Über eine unvergessene Reise nach Kirgistan

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Über eine unvergessene Reise nach Kirgistan
Über eine unvergessene Reise nach Kirgistan
Schwäbische Zeitung
Renate Habermaas

Eine Lesung eines Reisebuches hat die Zuhörer im Gessler 1862 am Dienstagabend in ein unbekanntes Land mitgenommen: nach Kirgisistan. Der Autor Markus Huth las aus seinem Buch „Ohne Plan durch Kirgisistan“ und erzählte die Geschichte seiner ungewöhnlichen Reise quer durch Kirgistans Bergwelt.

Es war nicht verwunderlich, dass Huth viel von den Bergen und Bergseen erzählte, weil Kirgisistan oder auch Kirgistan genannt, zu 90 Prozent aus Bergen bestehe. „Zuerst habe ich meinen Flug gebucht, danach habe ich mal auf der Karte geschaut, wo dieses Land liegt“, sagte der ehemalige Redakteur, der in einer Lebenskrise steckte und froh war, als sein Freund Franz ihn fragte, ob er mit nach Kirgistan wollte. So erschließt sich auch der Titel seines Buches, denn geplant war nichts im Voraus.

Sein Buch ist ein Reisebericht und erzählt viele Erlebnisse und Eindrücke vom Land und von den Leuten, von denen manche immer noch ein Nomadenleben führen, in Jurten leben, abseits jeglicher Zivilisation. In Erinnerung blieb die Passage, als Huth von seinem Ausflug zum Bergsee Songkül berichtete, ein Ausflug, der die Sehnsucht stillen sollte, zu sehen wie echte Nomaden leben. Aber nicht nur das, sondern für kurze Zeit selbst ein Nomade zu sein, in Jurten leben, ohne fließendes Wasser, Strom und Internet klarzukommen und beim kirgisischen Fußball zuzuschauen, bei dem Fußball mit dem Kopf einer geköpften Ziege gespielt wurde, der dann in zwei aufgestellte Kessel hinein musste. „Fast fühlte ich mich wie ein kirgisischer Reiterkrieger“, las Huth vor und beschrieb so schmunzelnd ironisch seine Tour bis zum See auf seiner bockigen Stute, die auf sein „Tschu“ – ldas heißt „Los“ auf kirgisisch – nicht hören wollte. „Keine Spuren von Zivilisation“, berichtete Huth über die Landschaft am See Songkül und erzählte von der Freundschaft seiner Gastgeber. Er beendete das Kapitel wie jedes Kapitel in seinem Buch mit einer kirgisischen Weisheit: Die Ziege muss in den Kessel. Der Autor und Fotograf ließ über einen Monitor parallel zur Lesung Bilder von der traumhaften Landschaft laufen, so wünschte man sich umso mehr in dieser entlegenen Gegend dabei gewesen zu sein. Dort am See, abgekoppelt von der Welt, weg von der Zivilisation zog Huth das Fazit: „Das war der schönste Tag“. Die kirgisische Weisheit am Ende dieses Kapitels war: Magie und Kitsch trennt nur das Erleben. Sein nächstes Buch „In 80 Tieren um die Welt“ soll im Juli fertig sein und handelt von einer Reise um die Welt, bei der er auf Haustiere aufgepasst hat, solange die Besitzer in Urlaub waren.

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