Warum 18 Reiter in Westerheim am zweiten Weihnachtsfeiertag so früh unterwegs sind

Lesedauer: 6 Min

18 Reiter haben am Stephanstag ein altes Gelübde in der Gemeinde Westerheim erfüllt: den Stephansritt. Drei Mal haben sie dabei die historische Pfarrkirche traditionsgemäß umrundet. Doch nicht nur der Ritt durch den Ort stand in den frühen Morgenstunden des zweiten Weihnachtsfeiertags in Westerheim an. Die katholische Kirchengemeinde hat das Kirchenpatrozinium gefeiert, den Namenstag des heiligen Stefans, der bei der katholischen Kirche als der erste Märtyrer des Christentums gilt und daher oft auch als Erzmärtyrer oder Protomärtyrer bezeichnet wird.

Doch noch zwei weitere Gründe zu Feiern gab es in diesem Jahr in der Albgemeinde: Zum ersten Mal konnte die Messfeier zum Stephanstag in der neu renovierten Pfarrkirche stattfinden, und das zu den Klängen der restaurierten Schäferorgel, die nach 43 Jahren Dornröschenschlaf erstmals wieder erklang. Und schließlich feierte die Gemeinde den 60. Geburtstag von Pfarrer Karl Enderle, der im Anschluss an die Messfeier einige Geschenke wie auch viele Glückwünsche entgegennehmen durfte.

Kalte Morgenstunden

Es war kalt am Mittwochmorgen in Westerheim und Raureif bedeckte die Straßen und Häuser sowie die noch schlafende Landschaft um den Ort. Frieren mussten die Reiter, als sie sich traditionsgemäß auf den Weg von den Ställen zur St. Stephanuskirche machten, wo sie einem Gelübde gemäß die Pfarrkirche drei Mal umrunden sollen – während im Innern des Gotteshauses die Messfeier begangen wird. Etwas später als sonst tauchten in diesem Jahr die Reiter auf: zunächst kamen sechs vom Reiterhof von Timo Wagner und dann zwölf vom Reiterhof von Tobias Ramminger. Doch nicht nur die St. Stephanuskirche umrundeten drei Mal die beiden Reitergruppen. Auf ihrem Weg zur Ortsritte umritten sie auch das Kreuz beim Friedhof, die Lorettokapelle und das Kreuz in der Wiesensteiger Straße.

Besuch bei Freunden und Bekannten

Gut gelaunt waren die Reiter, für die es jedes Jahr eine angenehme Pflicht und Aufgabe ist, sich am zweiten Weihnachtsfeiertag zu treffen und gemeinsam durch Westerheim zu reiten. Bei diesem Ausritt zur Erfüllung des Gelübdes statten sie zudem bei Freunden, Verwandten und Bekannten einen Besuch ab, um ihnen schon mal ein gutes neues Jahr zu wünschen. Die Geselligkeit kommt dabei nicht zur kurz.

Aufwärmren konnten sich die Reiter im Hof zwischen Stephanuskirche und Haus des Gastes, wo ihnen Marianne Büdinger und Regina Moll Glühwein und Punsch vom Förderverein St. Stephanus reichten. Dies macht der Förderverein seit seiner Gründung vor mehr als 25 Jahren und Marianne Büdinger und Regina Moll haben diese nette Geste vor zwei Jahren gerne von Dietmar und Elfriede Baumeister übernommen.

300 Jahre altes Gelübde

Seit Jahrhunderten gibt es in Westerheim den Stephansritt. Abgesehen von den Kriegsjahren wurde und wird an ihm bis heute festgehalten. Das alte Westerheimer Heimatbuch erzählt von einer Pferdeseuche vor mehr als 300 Jahren. Damals hätten die Pferdebesitzer ein Gelübde abgelegt, zu Ehren ihres Ortsheiligen St. Stephanus jährlich am 26. Dezember einen Ritt zu halten und zu danken, sollte die Seuche vorübergehen. Das sei eingetroffen, der Stephansritt war geboren. Drei Mal wird seitdem um das Kreuz von Stefan Knupfer beim Friedhof, um das Kreuz beim früheren Gasthaus Hirsch, um die St. Stephanuskirche und um weitere Bildstöckchen geritten. Das war auch in diesem Jahr wieder der Fall.

Besondere Messfeier

In diesem Jahr war der Stephanstag in Westerheim ein besonderer: Denn erstmals seit den 1960er-Jahren konnte das Kirchenpatrozinium in der wunderbar renovierten Pfarrkirche begangenen worden. Und dazu erklang erstmals wieder Musik aus der restaurierten Schäferorgel, deren Wiederherstellung erst am vierten Adventsfeiertag bei einem Festakt mit sehr vielen Festgästen gefeiert worden war. Wie auch damals, so war auch die St. Stephanuskirche am Mittwoch in den Morgenstunden zur Frühmesse sehr gut besucht: Alle Plätze, einschließlich der auf der Empore, waren belegt.

Organist Fritz Kneer entlockte der Orgel schöne Klänge und ein Bläserensemble der Musikkapelle Westerheim um Josef Rehm setzte zusätzlich zu dem Orgelspiel einen feierlichen Akzent. Die Musikanten begleiteten die Gemeinde etwa bei den Weihnachtsliedern „Neun freut euch, ihr Christen, singet Jubellieder“, „Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket“, „Zu Bethlehem geboren“, oder zum Abschluss zum großartigen Weihnachtslied „O du fröhlich.

Nicht fehlen durfte bei dem Kirchenpatrozinium das sogenannte „Stephanuslied“ mit dem Kehrvers: „St. Stephanus, der Diakon, ist unserer Kirche Schutzpatron, dess’ loben wir den Herrn“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen