Algen wuchern auf dem Bodensee – Badestellen besonders betroffen

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Nicht die Everglades, dafür der Strandbereich zwischen Schussenmündung und DLRG-Strand in Eriskirch-Langenargen: Die schnell wa
Nicht die Everglades, dafür der Strandbereich zwischen Schussenmündung und DLRG-Strand in Eriskirch-Langenargen: Die schnell wachsenden Laichkräutergewächse fühlen sich im warmen Wasser wohl und werden nun zumindest in den Badebereichen entfernt. (Foto: Andy Heinrich)

Großflächige Algenteppiche breiten sich derzeit in den drei Seegemeinden Eriskirch, Langenargen und Kressbronn aus. Während in Eriskirch die Mäharbeiten mit Hilfe eines mobilen Amphibienfahrzeuges bereits begonnen haben, soll es Langenargen am dem 17. Juli losgehen. Im Kressbronner Strandbad dagegen rupfen freiwillige Taucher nicht nur die lästigen Laichkräuter heraus, sondern befreien den Seegrund zudem von Unrat.

Langanhaltende, sommerliche Temperaturen und warmes Wasser: Was für die vielen Badegäste am Bodensee eigentlich ein Geschenk sein sollte, entwickelt sich, vor allem in den Flachwasserzonen, für viele Seegemeinden zu einem lästigen Begleiter. Die Rede ist von einem Kraut, dass im Volksmund als Schlingpflanze, Seegras oder als Alge bezeichnet wird. Das „Laichkraut“ breitet sich derzeit flächenmäßig vor allem in den Badebereichen der Strandbäder Eriskirch und Langenargen aus, wohingegen Kressbronn aufgrund der größeren Wassertiefe nur bedingt mit der Plage zu kämpfen hat.

Das Problem: Es gibt nur wenige Anbieter von technisch entsprechend ausgerüsteten, schwimmfähigen Spezialgeräten, die die Gemeinden zur „Rodung“ und anschließenden Entsorgung auf Kompostieranlagen beauftragen können. In Eriskirch hat die Verwaltung ein Unternehmen, das über ein mobiles Amphibienfahrzeug verfügt, bereits beauftragt, die Problemzonen vom Bewuchs zu befreien. „Rund fünf Tage waren die Experten mit ihrer ,Seekuh’, je nach Wind und Wellen, immer halbtags unterwegs, um die Badebereiche zu säubern. Aus Sicherheitsgründen musste während der Arbeiten das Schwimmen untersagt werden“, sagte Bürgermeister Arman Aigner. Wie Frank Jehle, Leiter des Ortsbauamtes, erklärte, sei derzeit ungewiss, ob weitere Einsätze erforderlich seien, hänge dies doch unter anderem von der Wetterentwicklung ab. Zudem habe man in der Vergangenheit auch schon selbst „Hand“ angelegt und das Gras von einem kleinen Boot aus mit Rechen entfernt. Hilfe zur Selbsthilfe, sozusagen.

Keine direkte Gefahr für Badegäste

Eine direkte Gefahr für Badegäste bestünde ohnehin nicht: „Die Pflanzen fühlen sich zwar kantig und für manche Schwimmer unangenehm an, ziehen aber keine Menschen nach unten. Der Begriff ,Schlingpflanzen’ im Bodensee gehört zu den Ammenmärchen“, bekräftig Jehle. Anwohner oder Spaziergänger beklagten sich ab und an lediglich über einen unangenehmen Geruch, vor allem während des Verrottungsprozesses. Für das Abmähen und die Entsorgung rechne man laut Verwaltung in Eriskirch bislang mit Kosten in Höhe von rund 4500 Euro.

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In einer glücklichen Situation kann sich Siggi Kathan vom Strandbad Kressbronn schätzen. Wie der Betriebsleiter erklärte, würden am Sonntag 15 Taucher dafür sorgen, dass die Unterwasserwelt im Badebereich nicht nur vom Seegras, sondern auch gleich von anderem Unrat gesäubert werde.

In Langenargen dagegen stehe man laut Frank Jost von der Tourist-Information in Kontakt mit einer Firma, die Mähboote einsetzt. „Es ist vorgesehen, im Schwimmerbereich des Strandbads und in den angrenzenden Außenbereichen die Wasserpflanzen zu entfernen. Diese Maßnahme wird durchgeführt, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten“, sagte Jost. Aufgrund der Terminsituation könne man die Aktion ab dem 17. Juli angehen, sofern sich die Situation nicht wesentlich bessere. Man rechne mit einem Einsatz der Gerätschaft von mindestens drei bis vier Tagen. 2015 dauerten die Gewässerpflegearbeiten in der Langenargener Bucht übrigens acht Tage, was laut Frank Jost Gesamtkosten in Höhe von 22 000 Euro verursacht habe.

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