Schwäbische Zeitung
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Julian Pawlowski

Rund 750 Menschen haben am Ostermontag am „Internationalen Bodensee Friedensweg“ in Friedrichshafen teilgenommen. Bei einer Demonstration durch die Stadt und Kundgebungen forderten Teilnehmer aus drei Ländern Abrüstung, Konfliktlösungen ohne Waffen und auch zivilen Ungehorsam zum Erreichen ihrer Ziele.

11 Uhr, Ostermontag: Der Romanshornerplatz in Friedrichshafen füllt sich mit hunderten, größtenteils aus Deutschland, Österreich und der Schweiz angereisten Friedensdemonstranten. Es ist kalt, regnerisch, trotzdem sind fast so viele Menschen wie im Jahr zuvor zusammengekommen, als die Veranstaltung in der Schweiz über die Bühne ging. Sie alle eint ein Ziel: Sie wollen Flagge zeigen für etwas, das sie Friedenskultur nennen und als das Gegenteil einer „Kriegslogik“ verstehen, die heute die Entwicklung zahlreicher Konflikte auf der Welt bestimme.

Ziviler Ungehorsam

„Wir Bürger müssen lernen uns einzumischen und dürfen unsere Verantwortung nicht nur an die Politik delegieren“, sagt später Frieder Fahrbach, Koordinator der Friedensdemonstration, im Pressegespräch. Deshalb soll es am Montag deutschlandweit rund 90 ähnliche Veranstaltungen gegeben haben. Angesichts etlicher bewaffneter oder vor der militärischen Eskalation stehender Konflikte weltweit, von Syrien bis Nordkorea, haben sich die Teilnehmer kein einfach zu erreichendes Ziel gesetzt. Doch Erfolg fängt laut Fahrbach im Kleinen an: „Zum Beispiel beim Umgang mit der eigenen Familie und den Kindern. Hier ist gewaltfreie Kommunikation der erste Schritt“, sagt er.

Viele Teilnehmer der Demonstration vom Montag denken ähnlich. Eingeladen haben Dutzende Organisationen von der Studenteninitiative „Blaue Blume Friedrichshafen“ über die Globalisierungsgegner von „Attac Lindau“ bis zur evangelischen Kirchengemeinde Überlingen, ähnlichen Gruppen aus Österreich und der Schweiz und internationale Organisationen wie Amnesty International. Vom Romanshornerplatz zieht dieser Pulk später, angeführt von einem Traktor mit plakatiertem Anhänger, über drei Stationen in der Innenstadt zum Adenauerplatz, wo ein „Friedensmarkt“ mit Infoständen vorbereitet ist. Parteien und Organisationen machen dort ihre Aufwartung. „Waffen vom Bodensee“ sind genauso Thema wie die jüngsten Entwicklungen in der Türkei, über die an einem kurdischen Stand informiert wird. Bei Musik, Tanz, Snacks kommen die stets mit Fahnen, Kostümen und Plakaten ausgerüsteten Teilnehmer miteinander ins Gespräch.

Das die Friedensaktivisten durchaus auch zu mehr als nur Reden in der Lage sind, zeigt dann schließlich die Abschlusskundgebung, bei der Andreas Zumach, Uno-Korrespondent aus Genf, zum Mikrofon greift. Er ruft die Demonstranten dazu auf, zum Erreichen ihrer Ziele auch zivilen Ungehorsam einzusetzen.

Auch das Überkleben von Plakatwerbung für die Bundeswehr oder die Reduzierung von Steuerzahlungen um den Anteil des Verteidigungsetats zählt er dann zu legitimen Aktionen um Sinne der Friedensbewegung.

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