Der dreifache „Johannes“ in St. Magnus in Fischbach

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Stimmig: Das Vokalensemble „Camerata Serena“ ist am Samstag, 22. März, in St. Magnus in Fischbach zu hören.
Stimmig: Das Vokalensemble „Camerata Serena“ ist am Samstag, 22. März, in St. Magnus in Fischbach zu hören. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

Schon die Vornamen der Komponisten Bach und Cage sowie der Titel „Johannes-Passion“ bilden den einheitlichen Kern des Konzertes mit dem Vokalensemble „Camerata Serena“ am kommenden Sonntag, 22. März, in St. Magnus in Fischbach. Beginn ist um 18 Uhr, Karten gibt’s im Vorverkauf.

Denn Chorleiter Nikolaus Henseler fügt der großen Bach’schen „Johannes-Passion“ mit dem avantgardistischen Werk „4‘33‘“ von John Cage eine Einleitung hinzu. Diese Einleitung ist eine sehr stille, denn in „4‘33‘‘ erklingt kein einziger Ton – das Werk besteht aus drei Sätzen, in denen die Musiker völlig ruhig bleiben, heißt es in der Vorschau auf das Konzert. Demnach ist die Dauer der Sätze frei wählbar und dem Moment überlassen. Sowohl Cage als auch Henseler haben damit aber ein tieferes Anliegen: „Die Johannes-Passion von Bach braucht keinen musikalischen Zusatz. Daher fand ich dieses Werk der Stille von Cage sehr reizvoll. Wir hoffen, dass es die Ohren und den Geist unserer Hörer stark sensibilisiert, um für die klingende Musik Bachs so offen wie möglich zu sein“, sagt Henseler.

Der Schwerpunkt des Konzertes liegt auf Johann Sebastian Bachs Meisterwerk, der Johannes-Passion BWV 245. In den Proben wird bis zum Schluss an der Gestaltung und der Ausdruckskraft des Chores gefeilt, denn die Passion ist nicht zuletzt auch eine darstellerische Herausforderung. In den Turba-Chören verkörpert der Chor die wütende Volksmenge, die aufgebracht den Tod Jesu fordert. Die zwölf Choräle bilden einen starken Kontrast dazu: Sie sind verinnerlichte Miniaturen, die den theologischen Inhalt für jeden einzelnen begreiflich machen. Immer wieder erinnert Henseler in den Proben an die starken Emotionen, die das Werk vermitteln soll: „Von Angst, Aggression, Mitleid, Empörung, Gnade bis zur Reflexion über den eigenen Tod ist in der Johannes-Passion auf sehr engem Raum alles enthalten. Das macht das Werk für uns so reizvoll, aber auch anspruchsvoll.“ Zusammen mit den teils lyrischen, teils dramatischen Arien ergebe sich ein emotionales und facettenreiches Kunstwerk, so der Veranstalter.

Chor zählt 42 starke Stimmen

Der Chor ist mit 42 Sängern bestens aufgestellt. Wie so oft kann sich die Camerata glücklich schätzen, dass sich die Frauen- und Männerstimmen genau die Waage halten, sodass ein homogener Chorklang entstehen kann. „Die Sängerinnen und Sänger kommen aus dem ganzen Bodenseekreis, aus Friedrichshafen, Markdorf, Ravensburg, Meersburg, Überlingen und Konstanz – und einer aus Darmstadt“, freut sich Nikolaus Henseler. Mit einem Durchschnittsalter von nur gut 40 Jahren ist der Chor sehr aktiv und frisch besetzt. „Alle sind unglaublich motiviert und möchten die Johannes-Passion dem Publikum präsentieren.“

Das Vokalensemble Camerata Serena musiziert zusammen mit dem hochkarätig besetzten Profi-Barockorchester „La Banda“ aus Augsburg, das an Weihnachten noch in St. Nikolaus mit dem „Weihnachtsoratorium“ brillierte.

Die beiden großen Solisten-Rollen übernehmen Philipp Nicklaus von der Stuttgarter Oper als Evangelist und Manuel Kundinger aus München als Petrus und Pilatus. Wooram Lim aus Trossingen, der schon im Mozart-Requiem mit der Camerata als Bass-Solist auftrat, verkörpert die Figur des leidenden Jesus. Nikolaus Henseler meint: „Unser Anliegen ist es, die Passion ohne zusätzliche Inszenierung so lebendig, begreiflich und berührend zu gestalten wie möglich. Dann wird es hoffentlich ein starker geistlicher und emotionaler Abend“.

Ausführende sind das Barockorchester „La Banda“ (Augsburg), Philip Nicklaus (Evangelist), Bariton Manuel Kundinger (Petrus/Pilatus), Wooram Lim (Jesus), Mariann Grieshaber (Sopran), Elisabetta Picello (Alt) und Xuecheng Zhang (Tenor).

Eintrittskarten sind im Vorverkauf für 24 und 18 Euro (ermäßigt 8) erhältlich bei Musik-Fischer (Telefon 07541 / 239 39) und der Buchhandlung Fiederer (07541 / 226 21).

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