Körper verschmelzen mit der Umgebung

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 Wo verbergen sich die menschlichen Körper? Landschaftsfotografien werden im Naturschutzzentrum zu Suchbildern.
Wo verbergen sich die menschlichen Körper? Landschaftsfotografien werden im Naturschutzzentrum zu Suchbildern. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Trotz tropischer Temperaturen sind am Mittwochabend um die 50 Gäste zur Eröffnung der Ausstellung „Metamorphosen – Verschwundene Körper“ ins Naturschutzzentrum Eriskirch gekommen. Die „heißeste Vernissage, die es in 25 Jahren hier gegeben hat“, kommentierte Gerhard Kersting in seiner Begrüßung, was natürlich nur auf die Temperatur bezogen war.

Gezeigt werden Fotografien von mit wasserlöslichen Farben bemalten nackten menschlichen Körpern, die in die umgebende Landschaft integriert wurden, Körper, die eins werden mit Baumwurzeln, mit großen Kieseln im Bach, mit einem vereisten Wasserfall. Nackte Körper allein in der Landschaft, das wäre eine der vielen Spielarten der Aktfotografie. Kann man daher, wenn sie dank Bodypainting mit der Landschaft verschmelzen, von verfremdeten Aktfotos sprechen? Unter Metamorphosen, so interessant das Wort auch klingt, versteht man anderes, assoziiert Verwandlungen, assoziiert den römischen Poeten Ovid.

Menschen, die sich frei in der Natur bewegen, das liegt im Trend, ebenso wie das Barfußlaufen. Man muss weit zurückgehen, um nackte Menschen in echter, ursprünglicher Natur zu finden. Einzelne Naturstämme bewegen sich fast nackt, eine Bemalung dient zur Tarnung, so wie Soldaten dank der Tarnkleidung und beschmierten Gesichtern nur schwer zu erkennen sind.

In den hier gezeigten Fotografien geht es um Menschen, die sich durch Farbe und Körperhaltung in die Landschaft einfügen, optisch eins werden mit der Natur, Teil der Natur. So trägt eine Frau, die zwischen zwei Birken steht oder sich an sie lehnt, eine Körperbemalung, die sie fast zum Teil einer Birke werden lässt. Andere Aufnahmen zeigen Körper, deren Haut der Rinde eines Baumes gleicht oder der Struktur eines Felsen, auf dem man sie suchen muss. Es gibt unzählige Möglichkeiten der Annäherung und immer geht es hier nicht um die perfekte Tarnung, sondern um das Bewusstmachen einer künstlerischen Idee.

In seiner Einführung erzählte Fotograf Uwe Schmida von dem ausführenden Team, das aus ihm und der Fotografin Laila Ramona Pregizer, einem Bodypainter – Jörg Düsterwald, seit 2011 Léonie Gené – und dem Model oder auch zwei Models besteht, die je nach Projekt ausgewählt werden. Der passende Ort müsse gefunden werden, dazu die passende Jahres- und Tageszeit, das passende Licht. Der Bodypainter wähle sorgfältig die Farben aus, die er einsetzt, alles werde genau geplant, wie bei Schnappschüssen, die spontan aussehen, in Wirklichkeit aber gestellt wurden.

Es lohnt sich, sich mit Bildern dieser Art auseinanderzusetzen, nachzudenken, wie sich die Natur durch die menschlichen Eingriffe verändert, nachzudenken über den einzelnen Menschen als Teil der Natur, als winziges Teilchen eines großen Ganzen.

Neben der Ausstellung im Naturschutzzentrum sind eine Reihe von Fotografien im Freien im Ried zu entdecken. Zur Abendzeit sind allerdings Schutzmaßnahmen gegen die Mücken sehr zu empfehlen. Daher wurde darauf verzichtet, nach der Vernissage noch auf den Parcours zu gehen.

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