Musikverein muss für Kleinkindergruppe weichen

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Aus dem Probelokal des Musikvereins Daisendorf/Stetten ertönen bald Kinderstimmen statt Blasmusik.
Aus dem Probelokal des Musikvereins Daisendorf/Stetten ertönen bald Kinderstimmen statt Blasmusik. (Foto: YOM)
Yvonne Obermann

Der Musikverein soll aus seinem Probelokal an der Schulstraße in Daisendorf ausziehen. Das hat der Gemeinderat Daisendorf in einer nicht-öffentlichen Sitzung Mitte Dezember beschlossen. Der Grund: Dort soll eine neue Gruppe des Kinderhauses einziehen. Für die Mitglieder des Musikvereins ein Schock. „Wir proben dort seit über 30 Jahren“, sagt Vorsitzende Daniela Kümmerli.

Der Musikverein Daisendorf/Stetten fühlt sich übergangen von der Entscheidung des Gemeinderates und informierte die Presse. Sie bräuchten dringend Unterstützung durch die Öffentlichkeit. „Es war nicht in Ordnung, wie wir als betroffener Verein über die Problematik informiert wurden“, sagt Daniela Kümmerli. Sie hätte sich erhofft, dass die Gemeinde Stetten oder der Musikverein früher einbezogen worden wären, um eine Lösung zu finden. Kaum vorstellbar ist für Kümmerli auch die zukünftige Lagerung der Materialien. „Noten, Anlage, Instrumente, Schlagzeugzubehör und Uniformen aber auch Festzubehör oder Kopierer - wohin mit all den Dingen?“, fragt sich Kümmerli.

In den vergangenen Monaten hat der Gemeinderat nach einer Lösung für das Platzproblem im U3 Bereich des Kinderhauses Daisendorf gesucht. Für das kommende Jahr sind 17 Kinder angemeldet, doch nur zehn Plätze stehen zur Verfügung. Der Gemeinderat musste eine schnelle Lösung finden, um einer seiner Pflichtaufgaben nachzukommen: allen Eltern den gewünschten Betreuungsplatz anbieten zu können.

Lemke versteht die Musiker

Daisendorfs Bürgermeister Frank Lemke könne die emotionalen Reaktionen der Musiker menschlich gut verstehen und nachvollziehen. Das Gremium habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sie aufgrund fehlender Alternativen getroffen. Noch vor der Sitzung, in der die Entscheidung auf der Tagesordnung stand, hatte er mit Daniela Kümmerli einen Termin für den Folgetag vereinbart. Lemke möchte dem Verein entgegen kommen. Er bietet den Musikern an, den Bürgersaal der Gemeinde für ihre Freitagsproben zu nutzen. Dort seien nicht nur die Proben möglich, sondern auch ein nachgängiges Zusammensitzen zur Kameradschaftspflege, auch die Küche dort könne genutzt werden. Die Galerie des Saals sei unter anderem geeignet für das Schlagzeug. Auch die Gemeinde Stetten habe auf Nachfrage ihre Hilfsbereitschaft für Einzel- oder Registerproben signalisiert. Niemand wolle den Verein zurücksetzen – allerdings habe die Gemeinde Daisendorf keine anderen geeigneten Räumlichkeiten und müsse ihren Pflichtaufgaben, wie die Kinderbetreuung erfüllen.

Die Alternativlösung Bürgersaal sei laut Lemke sicherlich mit Aufwand verbunden, allerdings nicht die schlechteste Übergangslösung. Er erinnert daran, dass die Gemeinde den Verein seit Jahrzehnten intensiv unterstütze. Das Probelokal wurde kostenfrei zur Verfügung gestellt und soll auch in absehbarer Zeit wieder von den Musikern genutzt werden können.

Bevor der Gemeinderat sich zu der Entscheidung durchgerungen hatte, wurden unterschiedliche Lösungsmodelle diskutiert und von Bürgermeister Frank Lemke und vom beauftragen Architekten Daniel Oberschelp in der nicht-öffentlichen Sitzung vorgestellt. So sei ein weiter-er Anbau an das Kinderhaus nicht möglich, da es ein Grundstück- und Zeitproblem mit sich ziehe. Die Kosten von bis zu einer Millionen Euro, einschließlich Grunderwerb, seien nicht gerechtfertigt und verantwortbar, da die aktuellen Geburtenzahlen deutlich rückläufig seien. Daher wird nur nach einer kurzfristigen Lösung gesucht. Der Vorschlag eines Containers auf dem Parkplatz vor dem Kinderhaus würde rund 350 000 Euro kosten. „Nicht nur die Nachverwertung ist fraglich – es würde auch ein Parkproblem für die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Daisendorf entstehen. Das wiederum wäre unverantwortlich, da Zeit im Einsatzfall verloren ginge“, so Lemke.

Sanierung ist nötig

Nach langer Diskussion kristallisierte sich die Lösung eines Umbaus des Probelokals heraus. Das Gebäude bedürfe laut Lemke in absehbarer Zeit ohnehin einer Sanierung. Übergangsweise könnten die Räumlichkeiten für zwei bis drei Jahre eine Lösung für das Kinderhaus Daisendorf sein. Je nachdem wie sich die Geburtenraten in der nächsten Zeit entwickeln, könnten die Räumlichkeiten früher oder später saniert an den Musikverein zurückgegeben und ein Anbau an das Kinderhaus in Angriff genommen werden.

Der Umbau des Gebäudes werde laut Architekt Oberschelp im Sommer 2017 fertiggestellt sein. Gemeinderat Siegfried Willibald bat um Einladung des Musikvereins in die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung. Das Gremium befürwortete dies, und auch Lemke stimmte diesem Vorschlag zu.

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