800 000-Dollar-Sportwagen kehrt nach mehr als 60 Jahren zurück

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Einzigartiger Luxus-Oldtimer kehrt nach Friedrichshafen zurück
Zeppelin ist weltweit für seine Luftschiffe bekannt. Doch 1957 war Zeppelin Autobauer. Von zumindest einem Auto.

Ein Stück Identität des Zeppelin Konzerns ist zurück in Friedrichshafen: der Gaylord Gladiator, ein in der Welt einzigartiges Automobil. Am Mittwoch wurde es im Zeppelin Museum vor etwa 200 geladenen Gästen enthüllt. Es ist Teil der am heutigen Donnerstag eröffnenden Ausstellung „Innovationen! Zukunft als Ziel“. Der Wagen wird dem Museum von der Zeppelin GmbH als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

1956 haben die beiden amerikanischen Millionärssöhne Jim und Ed Gaylord die Fahrzeuginstandsetzung Friedrichshafen (FIF), die im Zeppelin Konzern aufging, mit dem Bau des Sportwagens beauftragt. Ihnen schwebte das perfekte Automobil vor – und die FIF nahm die Herausforderung an. „Das hat viel Nerven gekostet“, erinnert sich Kurt Jetter, der damals in der Sattlerei beschäftigt war. „Der Gaylord Gladiator hat alle Abteilungen bis an die Grenze dessen gefordert, was sie konnten.“ Die Auftraggeber rückten kein Jota von ihren Idealvorstellungen ab, und zu denen passte etwa ein quietschender Federkern in der Polsterung gar nicht. „Das haben die Amis nicht abgenommen“, erinnert sich Jetter.

Er hätte nie im Leben damit gerechnet, dieses Fahrzeug jemals wiederzusehen; zumal es als verschollen galt. Erst im vergangenen Jahr wurde es dem Zeppelin Museum per E-Mail von einem amerikanischen Sammler zum Kauf angeboten. Nicht das Fahrzeug allein, sondern auch ein weiteres fahrfähiges Chassis und die bis ins kleinste Detail reichenden Konstruktionsunterlagen. Die Zeppelin GmbH griff zu, zum Preis von 800 000 US-Dollar.

Für Peter Gerstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zeppelin GmbH, ist dieses fahrende Schmuckstück von unschätzbarem Wert für die Unternehmensgeschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich Zeppelin sich neu erfinden müssen, sagt er, und in diesem Kapitel nehme der Gaylord Gladiator einen Fixpunkt ein. Zudem sei der Wagen ein Symbol für die Herausforderungen von heute. „Schaut, was unser Unternehmen in der Vergangenheit geschaffen hat“, sagt Gerstmann auf dem Podium, „und zukünftig sind wir auf dem selben Weg“. In der „Innovationen!“-Ausstellung hat der Gaylord Gladiator seinen idealen Platz. Oberbürgermeister Brand begründet, warum: „Mit Friedrichshafen verbindet man nicht unbedingt die Fähigkeit, ein Auto zu bauen. Ingenieure, Techniker und Arbeiter haben hier etwas geschaffen, das sie vorher noch nicht gemacht haben.“

Teurer als ein Einfamilienhaus

Das Ergebnis war seiner Zeit technisch weit voraus. „Der Gaylord hat ein optimiertes Getriebe mit Rückrollsperre, elektrische Fensterheber und ein versenkbares Dach“, erklärt Museumsdirektorin Claudia Emmert. „Man kann mit 200 Stundenkilometern über die Straße donnern und ist trotzdem weich gefedert.“ Der Motor hat satte 290 PS. „Das war etwas Besonders in einer Zeit, in der man VWs auf 30 PS aufgepumpt hat“, sagt Manfred Sauter vom Freundeskreis Zeppelin-Museum. Er erinnert sich noch an die Testfahrten.

Mit einem Verkaufspreis von 18 000 US-Dollar war der Gaylord Gladiator allerdings unerschwinglich. „Ein Einfamilienhaus kostete damals nur 15 000 Dollar, rechnet Peter Gerstmann vor. Es blieb beim Prototyp, der nun im Zeppelin Museum zu sehen ist. „Möge der Gaylord Gladiator der Besuchermagnet für dieses Museum und für diese Region werden“, sagt Gerstmann. Vielleicht wird der Wagen nächstes Jahr auch bei der Motorworld Classics Bodensee gezeigt. Die Messe Friedrichshafen steht derzeit in Verhandlungen.

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