Warum Westerheims Bürgermeister so großes Vertrauen genießt

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 Gemeinsam stoßen sie an auf die dritte Amtszeit: Berghülens Bürgermeister Bernd Mangold (von links), die evangelische Pfarrerin
Gemeinsam stoßen sie an auf die dritte Amtszeit: Berghülens Bürgermeister Bernd Mangold (von links), die evangelische Pfarrerin Annedore Hohensteiner, Bürgermeister Hartmut Walz mit seiner Frau Andrea und der katholischen Pfarrer Karl Enderle. (Foto: Kroha)
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Manch’ Westerheimer wunderte sich, als er am Mittwochabend die Albhalle betrat: „Dass so viel los ist, hätte ich nicht gedacht“, sagte einer, der gerade in der Schlange im Hallenflur stand. Es staute sich regelrecht, so groß war der Andrang.

Der Grund für den Stau: Der neue und alte Westerheimer Bürgermeister Hartmut Walz begrüßte jeden Gast – egal ob Ehrengast oder „normaler“ Bürger – persönlich mit Handschlag zu seiner insgesamt dritten Amtseinsetzung. Der vermeintliche Grund für die Verwunderung: Wenn ein Bürgermeister zum dritten Mal in sein Amt eingesetzt wird, droht dieses Ereignis in der Gemeinde an Reiz und Euphorie einzubüßen und für viele nicht mehr interessant zu sein: Es ist ja nichts Neues.

Warum das für Hartmut Walz und sein Westerheim aber offenbar nicht zutreffend sein soll, erklärten die Grußwortsprecher bei der Feierstunde zu seiner Amtseinsetzung am Mittwochabend. Laut Landrat Heiner Scheffold, der alle Bürgermeister im Alb-Donau-Kreis zumindest kennen sollte, ist Walz „ein Vorbild für andere Bürgermeister“, der es trotz fehlendem Gegenkandidaten und dem „Trend“ zu geringer Wahlbeteiligung geschafft hat, 53,95 Prozent der wahlberechtigten Gemeinde zur Wahlurne zu bewegen.

So manch einer würde sich über ein solches Wahlergebnis freuen.

Hilde Mattheis, SPD-Bundestagsabgeordnete

Dass davon auch noch 93,11 Prozent ihre Stimme für Hartmut Walz abgaben, sei, so Scheffold, ein „souveräner Wahlerfolg“. „So manch einer würde sich über ein solches Wahlergebnis freuen“, sagte später die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis in ihrer Ansprache. Das zahlreich vertretene Publikum schmunzelte, dachte es vermutlich an die Umfragewerte ihrer Partei.

 Westerheims Bürgermeister Hartmut Walz bei seiner Ansprache.
Westerheims Bürgermeister Hartmut Walz bei seiner Ansprache. (Foto: Kroha)

Dass Walz ein so großes Vertrauen bei den Menschen genieße, könne laut dem Landrat auch daran liegen, dass der Westerheimer Schultes nicht davor zurückschrecke, sich zum Wohle seiner Gemeinde für jedmöglichen Fördertopf zu bewerben und er – so Hilde Mattheis – als Erster erkennt habe, welches „Potenzial“ im Biosphärengebiet Schwäbische Alb liege. Berghülens Bürgermeister Bernd Mangold, der als Vertreter der 15 Gemeindeoberhäupter der Laichinger Alb das Wort ergriff, beschrieb Walz als einen Menschen, „der mit seiner Meinung selten hinterm Berg hält – und auch manchmal darüber hinausschießt“. Doch das, so Mangold, „ist auch gut so“.

Niemand ist perfekt. Aber der Bürgermeister ist nah dran.

Schriftzug auf dem T-Shirt

Annedore Hohensteiner, Vertreterin der Westerheimer Kirchengemeinden, freut sich auf die weitere „gute“ Zusammenarbeit und gab Hartmut Walz in Form eines T-Shirts für die kommenden acht Amtsjahre mit auf den Weg: „Niemand ist perfekt. Aber der Bürgermeister ist nah dran.“

Das will sich Walz zu Herzen nehmen, wie er in seinem Schlusswort sagte: „Mit besten Kräften“ will er zum „Wohle“ der Westerheimer handeln, seinen „Auftrag“ ernst nehmen, um auch die nicht zu enttäuschen, die ihn nicht gewählt haben. Doch er könne das nicht allein, der Gemeinderat sitze im selben Boot und sei manchmal auch demselben Gegenwind ausgesetzt. Kritische Meinungen werde er aber auch in Zukunft tolerieren. Er dankte vielen, vor allem „seinem Team“, der Gemeindeverwaltung, besonders seiner Frau und Familie, wenngleich sein Sohn, wie er erzählte, immer sage: „Er möge nie Bürgeremeister werden.“

Gelungene Überraschung aus dem Allgäu

Für Hartmut Walz war es eine „gelungene Überraschung“: Christa Bail, Bürgermeisterin der bayerischen Gemeinde Westerheim im Allgäu, stand als Rednerin nicht auf dem Programm, überbrachte aber dennoch ihre Glückwünsche und eine Uhr als symbolisches Geschenk: Walz solle am Puls der Zeit gehen, der Zeit angemessen handeln, sich bei Hochzeiten seines Tuns auch mal auf die Schulter klopfen, aber sich auch Zeit für eine Pause und für die Familie nehmen. Die geschenkte Lebenszeit, so Bail, sei das höchste Gut. Bei Zeiten sei laut Bail aber auch geplant, zumindest für einen Tag mal den Amtsstuhl zu wechseln: Walz leitet im Allgäu und Bail auf der Alb die Amtsgeschicke. Doch wann, das ist noch offen.

 Christa Bail überreicht Hartmut Walz eine Uhr als Geschenk.
Christa Bail überreicht Hartmut Walz eine Uhr als Geschenk. (Foto: Kroha)
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