Engen: Ein Biergarten, den es nie gab

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Crossmedialer Volontär

Seit Freitag können Besucher aus der Region im „Hegaustern“ in Engen wieder draußen im Biergarten Platz nehmen. Das war kurzzeitig untersagt. Der Grund: Bisher gab es den Biergarten offiziell gar nicht. Zumindest für die zuständigen Behörden. Das änderte sich beim Besitzerwechsel im vergangenen Winter, als Detlev Stolte den „Hegaustern“ übernahm. Mehr als 35 Jahre ist Stolte in der Gastronomie tätig, doch was folgen sollte, hatte auch er zuvor noch nicht erlebt.

Bei der Neubeantragung der Gaststättenkonzession hatte sich herausgestellt, dass der Biergarten bisher nicht genehmigt war. Genutzt worden war er in den vergangenen 20 Jahren dennoch. Die Gegend ist ein Naturschutzgebiet, darf also nicht neu bebaut werden. „Das macht alles Sinn“, sagt der Betreiber der Gaststätte. „Aber das Kuriose ist, dass ja alles schon da war.“ Das Haus selbst – ohne Anbau – sei schon etwa hundert Jahre alt, schätzt er.

Als er den Bauantrag stellte, „fing das Theater an“. Durch die Neueröffnung „kamen die Behörden auf den Trichter“, sagt er. Und was vorher geduldet worden sei, kam wieder auf den Tisch. Die Stadt Engen habe ihm zwar signalisiert, dass er den Biergarten genehmigt bekomme. Die Naturschutzbehörde des Landratsamts Konstanz sah das anders: Es versagte zunächst die Genehmigung des Biergartens. Engen habe das „Ja“ gegeben, Konstanz habe sich darüber hinweggesetzt, sagt Stolte.

Inzwischen ruderte das Landratsamt zurück und erteilte die nachträgliche Baugenehmigung. „Es ging nur darum, dass sie dachten, dass es sich um einen Neubau handelt“, sagt Stolte. „Die haben nur auf ihre Pläne geschaut“, glaubt er.

Viel Zuspruch auf Facebook

Darüber, dass sein Bauantrag zunächst abgelehnt worden war, machte sich Stolte auf seiner Facebook-Seite Luft, und erhielt Zuspruch. „Es ist Wahnsinn, was das für einen Lauf genommen hat. Ich hätte damit nicht gerechnet“, lobt er den Rückhalt im Netz. Vielleicht habe ja jemand vom Landratsamt auch seine Meldung in dem sozialen Netzwerk entdeckt, sagt er.

Als er per Telefon die Nachricht über die Ablehnung des Bauantrags erhalten habe, habe er schwer schlucken müssen: „Der Sommer ist da, aber kein Biergarten.“ Zumindest für die Fußball-WM habe er im Vorfeld schon eine Sondergenehmigung erhalten. Bis auf diese vier Wochen sei der Außenbereich aber geschlossen geblieben. Von Mitte März bis Mitte Oktober sei der Biergarten im Jahresverlauf wichtig. „Wenn Leute kommen wollen, sich aber nicht raussetzen können, machen wir Verlust ohne Ende“, sagt er. Stolte macht deutlich: „Ohne die Platzkapazität im Sommer ist das Objekt nicht zu unterhalten. Das wäre finanziell schon heftig geworden.“ Seit Freitag hat Stolte nun die Genehmigung. Und immerhin: Das Wochenende sei schon ein Erfolg gewesen, sagt er.

Doch das Thema ist für Stolte noch nicht abgeschlossen: „Nächstes Jahr gibt es nochmal das gleiche Spiel“, meint er. Denn das Lokal hat noch einen zweiten, bereits bestehenden, Biergarten. Im Herbst will Stolte nun dafür die nötigen Unterlagen einreichen.

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