Westerheim muss weiter auf Lebensmittelmarkt warten

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 Am Ortsrand von Westerheim an der Wiesensteiger Straße hat die Gemeinde Westerheim im Flächennutzungsplan 2030 ein 1,4 Hektar g
Am Ortsrand von Westerheim an der Wiesensteiger Straße hat die Gemeinde Westerheim im Flächennutzungsplan 2030 ein 1,4 Hektar großes Mischgebiet ausgewiesen, an dem die Ansiedlung eines Discounters denkbar wäre. Der Gemeinderat will zunächst nicht aktiv werden. (Foto: Steidle)

Eine Verbraucherbefragung zur Nahversorgung wird es in Westerheim zumindest vorläufig nicht geben. Darauf einigten sich die Westerheimer Gemeinderäte mehrheitlich in ihrer Sitzung am Dienstagabend. Lediglich die Ratsmitglieder Hartmut Walz, Sebastian Wiedmann und Hans Siegel wollten eine Umfrage starten und in Erfahrung bringen, was die Bevölkerung von der Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes in Westerheim hält. Die anderen Räte wollten die Frage dem freien Markt und dem Wettbewerb überlassen.

Die Frage, ob die Ansiedlung eines Discounters in Westerheim gewünscht und wirtschaftlich gesehen sinnvoll ist, wurde verschoben. Bevor eine Umfrage unter den Einwohnern der Gemeinde gestartet wird, sollen an einem runden Tisch Gespräche zwischen dem Gemeinderat, den örtlichen Händlern und Vertretern der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung stattfinden. Bei diesem Termin sollen auch mögliche Fragen für eine Umfrage erörtert und erarbeitet werden. Ein Fragebogen müsse fundiert und objektiv formuliert sein und dürfe von vornherein nicht in die eine oder andere Richtung gehen, so der Tenor im Rat.

Wohin soll die Reise gehen?

Ein Vorschlag der Gemeindeverwaltung, die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH aus Ludwigsburg zu einem Angebotspreis von 4300 Euro mit einer Bürgerbefragung zur Nahversorgung im Ort zu beauftragen, scheiterte. Bürgermeister Hartmut Walz und die Gemeindeverwaltung hatten das Thema eines Lebensmittelmarktes erneut auf die Tagesordnung gebracht, da sie wissen wollten, wohin die Reise bei der Nahversorgung gehen soll – nachdem im Flächennutzungsplan am Ortsrand Westerheims an der Wiesensteiger Straße in einem Mischgebiet die Ansiedlung eines Discounters möglich wäre. Hauptamtsleiterin Lydia Köpf erläuterte dem Gremium nochmals den Stand der Dinge und die Ergebnisse des von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA) erarbeiteten Nahversorgungskonzepts, das Anfang Mai 2017 im Westerheimer Rat ausführlich beraten worden war.

„Wir müssen wissen, was wir in Sachen Nahversorgung in Westerheim wollen. Die Gemeindeverwaltung muss wissen, ob sie das Thema weiter verfolgen soll“, erklärte Bürgermeister Walz bevor er die Diskussionsrunde am Ratstisch eröffnete. Falls der Gemeinderat die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes vorantreiben möchte, müssten Bauflächen gesucht und planungsrechtliche Voraussetzungen geschaffen werden. Und im Umkehrschluss erläuterte Walz: Falls der Gemeinderat eine mögliche Ansiedlung verhindern möchte, müssten „zur Abwendung von Schadensersatzansprüchen Strategien entwickelt und Planungen vollzogen werden, die eine Ansiedlung unmöglich machen.“

 Der Debatte um eine Verbraucherbefragung in Sachen Nahversorgung im Westerheimer Gemeinderat wohnte am Dienstagabend auch Bernh
Der Debatte um eine Verbraucherbefragung in Sachen Nahversorgung im Westerheimer Gemeinderat wohnte am Dienstagabend auch Bernhard von Nathusius bei. Er hatte schon bei der Sitzung im Mai 2017 gewarnt: „Ein Discounter gefährdet die Existenz der örtlichen Händler“. (Foto: Steidle)

Er sei überrascht, das Thema auf der Tagesordnung zu finden, erklärte Thomas Meffle und fand Ratskollegen, die ihm beipflichteten. Aus Sicht der Verbraucher sei ein neuer Lebensmittelmarkt sicherlich zu begrüßen, doch grundsätzlich habe die Gemeinde Westerheim bei der Nahversorgung keine großen Defizite und keinen dringenden Handlungsbedarf. Meffle verwies auch auf ein verändertes Verkaufsverhalten in der Bevölkerung, auch bei Haushaltsartikeln und sogar Lebensmitteln. Da müsse man sich fragen, wie viel Kaufkraft tatsächlich in Westerheim bleibe. Der CDU-Gemeinderat sprach von einem Spannungsfeld zwischen den aktuellen Strukturen, die durch die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes sicherlich verändert werden. Grundsätzlich versperre er sich nicht einer Befragung, doch die Fragen gehörten zunächst auf den Ratstisch unter Einbeziehung der örtlichen Händler.

Er erwarte immer noch das gemeinsame Treffen von Gemeinderat und Händlern zur Erarbeitung eines Fragebogens, sagte Pius Kneer und meinte, dass im Moment eine Umfrage keinen Sinn mache. Es sei keine Eile geboten, zunächst müssten die Händler Westerheims mit ins Boot geholt werden. Zudem rate das Regierungspräsidium in ihrer Stellungnahme zum Flächennutzungsplan 2030 dringend ab, am Ortsrand der Gemeinde einen Lebensmittelmarkt zu erstellen. „Eine Ansiedlung sollte man dem freien Markt überlassen und nicht forcieren“, eine Marktkette werde schon selbst Umfragen und Marktanalysen erstellen, falls sie Interesse an einem Laden habe. „Da hätte ein Discounter schon längst angeklopft“, sagte Kneer.

„Kein Bedarf an einer Umfrage“

„Ich sehe keinen Bedarf für die plötzliche Umfrage“, unterstrich Hermann W. Tappe und teilte die Ansicht seines Ratskollegen Kneer: „Ein Interessent hätte sich schon längst gemeldet.“ Er warnte davor, dass nach einer Umfrage sich „nur Discounter auf unterem Niveau melden und sah das Ende des Liedes, falls sich einer in Westerheim ansiedeln sollte: „Dann müssen die bestehenden Läden schließen.“ Firmen erkundigen sich genau, wenn sie sich in einem Ort niederlassen und so gehen auch Lebensmittelketten vor, meinte Hubert Rauschmaier. Er könne sich mit einer Umfrage anfreunden, doch die Fragen müssten zunächst auf den Ratstisch, forderte er. Die Fragen müssten so formuliert sein, dass sie aussagekräftig sind.

Jonas Esterl erinnerte daran, dass der Gemeinderat bei einer Umfrage die Einzelhändler der Gemeinde einbeziehen wollte. Das sei der damalige Tenor gewesen. Auf der Mischfläche am Ortsrand Westerheim müsse kein Discounter angesiedelt werden, da seien auch andere Ansiedlungen denkbar, so Esterl. Das könne der Gemeinderat lenken.

Wichtig sei, dass die Bürger bei dem Thema Lebensmittelmarkt mit eingebunden werden, betonte Wilma Rauschmaier. Generell gut wäre, wenn professionelle Unterstützung bei einer Umfrage geboten ist.

Hans Siegler sah eine Umfrage als logischen Abschluss des erstellten Nahversorgungskonzepts, die jedoch für Westerheim spezifische Fragen enthalten müsse: „In einer Umfrage sehe ich auch Chancen für die Westerheimer Händler.“ Die Gemeinde müsse bei der Suche nach einem Lebensmittelmarkt nicht unbedingt aktiv werden. Ein Discounter könne durchaus selbst die Initiative ergreifen und sich melden.

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