Johannes-Passion lockt viele Besucher an

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Am Sonntagabend erklang in der St. Magnus-Kirche in Fischbach die Johannespassion. Bild: Lena Reiner
(Foto: Lena Reiner)
Lena Reiner

In der St. Magnus-Kirche hat am Sonntagabend ein besonderes Konzert stattgefunden: Die Camerata Serena, ein Vokalensemble, das projektbezogen zusammen Werke einstudiert und anschließend aufführt, und das Orchester „La Banda“ führten gemeinsam unter der Leitung von Nikolaus Henseler die Johannes-Passion nach Johann Sebastian Bach auf. Mehr als 300 neugierige Zuhörer waren gekommen.

Der Auftakt des Konzerts war unerwartet: Das Publikum hört nicht etwa die ersten Takte der Johannes-Passion, als kurz nach 18 Uhr die Kirchenglocken verstummen, sondern hört erst einmal gar nichts. Dabei handelt es sich aber keineswegs um ein Versehen, sondern vielmehr um einen geplanten Auftakt mit John Cages Werk 4’33“, einer Komposition in drei Akten mit einer variablen, durch den Dirigenten bestimmten Dauer. Wie dieses Werk klingt? Gar nicht. Es handelt sich um andauernde Stille. Ziel des Auftakts soll es sein, der Zuhörerschaft die Ohren zu öffnen, sie auf das achtsame Lauschen vorzubereiten und sie ein paar Minuten Zeit haben zu lassen, sich von ihrem Alltagsstress zu lösen.

Mit ernster Miene schweigen also das Publikum, der Chor und das Orchester zunächst einige Minuten lang und hört dabei die Autos auf der Bundesstraße und ab und an einen Vogel von draußen. Dann beginnt das eigentliche Konzert mit besonders gespitzten Zuschauerohren und beeindruckt von Beginn an.

Mit klarer Aussprache und klaren Tönen erzählt der Tenor Philipp Nicklaus als der Evangelist die Ereignisse rund um Jesu’ Kreuzigung, den Bassist Wooram Lin mit eindrucksvoller Stimme und mächtigen Tönen mimt. Manuel Kundinger als Bariton singt gleich zwei Rollen: Pilatus und Petrus. Ebenso sauber wie die zuerst genannten Solisten treffen auch Mariann Grieshaber im Sopran, Elisabetta Picello (Alt) und Xuecheng Zhang (Tenor) die Töne und füllen das Gotteshaus mit zarten Arien und forschen Plädoyers. Einzig Picellos Auftakt der Arie „Von den Stricken meiner Sünden“ ertönt beinahe zu zaghaft, sodass das Orchester sie anfangs übertönt. Nach dem Beginn jedoch singt sie sich empor und bald erklingt auch ihre Stimme in der ganzen Kirche.

Der Chor glänzt in all seinen Rollen: ob laut, wirr und wütend als Judenschar, die Jesus nicht als Gottes Sohn anerkennen mag, flehend, besorgt und zärtlich als eben dessen Anhänger oder fein nach Stimmlagen sortiert als strikte Hohepriester.

Bach gelingt es in seinem Werk ebenso wie den Interpreten an diesem Abend, die Kreuzigung Christi nicht düster und tragisch, sondern eher hoffnungsvoll und herrlich darzustellen. Im Mittelpunkt steht Jesus mit seiner beeindruckenden Stimme, die seine Stärke und Ruhe betont und ihn nie verzweifelt zeigt.

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