Wie ein Westerheimer soziale Projekte in Burundi unterstützt

 Ein neues Projekt in „Nouvelle Espérance“ in der Pfarrgemeinde von Buyenzi: Jugendliche und Frauen legen einen neuen Garten an.
Ein neues Projekt in „Nouvelle Espérance“ in der Pfarrgemeinde von Buyenzi: Jugendliche und Frauen legen einen neuen Garten an. (Foto: Peschen)
Redakteur

„Mit Christus immer treu für Afrika.“ Das sagt sich Pater Benno Baumeister, auch wenn er aus gesundheitlichen Gründen in seinem so geliebten Burundi als Seelsorger nicht mehr wirken kann. Dennoch schlägt sein Herz nach wie vor für die Menschen in dem zentralafrikanischen Land und insbesondere für die in seiner früheren Pfarrgemeinde St. Augustin im Armenviertel Buyenzi in der burundischen Hauptstadt Bujumbura.

Seit einem guten Jahr lebt der Westerheimer in einer Wohngemeinschaft mit ehemaligen Afrika-Missionaren in Hechingen, von wo aus er noch in Kontakt mit seinen früheren Mitstreitern und Kollegen sowie einigen Gemeindegliedern steht. Von Hechingen aus versucht er den Menschen zu helfen, vor allem finanziell. Er schaut, dass Spendengelder in Burundi gut ankommen und zielgerecht verwendet werden.

Bei der Weihnachtsspendenaktion der „Schwäbischen Zeitung“ unter dem Motto „Helfen bringt Freude“ wird in diesem Jahr erneut der Westerheimer Pater bedacht, damit er mehrere seiner Projekte in der burundischen Hauptstadt Bujumbura finanziell fördern kann.

Die Situation für Menschen in Armut erträglicher machen, das will weiterhin Benno Baumeister, der 55 Jahre als Seelsorger und geistlicher Begleiter in Zentralafrika wirken durfte, sei es in Burundi, Ruanda oder im Kongo – mit Unterbrechungen einiger Jahre, als er für seine Ordensgemeinschaft als Provinzial in Köln und als Superior in Rom tätig war.

Zwei Projekte werden gefördert

Zwei Projekte möchte der 81-Jährige mit Hilfe der SZ-Weihnachtsaktion unterstützen: Die eine Hälfte des Geldes soll in das Aids-Zentrum „Nouvelle Espérance“ fließen, damit schwangere Frauen eine gute Vorsorge und an Aids erkrankte Frauen die notwendigen Medikamente erhalten, ferner auch gute Pflege und Betreuung. Zudem soll den Kindern von Aidskranken wie auch den Waisenkindern eine Schul- und Berufsausbildung ermöglicht werden. Und Pater Benno Baumeister denkt auch an die behinderten Kinder und Jugendlichen, die in „Nouvelle Espérance“ leben und dort eine Heimat gefunden haben. Sie sollen mit einfachen Arbeiten ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

 Die Pfarrgemeinde von St. Augustin in Buyenzi kümmert sich auch um behinderte Menschen, so erhalten sie ein Stück Ackerland, um
Die Pfarrgemeinde von St. Augustin in Buyenzi kümmert sich auch um behinderte Menschen, so erhalten sie ein Stück Ackerland, um etwa Reis anzubauen. (Foto: Peschen)

Die zweite Hälfte der Spendengelder aus der SZ-Weihnachtsaktion möchte der Pater in die Innenausstattung eines Studienheims in seiner Pfarrgemeinde stecken, in der Christen und Moslems friedlich Seite an Seite in Ruhe lernen und studieren können. Das Studienheim mit zwei Sälen im Erdgeschoss und einem großen Lesesaal im Obergeschoss nebst einer kleinen Bibliothek mit Internetanschluss sei fertiggestellt, doch es fehle noch an der Innenausstattung. Tische und Stühle, aber auch Computer seien noch anzuschaffen, berichtet der Westerheimer Pater.

100 Plätze bieten die Studiensäle. Rund 40 000 Euro habe der Bau gekostet, von der Entwicklungszusammenarbeit habe seine frühere Gemeinde 22 000 Euro erhalten, der Rest war und ist über Spenden aufzubringen.

Froh und dankbar ist Benno Baumeister, dass nach seinem Rückzug nach Deutschland und auch dem krankheitsbedingten Ausfall von Volker Schwill aus dem Glottertal mit Dr. Ludwig Peschen aus Mönchengladbach ein erfahrener Nachfolger die Leitung der Pfarrgemeinde und des Aidszentrums in Bujumbura übernommen hat.

Der Mediziner und Priester ist inzwischen zum dritten Mal in der burundischen Hauptstadt im Einsatz, das erste Mal arbeitete er dort vor rund 30 Jahren mit Pater Benno Baumeister zusammen. Zusammen mit je einem Priester aus Burundi, Nigeria und Kenia leitet er nun die Pfarrgemeinde, unterstützt von Praktikanten und Schwestern.

Hilfe für Aids-Kranke seit 1993

Im Jahre 1993 wurde Dr. Peschen vom damaligen Bischof gebeten, etwas für die an Zahl immer zunehmenden Aids-Patienten zu tun, die sich vor der Tür seines Bischofshauses regelmäßig einfanden. „Eine neue Situation war damals gegeben, mit der man damals kaum umzugehen wusste“, erinnert sich der Arzt. Medikamente gegen die Krankheit habe es damals noch keine gegeben, und in dieser Zeit sei die „Diagnose HIV“ einem Todesurteil gleichgekommen.

Damals organisierten wir Hausbesuche bei den ersten sich zaghaft meldenden Patientinnen, um deren Leid zumindest etwas zu lindern. 

Ludwig Peschen

„Damals organisierten wir Hausbesuche bei den ersten sich zaghaft meldenden Patientinnen, um deren Leid zumindest etwas zu lindern“, beschreibt Peschen die Lage vor 30 Jahren. Häusliche Pflege und bescheidene materielle Hilfe waren anfänglich nur möglich, damit die an Aids erkrankten Frauen wenigstens etwas zu essen bekamen. „Vorbeugung und Prävention waren die einzigen Mittel zur Hilfe“, schildert er rückblickend in einem Schreiben an die SZ. Diese Situation habe zur Gründung des Aidszentrums „Nouvelle Espérance“ geführt, die sein Freund und väterlicher Begleiter Benno Baumeister damals initiierte.

Jetzt, 26 Jahre später, seien mehr als 2534 PatientInnen zur Behandlung und Unterstützung eingeschrieben und 2962 Waisenkinder und Kinder in Notsituationen bekommen Hilfe. „Als wir damals mit Hausbesuchen bei zwei, dann vier und zehn Patientinnen anfingen, hätte ich niemals gedacht, dass aus diesen ersten versteckten Schritten mal so ein langlebiger, großer Elefant werden könnte“, erklärt der Pater und Arzt. Ludwig Peschen ist dankbar, dass für so viele Frauen würdigere Lebensbedingungen geschaffen und auch Leben gerettet werden konnte.

„Über die immer noch so große Zahl hilfsbedürftiger Personen kann sich natürlich niemand freuen, über die angebotene Hilfe und Spenden aber sehr wohl, die wir im Laufe der Jahre erhalten haben“, sagt der Mediziner. Die ihm übertragene Pfarrgemeinde St. Augustin im Armenviertel Buyenzi benötige weiterhin dringend Hilfe aus Deutschland, unterstreicht Ludwig Peschen.

Im Namen aller Patientinnen und Patienten sowie aller Mitarbeitenden von „Nouvelle Espérance“ sagt er allen Spendern der SZ-Weihnachtsaktion ein herzliches Dankeschön für ihr Interesse und die finanzielle Hilfe.

 Vor Ort.
Vor Ort. (Foto: Peschen)

Ludwig Peschen mit großer Afrika-Erfahrung freut sich, dass sein Wegbegleiter Benno Baumeister eine gute Bleibe und neue Heimat in Hechingen gefunden hat. „Wir freuen uns und danken, dass er nun diesen für etwas ergraute Missionare nicht ganz leichten Schritt zurück in die Heimat mit Dankbarkeit und innerem Frieden gemacht hat“, sagt der Nachfolger von Benno Baumeister im fernen Afrika.

Er fühle sich in Hechingen recht wohl, wo er nun seit fast eineinhalb Jahren in einer Gemeinschaft der Afrika-Missionare mit 14 weiteren Mitbrüdern lebt – 13 aus Deutschland und einer aus Polen. Sie würden die unterschiedlichsten afrikanischen Sprachen beherrschen, waren sie doch in vielen Ländern des riesigen Kontinents tätig. „Da könne ein Sprachen-Kauderwelsch zusammenkommen“, meint Benno Baumeister schmunzelnd. Die Neuorientierung in Hechingen habe er im „inneren Frieden und in Dankbarkeit angenommen.“

Dankbarkeit in vieler Hinsicht

In Dankbarkeit, weil er 55 Jahre in Afrika als Missionar und Seelsorger für die Menschen tätig sein durfte und weil seine Pfarrgemeinde mit acht Basisgemeinden und 46 gemeindlichen Gruppierungen weiterlebe und nun in guten Händen liege. Dankbar sei er auch, dass in Buyenzi Christen und Moslems so friedlich nebeneinander leben, ja sogar eine gemeinsame Fußballmannschaft bilden.

Dankbar ist Benno Baumeister auch, dass die Afrika-Missionare nun seit 150 Jahren in Afrika leben und wirken durften. Täglich gelte es, diese Hingabe an den Dienst der afrikanischen Menschen gemäß dem Leitwort von Ordensgründer und Kardinal Lavigerie zu erneuern: „Mit Christus immer treu für Afrika.“

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