Kulturfreunde stehen kurz vor dem Aus

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„Wir haben ein schönes Programm 2018, das wir auch durchziehen“: Kulturfreund Hans Sailer lädt zur Eröffnung der Sommerausstellu
„Wir haben ein schönes Programm 2018, das wir auch durchziehen“: Kulturfreund Hans Sailer lädt zur Eröffnung der Sommerausstellung am Freitag, 22. Juni, um 20 Uhr in die „Alte Schule“ ein, Thema: Deutscher Karikaturenpreis 2017. Ob Eriskirch a (Foto: Tanja Poimer)
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

Eine Sommerausstellung mit Karikaturen, ein Puppentheater für Erwachsene, ein Literatur-Abend: Es sind einmal mehr sehr schöne Veranstaltungen, mit denen die Eriskircher Kulturfreunde 2018 die Gemeinde unterhalten. Wie es aussieht, ist es aber das letzte Jahresprogramm, denn wahrscheinlich löst sich der Verein auf. Das Problem: Es findet sich kein Nachfolger für den Präsidenten Hans Sailer. Insgesamt sind sogar drei von vier Vorstandsposten neu zu besetzen.

„Die Aussichten, dass es die Kulturfreunde weiterhin gibt, sind schlecht“, gibt Hans Sailer unumwunden zu. Seine traurige Prognose: Der 30 Jahre alte Verein löst sich mit 80-prozentiger Sicherheit auf. Zwar hatten sich der Präsident und die Kassiererin Ilona Walzer bei der Mitgliederversammlung im Januar erneut zur Wahl gestellt, aber nur weil es keine anderen Kandidaten gab und begrenzt auf ein Jahr. Der nachvollziehbare Grund: Beide Vorstandsmitglieder wollen nach fast zwei Jahrzehnten ihr aufwendiges Ehrenamt ab- beziehungsweise im Idealfall übergeben, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Besonders tragisch: Hans Sailers Stellvertreter, Adelhard Dieterle, der den Posten des Präsidenten übernehmen wollte, starb kurz vor Weihnachten.

Die Zeit drängt

Sollten sich nicht bald Menschen finden, die sich in Zukunft um das kulturelle Leben in Eriskirch kümmern, ist es zu spät: „Es müsste sich noch im ersten Halbjahr jemand bereit erklären, damit das Programm für das nächste Jahr aufgestellt werden kann. Es gilt, Künstler und Ausstellungen rechtzeitig zu buchen“, macht Hans Sailer den Ernst der Lage deutlich. Das Frustrierende für ihn: Das Werben um Mitglieder und die Suche nach Nachfolgern für den Vorstand brachten zuletzt nichts. Eine Situation, die den ersten Kulturfreund zu dem Schluss bringt: „Ich wollte nie der Präsident sein, der den Verein auflöst, mittlerweile ist mir allerdings ein Ende mit Schrecken lieber als ein Schrecken ohne Ende.“

Sollten die Kulturfreunde tatsächlich auseinandergehen, muss sich dem Präsidenten zufolge die Eriskircher Gemeindeverwaltung überlegen, ob in irgendeiner Form eine Stelle geschaffen wird, die Kulturveranstaltungen organisiert. In Langenargen und Kressbronn ist die Aufgabe zum Beispiel jeweils beim Amt für Tourismus, Kultur und Marketing angesiedelt. Noch kümmert sich Hans Sailer mit seinem Team darum, und er versichert: „Wir haben ein schönes Programm 2018, das wir auch durchziehen.“

Bereits gelaufen – und zwar dem Präsidenten zufolge sehr erfolgreich – sind ein Konzert mit dem Werner-Specht-Trio, eine Lesung samt Musik mit Bodo Rudolf und dem Lothar-Kraft-Trio sowie ein Dia-Vortrag, den der Arzt und Alpinist Uwe Metzinger über Nepal gehalten hat. Als Nächstes steht das Vorspiel der Musik-Kinder am Samstag, 21. April, um 10.30 Uhr im Bürgerhaus „Alte Schule“ im Veranstaltungskalender der Kulturfreunde. Eine Woche später, am 28. April, gibt die Theatergruppe Kehlen ihr 27. Gastspiel in Eriskirch. Vielsagender Titel des Stücks, das wieder für eine volle Wilhelm-Schussen-Halle sorgen dürfte: „Castinglust und Rollenfrust“.

Karikaturen im Sommer

Die etwas älteren Musikschüler sind am Samstag, 5. Mai, um 19 Uhr in der „Alten Schule“ an der Reihe, um als Vorbereitung für den Wettbewerb „Jugend musiziert“ einmal vor Publikum zu spielen: „Diese Konzerte sind immer ein echter Genuss“, versichert Hans Sailer. Genau wie die Sommerausstellungen, die im Bürgerhaus dank der Kulturfreunde bislang jährlich zu sehen sind. Gezeigt werden dieses Mal die Gewinner des Deutschen Karikaturenpreises 2017, Vernissage ist am Freitag, 22. Juni, um 20 Uhr, die Ausstellung ist bis 2. September an den Wochenenden und an einem Abend unter der Woche geöffnet. „Ich bin gerade auf der Suche nach einem Laudator für die Eröffnung“, erzählt der Präsident – und die vielen bunten Klebezettel im Buch zur Ausstellung zeigen, wie intensiv die Vorarbeiten bereits sind. Weitere Höhepunkte: eine Führung mit und durch den Skulpturengarten des Bildhauers Peter Lenk in Bodman am Sonntag, 24. Juni, ein Puppentheater für Erwachsene am Freitag, 12. Oktober, und ein Literatur-Abend mit Buchhändler Thomas Fiederer am Freitag, 16. November.

Ob in Eriskirch auch im nächsten Jahr einmal im Monat eine kulturelle Veranstaltung über die Bühne geht, hängt davon ab, ob es die Kulturfreunde noch gibt. Oder um es mit Hans Sailer zu sagen: „Wir werden alles versuchen. Aber wenn es nicht sein soll, dann soll es nicht sein.“

Der Bürgermeister hofft noch

Bürgermeister Arman Aigner weiß natürlich um die existenziellen Probleme, mit denen die Kulturfreunde kämpfen. Zwar sei Eriskirch nicht mit den Gemeinden Langenargen und Kressbronn zu vergleichen, die Kulturveranstaltungen jeweils im Amt für Tourismus, Kultur und Marketing organisieren. Doch sollte sich der Verein tatsächlich auflösen, sei die Gemeindeverwaltung im Rahmen der Daseinsvorsorge gefordert, sich auch um das Thema Kultur zu kümmern.

Wie das aussehen könnte, ob beispielsweise die Vorstandschaft aus dem Rathaus besetzt würde, ist Arman Aigner vor allem aus einem Grund derzeit nicht klar: „Weil ich immer noch der Hoffnung bin, dass sich Nachfolger finden, die den Verein führen.“ Er werde die Kulturfreunde im Kampf ums Fortbestehen unterstützen und sei bereit und offen für Gespräche aller Art.

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