Ganz in Weiß: Die „White Summer Night XXL“ auf der Euregia.
Ganz in Weiß: Die „White Summer Night XXL“ auf der Euregia. (Foto: ANDY HEINRICH)

Andreas Karlinger ist zufrieden. 21 Mal stechen seine „ Partyboote XXL“ in dieser Sommersaison in See, und sie sind zu 98 Prozent ausverkauft. Keine Kleinigkeit, denn der Eigentümer der Häfler Eventagentur King Karla mietet für sein Party-Format stets die Fähre Euregia. Je nach der Größe des Bühnenaufbaus, den die Liveband oder der DJ benötigt, bleibt Platz für 600 bis 650 Partygäste. Das macht, über den Daumen gepeilt, 14 000 bis 15 000 Gäste, die bis maximal Mitternacht eine gute Zeit haben. „Vier Stunden Party, das reicht locker“, fasst der 39-Jährige Häfler seine Erfahrungen zusammen. „Es gibt andere Partyschiffe, die sind sechs bis sieben Stunden draußen“, sagt er. „Da trinken die Leute zu wenig Wasser und kippen teilweise um.“

Zwischen 65 und 70 Euro Eintritt verlangt Karlinger. Die Getränke sind dabei inklusive, allerdings nicht das Hochprozentige – an einem stark alkoholisierten Publikum hat Karlinger kein Interesse. „Wer schon beim Einlass Schlagseite hat, darf auch nicht mit“, betont er. Ihm liegt an Leuten, das gerne feiern, aber friedlich und zivilisiert sind. Die recht hohen Eintrittspreise haben auch die Funktion, die Partygäste quasi vorzusortieren. „Über den Eintritt steuert man immer auch das Publikum, das man hat“, sagt er.

Für 2019 schon ausverkauft

Der Klassiker unter den Partybooten ist die Schlagerparty. Schon jetzt ist das Schlagerboot ausverkauft, das beim Seehasenfest 2019 auslaufen wird, mit Livemusik von Papis Pumpels aus Stockach. Karlingers Partyboote setzen auf Gemeinschaftsgefühl – allein schon durch den Dresscode. Da gibt es die Black & White Party, bei der schwarze oder weiße Klamotten vorgeschrieben sind; oder die Wiesen-Boote, die im Zeichen des Oktoberfests stehen und bei denen man idealerweise Trachten trägt. Zum Classic Rock Boot passt keine einheitliche Kostümierung – aber wenn die Kultband Helter Skelter spielt, verschmilzt das Publikum auch so zur begeisterten Masse. Fürs nächste Jahr hat sich Karlinger etwas Neues überlegt: Am 20. Juli wird das Partyboot zum ersten Mal zum Piratenschiff – freilich mit mehreren hundert Party-Piraten an Bord. „Wir orientieren uns an ’Fluch der Karibik“, sagt Karlinger. In ihrer Fahrtroute sind die Partyboote nicht festgelegt. Das müssen sie auch nicht: „Der See ist internationales Gewässer, da gibt es keine Grenzen. Wohin die Euregia fährt, entscheidet der Kapitän spontan, je nach Wetterlage“, sagt Karlinger.

Die Partyboote sind freilich eine lautstarke Angelegenheit und die Wasserfläche des Bodensees ist ein idealer Überträger von Geräuschen. Da kann man am Ufer schon mal zu den Bässen wippen, die draußen auf dem See wummern. Beschwerden von Anwohnern, die sich belästigt fühlen, bekommt Karlinger aber nicht, sagt er. Was vielleicht daran liegt, dass die Euregia auf drei Seiten eine geschlossene Front hat, der Schall also nur nach einer Seite richtig entweichen kann. „Außerdem beschallen wir bei der Ein- und Ausfahrt nur in Zimmerlautstärke“, sagt Karlinger. Neben den Partybooten richtete er in diesem Jahr auch sechs Firmenfeiern auf der Euregia aus. Eine Strategie, die er in Zukunft noch stärker ausbauen will. „Immerhin werde ich bald 40“, meint er lakonisch. Vor neuneinhalb Jahren hat Andreas Karlinger sein Gewerbe in Friedrichshafen angemeldet, nach seinem Sportmanagement- und Eventmanagement-Studium in Heidelberg sowie drei Jahren als Event-Assistent beim Deutschen Tennisbund in Hamburg. Von der Partyschiffen, die auf der Elbe unterwegs sind, hat er die Idee des Schlagerboots mit an den Bodensee gebracht. „Ein Schlagerboot gab es damals auf dem Bodensee noch nicht“, erinnert er sich. Was damals also mit einer ersten Schlagerparty auf der MS Uhldingen begann, mit 150 Besuchern, hat sich zum Dauerbetrieb in den Monaten Mai bis September entwickelt. „Wenn der Sommer noch mehr Wochenenden hätte, könnten wir auch noch öfter rausfahren“, meint Karlinger, denn an Besucherresonanz fehlt es nicht.

Konflikte? Fehlanzeige!

Stolz ist Karlinger, dass seine Partyboote nicht in den Polizeiberichten auftauchen. „Wir haben mehr Sicherheitspersonal an Bord, als wir müssten – und es reagiert ausgesprochen deeskalierend“, meint er. Dieser Ruf ist bis nach Passau gedrungen. Auch in dieser Stadt der drei Flüsse gibt es regelmäßig Bootspartys; und unlängst bekam die Stadtverwaltung Friedrichshafen eine Anfrage aus Passau. Weil die Häfler Partyschiffe so konfliktfrei funktionieren, erkundigte man sich nach den besonderen Sicherheitsmaßnahmen. Da konnte die Verwaltung nur eine Antwort geben: das sei Sache des Veranstalters; Andreas Karlinger eben.

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