Nachmittagsstunden gleichen einem Kaleidoskop

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(Foto: Martina Wolters)
Martina Wolters

Zweimal jährlich bietet die Galerie „Am Waldeck“ in Leustetten Kunstgenuss besonderer Art. „Kultur auf dem Lande“ nennt das Gastgeberehepaar Dodo und Jürgen Wartmann die spezielle Mischung aus Musik, Literatur und Bildender Kunst.

Am Sonntagnachmittag bot sich der illustren Gästeschar nach einjähriger Pause nun wieder ein vielfältiges kulturelles Programm. Die Bilder des früheren Hochbauingenieurs Wilhelm Hammer, thematisch der „Landschaft als ästhetischem Raum“ zugeordnet, hießen die Besucher willkommen. Der Sohn des Hauses, Jan Christoph Wartmann, war gleich zweifach prädestiniert, die Laudatio für den 84-jährigen Künstler zu halten. Einmal machte es ihm offensichtlich viel Freude, die Arbeit seines Großvaters zu würdigen. Zum anderen gelang es ihm als Kunsthistoriker, auf die wesentlichen Elemente der ausgestellten Bilder hinzuweisen.

Er ordnete Hammer den „Gebrauchskünstlern“ zu, die sich durch ihre spezielle zeichnerisch- zweckgebundene und gleichzeitig rationale Art von den emotional-malerischen Kunstschaffenden unterschieden. Die ausdrücklichen Lieblingsbilder des gebürtigen Pfälzers, eine Buntstiftzeichnung eines Schwarzwaldhauses sowie eine aufwendige Tuschearbeit, nutzte der Laudator, um auf die enthaltenen unglaublich vielen Farbschattierungen und versteckten Lichtreflexe hinzuweisen.

Der Künstler selbst, der eigentlich „nur für den Hausgebrauch malt“, freute sich ob der positiven Resonanz. Ihm genüge es, wenn ihm schwierige Bildelemente wie die Abstufungen von Nebel oder Schnee auf den Ästen eines Baumes gelängen, erklärte er.

Seine Tochter Dodo, die Gastgeberin, verglich die kunstvoll geprägten Nachmittagsstunden mit einem Kaleidoskop. „Alles, was sich heute bildet, wird so niemals wieder geschehen“, gab sie der dargebotenen Kunstmischung eine besondere Wertung.

Die japanische Konzertpianistin Chiaki Nagata erfreute die Gäste, die es sich im Wohnbereich und im Garten bequem gemacht hatten, mit Werken namhafter Klassiker wie Schumann, Grieg oder Tschaikowsky. Die von ihr gespielten Frühlingsmelodien schienen das hereinfallende Sonnenlicht und die frühlingshafte Brise geradezu wieder zu spiegeln.

Theaterpädagogin Sibylle Hoffmann trug pointiert mit ihrem unkonventionellen Gedicht „Kaleidoskop“ zum Gelingen bei.

Für humorvoll-satirische Unterhaltung sorgte Schauspielerin und Romanautorin Dorothea Neukirchen mit einem Feature aus eigener Feder. Wortgewandt illustrierte sie ihren Kampf mit einem Internet-Telefon. Angesichts der Enthüllungen des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden über das Ausmaß weltweiter Überwachungspraktiken bekam die ausgeschmückte Darstellung ihrer Internet-Ängste eine brandaktuelle Dimension. Die Zuhörer waren beeindruckt.

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