Westerheim kann Luftkurort bleiben

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Sandra Bartzsch vom Deutschen Wetterdienst überbrachte dem Gemeinderat die gute Nachricht und zeigte auch eines der Messgeräte.
Sandra Bartzsch vom Deutschen Wetterdienst überbrachte dem Gemeinderat die gute Nachricht und zeigte auch eines der Messgeräte. (Foto: Scholz)

Die gute Nachricht wollte sie nicht gleich verraten, doch mit ihren ersten Ausführungen wurde schon klar: Die Gemeinde Westerheim kann weiterhin das Prädikat „Luftkurort“ tragen. Die Messungen sind abgeschlossen, das Ergebnis eindeutig. Das stellte Sandra Bartzsch vom Deutschen Wetterdienst vor. Bereits seit 13 Jahren ist sie dort tätig und kümmert sich um die Auswertung von Messreihen für Kommunen mit Luftkurort-Status in Baden-Württemberg.

Die Gemeinde Westerheim ist seit 1986 Luftkurort. Doch dazu bedürfe es auch einiger Bedingungen. „Der Gemeinderat hat damals mitgezogen. Das war mutig, gut und wegweisend. Es bringt uns Bekanntheitsgrad aber auch Verantwortung“, so der Westerheimer Bürgermeister Hartmut Walz. Alle fünf Jahre ist ein so genanntes kleines Gutachten vorzunehmen; alle zehn Jahre erfolgt die periodische Überprüfung der Luftqualität und des Bioklimas. Diese einjährige Luftmessung wurde in der Kommune am 27. April vergangenen Jahres begonnen.

Die gefühlte Temperatur

Bartzsch erklärte den Mitgliedern des Gemeinderates in der Sitzung am Dienstagabend zunächst, was sich hinter den Begrifflichkeiten Biowetter und Luftqualität verbirgt. Das Biowetter sei letztlich die Einwirkung des Wetters auf den Menschen. Ein Beispiel: Um sich zu erholen, könnten sich Besucher auf der Schwäbischen Alb ganz gezielt dem Reizklima des Winters aussetzen und dieses wiederum für eine Genesung nutzen. Hinzu komme aber auch die „gefühlte Temperatur“. Dabei werde der Blick auf die Wärmebelastung gelegt. Es gibt Richtwerte, so Bartzsch, dass bei einem Luftkurort 20 Tage lang eine solche Wärmebelastung herrschen dürfe. Westerheim liege mit zwölf Tagen deutlich unter diesem Richtwert.

Zur Messreihe 2017/2018: In Westerheim wurden Proben an insgesamt zwei Standorten genommen – im Verkehrszentrum am Rathaus und sozusagen im Kurgebiet, am Albbad am Ortsrand. Gemessen wurden Grobstaub, Stickstoffdioxid und Feinstaub. Jede Woche, so erläuterte Bartzsch, wurde die Probe mit Hilfe des hiesigen Bauhofs gewechselt und dann eingeschickt.

Die Grobstaubkonzentration überschreite nicht den Kurzzeitwert. In einer Grafik zeigt Bartzsch den Jahresverlauf. Nässe und Schnee binde den Grobstaub am Boden. Deswegen sei die Konzentration im Winter niedriger. Die Kurvendiskussion zeigt in diesem Bereich einen Einbruch. „Beim Feinstaub ist es eigentlich genau das Gegenteil. Es gibt einen Peak im Winter, weil die Heizungsemissionen eben nur im Winter auftreten“, zeigte die Mitarbeiterin des Deutschen Wetterdienstes auf. Mit Blick auf den Stickstoffdioxid tun sich Höhepunkte im Herbst und Winter auf. Das entscheidende Fazit von Sandra Bartzsch: „Was den Kurort-Status anbelangt, sind wir unter den Richtwerten.“

Nicht die Füße hochlegen

Die Einschränkung folgte zugleich: „Es ist trotzdem kein Grund, die Füße hochzulegen. Die Richtwerte der Feinstaubkonzentration werden künftig gesenkt und dann muss geschaut und überlegt werden, was eine Kommune tun kann.“

Ratsfrau Wilma Rauschmaier (Unabhängige Bürgerliste Westerheim) fragte hinsichtlich eines Vergleichs nach. Habe sich Westerheim in den nun vergangenen zehn Jahren verbessert oder verschlechtert? Ein Vergleich, so Bartzsch, ist in dem Fall nicht möglich, da die damaligen Proben von einem anderen Messinstitut vorgenommen wurden.

Das Gemeindeoberhaupt zeigte sich erfreut. „Wir wissen, dass wir Luftkurort sind und wir sind stolz darauf. Es freut mich, dass wir bestanden haben“, sagte Walz. Dennoch sei das keine Selbstverständlichkeit und schon gar kein „Dauerläufer“. Der Bürgermeister: „Wir müssen künftig aufpassen.“ Letztlich könnten viele Handlungen und Beschlüsse, die der Gemeinderat fällt, Auswirkungen und Konsequenzen haben. Walz denke dabei an die Ansiedlung von Gewerbegebieten. „Wir setzen die Rahmenbedingungen, dass Westerheim Luftkurort bleibt“, verdeutlichte er dem Gremium.

Das Gutachten des Deutschen Wetterdienstes geht nun an das Regierungspräsidium. „Wir geben letztlich nur eine Empfehlung ab, ob eine Kommune weiterhin das Prädikat tragen kann“, so Sandra Bartzsch. Die endgültige Entscheidung treffe das Regierungspräsidium, das dann wiederum auch das Siegel erteile.

„Doch erst einmal scheint der Status gerettet“, sagte Hartmut Walz. Die Erholungsfunktion nehme im Alltag einen immer wichtiger werdenden Stellenwert ein. Dabei blickte das Gemeindeoberhaupt auch in die Zukunft – mit dem Bahnhof Merklingen oder dem interkommunalem Gewerbegebiet. „Aber es gilt nicht nur, unseren Gästen sondern auch unseren Bürgern gute Rahmenbedingungen zu geben“, zeigte der Westerheimer Bürgermeister auf.

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