Polizisten verhaften Frau aus „Germanitien“

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Vor dem "Botschaftsgebäude" des Pseudo-Staates Germanitien fuhren am Donnerstag mehrere Polizisten vor. (Foto: archiv)
Ilja Siegemund

Mit einem Haft- und einem richterlichen Durchsuchungsbefehl in den Händen sind am Donnerstag mehrere Polizisten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Tübingen in Westerheim vorgefahren. Sie waren auf der Suche nach einer Person, die sie im „Botschaftsgebäude“ des Fantasie-Staates Germanitien vermuteten – und lagen dabei richtig.

„Die Person wollte sich zunächst der Festnahme entziehen“, sagt Ivo Neher, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Tübingen. Aus zuverlässiger Quelle weiß die SZ, dass es sich um eine Frau handelt. Das wollte und konnte der Pressesprecher jedoch nicht bestätigen. Allerdings sagte er, weshalb die Staatsanwaltschaft das Haus in Westerheim durchsuchen ließ: Das Amtsgericht Reutlingen hatte die Person im Jahr 2010 wegen Beleidigung eines Richters zu einer Geldstrafe von 1600 Euro verurteilt. Bisher hatte sie das Geld aber nicht bezahlt. Deshalb ordnete ein Richter den Vollstreckungshaftbefehl an.

Nachdem Bekannte der Person die 1600 Euro bezahlt hatten, kam sie wieder auf freien Fuß, berichtet der Pressesprecher weiter. Hätte die Polizei das Geld nicht erhalten, wären 40 Tage Haft fällig gewesen. „So aber hat sich die Sache für die Staatsanwaltschaft Tübingen erledigt“, sagt der Pressesprecher.

Dass man aber eigens mit einem Haft- und Durchsuchungsbefehl aufwarten muss, um eine Geldstrafe einzutreiben, gehört für Ivo Neher nicht zum Alltag. „Das ist schon ein außergewöhnlicher Vorgang.“

Dem „Staat Germanitien“ gehören Menschen an, die sich von der Bundesrepublik Deutschland losgesagt haben und auf staatliche Unabhängigkeit pochen. Dabei ignorieren sie die deutschen Gesetze, da diese für sie als „Bürger des Staates Germanitien“ nicht gelten würden. Derzeit steht der „Außenminister“ des Pseudo-Staates in Nürnberg vor Gericht. Die dortige Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Betrug mit Blockheizkraftwerken vor.

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