5050 Unterzeichner wollen den Seewald erhalten

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Brigitte Wallkamp (BUND), Christin Kaptain (NABU) und Michael Wlaka (Greenpeace) übergeben 5050 Unterschriften gegen die Teilrod
Brigitte Wallkamp (BUND), Christin Kaptain (NABU) und Michael Wlaka (Greenpeace) übergeben 5050 Unterschriften gegen die Teilrodung des Seewaldes an Friedrichshafens Ersten Bürgermeister Stefan Köhler und Oberbürgermeister Andreas Brand (von links). (Foto: Ralf Schäfer)

5050 Unterschriften gegen die geplante Teilrodung des Seewaldes sind am Mittwoch von Brigitte Wallkamp (BUND), Christin Kaptain (NABU) und Michael Wlaka (Greenpeace) an Oberbürgermeister Andreas Brand und den Ersten Bürgermeister Stefan Köhler und übergeben worden. Anschließend haben die Vertreter der Naturschutzverbände mit der Stadtspitze hinter verschlossenen Türen über das Thema diskutiert.

Ursache für die Teilrodung ist der Wunsch der Firma Liebherr-Aerospace Lindenberg, die Firmengebäude zu erweitern und für ein Joint Venture mit Rolls-Royce, der ATT GmbH, eine neue Produktionseinheit zu bauen. Dafür wären rund dreieinhalb Hektar des Waldes nötig. Der Gemeinderat hatte am 19. November 2018 beschlossen, für die Erweiterung der Unternehmen einen Bebauungsplan aufzustellen.

Die Stadt hatte der Firma Liebherr-Aerospace auf der anderen Seite der Bahnlinie ein Erweiterungsgrundstück angeboten, das aber laut Unternehmenssprecher keine Alternative darstelle. „Wir haben unsererseits Alternativen geprüft, die aus unterschiedlichen Gründen ausscheiden. Wir streben nach wie vor einvernehmliche Lösungen an“, schreibt Ute Braam, Sprecherin von Liebherr-Aerospace.

Bei der Übergabe der Unterschriften versicherte Oberbürgermeister Andreas Brand, dass das Verfahren um den Bebauungsplan gerade erst beginne. Der Gemeinderat habe mehrheitlich der Aufstellung zugestimmt, jetzt seien alle weiteren Schritte dazu zu prüfen. Jetzt schon Prognosen zu treffen, wohin die Reise mit dem Seewald gehe und ob am Ende tatsächlich ein kleines Teilstück gerodet werden müsse, sei gänzlich unmöglich. „Ich nehme die Unterschriften an und ich nehme sie ernst“, so Andreas Brand, der ausdrücklich nach der besten Lösung suchen will und nicht einem „Schwarz-Weiß-Denken“ das Wort reden möchte.

Es liegen zum Aufstellungsbeschluss sowohl Bürger- als auch Behördenstellungnahmen vor, die bisher allerdings noch nicht inhaltlich gesichtet und auch noch abgewogen wurden, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. „Dem Gemeinderat wird selbstverständlich ergänzend zu den Bürger- und Behördenstellungnahmen die Unterschriftenliste vorgelegt. Die finale Beschlussfassung über die Planung erfolgt dann aber erst mit dem Feststellungsbeschluss (Flächennutzungsplan) beziehungsweise Satzungsbeschluss (Bebauungsplan)“, so die Stadtverwaltung. Und das sei erst im dritten Quartal 2020, sagt Brigitte Wallkamp, Sprecherin des BUND.

Wie in Bauleitplan-Verfahren üblich, erfolge ein erster Bericht über die eingegangenen Stellungnahmen im Rahmen des Entwurfsbeschlusses, teilt die Stadt mit. Bis Herbst habe Liebherr jetzt Zeit, sich zur angebotenen Alternativfläche zu erklären, weil dann das Vorkaufsrecht ausläuft, sagen die Umweltverbände. Diese Fläche am Flugplatz, „auf der Kantine, Ausbildungszentrum und Parkplatz doch sicher Platz finden würden“, so Michael Wlaka, würde ansonsten von der Stadt anderweitig genutzt werden.

Thema fließt in den Wahlkampf

Die Entscheidung fällt also der kommende Gemeinderat nach der Kommunalwahl am 26. Mai. Für die Vertreter der Umweltschutzverbände ist diese Unterschriften-Aktion die erste Maßnahme beim Protest gegen die Waldrodung. Sie wollen das Thema jetzt in den Wahlkampf einbringen und von den Kandidaten wissen, wie sie generell zu der Teilrodung stehen. „Selbstverständlich sind auch wir für die Erhaltung und den Ausbau von Arbeitsplätzen. Es muss aber doch Alternativen geben, anders zu bauen oder an anderer Stelle zu bauen, als unbedingt auf den Flächen, auf denen heute der Wald steht“, sagt Michael Wlaka. Gespräche mit Liebherr-Aerospace hätten bereits stattgefunden. Eine Lösung aber sei noch lange nicht in Sicht. „Wir befürchten, dass es auch nicht bei der Teilrodung bleibt, sondern der bereits in der Stadt vorliegende Plan, der einige Jahre zurück reicht, umgesetzt wird.“ Darin, so Wlaka, sei der Seewald zwischen B 30 und Flughafenstraße komplett als potenzielle Erweiterungsfläche für Gewerbeansiedlungen vorgesehen. „Hier geht es um einen Wald, der eine klimatische Bedeutung hat und um streng geschützte Tierarten“, sagt Wlaka.

Die Liebherr-Aerospace gibt zu dem Thema mehrere Antworten: „Wir streben einvernehmliche Lösungen an.“ Und: „Ein Scheitern der Ausbaupläne würde bedeuten, dass die Liebherr-Aerospace LIndenberg GmbH nicht am bestehenden Standort erweitern kann. Der Aufbau von Arbeitsplätzen sowie die Entwicklung von Technologien würden dann an einem anderen Standort geschehen.“

Was die gegenwärtigen Arbeitsplätze angeht, sagt Ute Braam, dass das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt keine Auswirkungen auf die derzeitigen Arbeitsplätze und die Niederlassung in FN sieht. „Wir wollen vielmehr langfristig am Standort Friedrichshafen weitere Arbeitsplätze aufbauen und mit Investitionen in Zukunftstechnologien den Standort sichern.“

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