Von Westerheim fließen Tausende Euro in Projekte in Afrika

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Jana Rehm (Mitte, hinten) wird ein Brunnenprojekt in Tansania unterstützen.
Jana Rehm (Mitte, hinten) wird ein Brunnenprojekt in Tansania unterstützen. (Foto: Pr)
Schwäbische Zeitung

427 000 Euro kamen bei der Weihnachtsaktion 2017 „Helfen bringt Freude“ zusammen. Zum zweiten Mal lautete das Motto „Fluchtursachen bekämpfen“. 50 Prozent des Erlöses flossen in zwei von der „Schwäbischen Zeitung“ unterstützte Flüchtlingscamps im Nordirak, in denen 14 000 Jesiden und Christen leben (wir berichteten). Die andere Hälfte wurde verlagsweit auf 68 lokale Initiativen und 14 Einrichtungen der Caritas in Baden-Württemberg verteilt. Im Verbreitungsgebiet der „Schwäbischen Zeitung“ Laichingen wurden über die SZ-Aktion auch drei Projekte mit jeweils 2550,84 Euro unterstützt.

Drei afrikanische Länder

Es waren 7652,52 Euro, die unlängst über die Caritas auf das Konto der katholischen Kirchenpflege Westerheim flossen. Drei unterschiedliche Initiativen, drei verschiedene Verantwortliche und drei afrikanische Länder werden von Westerheim aus bei der Spendenaktion berücksichtigt. „Wir danken herzlich der Schwäbischen Zeitung und allen Spendern für die Unterstützung der Projekte in Afrika. Damit wird Hilfe direkt Vorort geleistet“, betont Pfarrer Karl Enderle. Da bei dieser Aktion Menschen direkt in ihren Heimatländern geholfen werde, sei die Hilfsbereitschaft noch größer, meint der Seelsorger. Zum Christentum gehöre, den Mitmenschen in Not zu sehen und zu helfen.

Westerheims Kirchenpflegerin Anita Mayer hat die eingegangene Summe von 7652,52 Euro gedrittelt und jeweils 2550,52 Euro weitergeleitet, die dann letztendlich in Tansania, im Kongo und in Burundi landen werden, um dort Menschen das Leben erträglicher zu machen und um ihnen unter die Arme zu greifen. Unterstützt wird ein Projekt der Westerheimerin Jana Rehm für den Bau eines Brunnens in Ushirombo und die Betreuung von Straßenkindern in Mwanza in Tansania. Der mit Pfarrer Karl Enderle befreundete Pfarrer Sebastian Mukoma will in seiner Heimatgemeinde Kumuesha im Kongo den Ausbau des Gemeindezentrums „Foyer Social“ mit einer Nähwerkstatt und einem Kinderhort vorantreiben und mit dem Vorhaben „sauberes Trinkwasser“ den Bau einer Wasserleitung ermöglichen.

Und der aus Westerheim stammende Pater Benno Baumeister verwendet das Spendengeld für die schulische Ausbildung von Kriegs- und Aidswaisen, für Nahrungsmittel für unterernährte Kinder sowie für den Bau von einfachen Häuschen für die Ärmsten in seiner Gemeinde.

Schon zwei Mal in Tansania

Ein Land in Afrika liegt Jana Rehm aus Westerheim besonders am Herzen: Tansania. Ein Freiwilliges Soziales Jahr leistete die 22-Jährige an einer weiterführenden Schule der Salesianer im Dorf Didia im Osten des Landes und unterrichtete dort Englisch und Informatik. Dann arbeitete sie im Rahmen ihres Studiums „Internationale Soziale Arbeit“ in Mwanza in einem Heim für Straßenkinder, einer Stadt im Norden Tansanias mit rund 250 000 Einwohnern und direkt am Viktoriasee gelegen. Das ostafrikanische Land ist ihr zur zweiten Heimat geworden. Sie will den Menschen in einem der ärmsten Ländern der Welt helfen.

In Ushirombo, einer Kleinstadt im Norden Tansanias, in der Jana Rehm selbst einige Zeit verbracht hat, sei die Wassersituation sehr schwierig, vor allem während der Trockenzeit, weiß sie. „Nur sehr wenige Familien haben einen eigenen Brunnen, andere müssen Wasser aus Staudämmen holen und herbeitragen“, so Jana Rehm. Auch Schüler der Grundschule hätten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Durch verschmutztes Wasser übertragene Krankheiten seien keine Seltenheit. Da kam ihr die Idee: Doch einen Brunnen auf dem Gelände der Grundschule zu ermöglichen.

Wasserleitung soll gebaut werden

Die Heimatgemeinde von Pfarrer Sebastian Mukoma Kambuyi ist Kumuesha und liegt in der demokratischen Republik Kongo, ungefähr 6000 Kilometer südlich von Deutschland. Dort gibt es keine richtige Infrastruktur: Trinkwasser wird aus dem nahen Fluss geholt, an Elektrizität hapert es. Trotz mancher Rückschläge in jüngster Vergangenheit möchte Pfarrer Sebastian Mukoma auch weiterhin seine ländlich strukturierte Heimatgemeinde Kumuesha mit rund 11 000 Einwohnern in der Diözese Luebo in der Provinz Kasaii unterstützen, zusammen mit dem „Kamuesha-Team“ der katholischen Seelsorgeeinheit Aidlingen-Ehningen-Gärtringen. Dort ist Sebastian Mukoma seit sieben Jahren der Gemeindepfarrer. Eine neue Wasserleitung soll gebaut werden.

Mit dem Freundeskreis seiner Seelsorgeeinheit möchte Pfarrer Mukoma noch ein zweites Projekt fördern, auch wenn das angesichts der politischen Lage und der Unruhen im Land derzeit schwierig geworden sei: In einer Nähwerkstatt mit Kinderhort sollen Frauen aus Kumuesha unter Anleitung von belgischen und einheimischen Schwestern den Umgang mit mechanischen Nähmaschinen erlernen.

Aids bleibt wichtiges Thema

Nach wie vor sei Aids ein wichtiges Thema in Burundi, weiterhin müsse viel Aufklärungsarbeit zu der Krankheit geleistet werden, betont der 80-jährige Pater Benno Baumeister, der seit 54 Jahren als Seelsorger in Zentralafrika tätig ist, vor allem in Burundi, aber auch Ruanda oder im Kongo. Er ist sehr dankbar, dass die SZ-Weihnachtsaktion ihn ein zweites Mal berücksichtige, denn für seine Pfarrgemeinde St. Augustin im Armenviertel Buyenzi in Bujumbura und für sein 1995 gegründetes Aids-Zentrum „Nouvelle Espérance“ könne er jeden Euro gebrauchen. Fünf Ärzte und 72 Helfer betreuen die 6000 Menschen in dem Zentrum.

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