Es haben derzeit Leute in der Stadt das Sagen, die eine neoliberale Einstellung vertreiben. Alles was zusätzlich Geld kostet, ist für sie nicht von Interesse“, sagt Fuhrmann. Ihn mache der Abriss nach der Aktion seiner Initiative aber nicht zusätzlich betroffen. „Die Stadtkasse ist nicht das letzte Haus auf der Liste der Häuser, die in der Stadt abgerissen werden sollen“, sagt er. Das sei ein weiteres Zeugnis dafür, wer in der Stadt die Kohle mache.

Im Herbst 2017 rief der Immobilieninvestor Junker in Absprache mit der Stadt Friedrichshafen zu einem Architektenwettbewerb auf. Der Sieger sollte seine Idee auf dem Areal umsetzen. Acht Architekten reichten ihre Vorschläge ein. Doch der Entwurf des Gewinners aus Konstanz vom Büro Rogg galt letzten Endes doch nicht als lukrativ. Er sah drei Gebäude vor mit abgeschrägten Wänden und auf der Rückseite der Häuser einen Quartiersplatz.

Mitte November ließ der Immobilieninvestor Junker verlauten, dass der Büro Rogg nun aus dem Rennen sei und der neue Favorit das Häfler Büro Kienzle, Vögele, Blasberg sei. „Das Büro hat einen städtebaulich lebhaften Entwurf vorgelegt, der nicht nur architektonisch überzeugt, sondern auch fantastische Wohnungen bietet, die die Leute an diesem Standort wünschen“, sagte August Junker zur Schwäbischen Zeitung im November.

Auch wenn Fuhrmann einsieht, dass er den Kampf verloren hat, möchte er nicht aufgeben und ein Zeichen setzen. „In der kommenden Woche wollen wir noch einmal mit dem Kondolenzbuch vor der Stadtkasse stehen“, sagt er. Bereits am 25. Januar hatte sich die Initiative mit dem Kondolenzbuch vor der Stadtkasse getroffen und wollte den Häflern mit dieser Geste die Möglichkeit geben, sich von dem Gebäude zu verabschieden. In der Stadt gebe es viele Menschen, die so Fuhrmann, ebenfalls der Meinung des Netzwerks seien, diese aber nicht ständig kundtun.

Bis dahin wird der Abriss der Stadtkasse noch weiter vorangetrieben sein. Bis Ende Februar soll das Gebäude gänzlich abgerissen sein. „Länger als drei Wochen können wir die Friedrichstraße nicht absperren“, sagt Robert Junker auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung.

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