Pfarrer kommt am heiligen Ort an

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 Weihbischof Thomas Maria Renz mit weiteren Geistlichen bei der Einsetzungsfeier von Pfarrer Hans Georg Schmolke als neuen Wallf
Weihbischof Thomas Maria Renz mit weiteren Geistlichen bei der Einsetzungsfeier von Pfarrer Hans Georg Schmolke als neuen Wallfahrtsrektor von Ave Maria Deggingen. Der Gast aus Rottenburg zelebrierte die heilige Messe in dem bekannten Wallfahrtsort. (Foto: Heike Siegemund)
Heike Siegemund

Es war eine besondere und sehr bewegende heilige Messe, die am Samstagabend in Ave Maria gefeiert wurde: Die Wallfahrtskirche oberhalb von Deggingen war proppenvoll. Die Besucher kamen zu Ehren von Pfarrer Hans Georg Schmolke, dem neuen Wallfahrtsrektor von Ave Maria. Der 65-Jährige wurde von Weihbischof Thomas Maria Renz im Rahmen eines Pontifikalamts feierlich in sein Amt eingesetzt. Zwei Stunden dauerte die Messe, die vom Kirchenchor Heilig Kreuz Deggingen unter der Leitung von Simon Johannes Fröstl musikalisch gestaltet wurde. Die Stimmgewalt des Chores erfüllte das Gotteshaus. Es war eine ergreifende Messfeier.

Erinnerung an das Frühjahr 2017

Pfarrer Andreas Ehrlich erinnerte an die beiden vergangenen Jahre, an die Nachricht im Frühjahr 2017, dass die Kapuziner Ave Maria verlassen. „Das war ein Schockzustand. Wir konnten uns ein Ave ohne Kapuziner nicht vorstellen“, sagte er. Im Oktober 2018 waren die Mönche verabschiedet worden. Daraufhin folgte eine „schwierige Zeit des Übergangs“, die letztlich aber eindrucksvoll gemeistert worden sei – auch dank vieler ehrenamtlicher Helfer. Pfarrer Ehrlich bedankte sich bei Weihbischof Renz, der sich „massiv“ dafür eingesetzt habe, dass der Wallfahrtsort Ave Maria erhalten bleibt. Zugleich hieß er Pfarrer Schmolke „an seinem neuen Wohn- und Arbeitsort“ willkommen.

Auch Weihbischof Thomas Maria Renz ging auf die Übergangszeit nach dem Wegzug der Kapuziner ein, in der sowohl Ehrenamtliche als auch Hauptberufliche die Wallfahrtsseelsorge lebendig gehalten hätten. Dass es jetzt wieder einen Wallfahrtsleiter gibt, „darüber sind wir alle sehr froh und dankbar“, verdeutlichte Renz. Pfarrer Ehrlich sei es sehr wichtig gewesen, dass es weitergeht in Ave Maria. „Er hat viel Arbeit reingesteckt“.

Gute Übergangslösung gefunden

Mit Blick auf das Alter von Pfarrer Schmolke sagte Renz: „Mit 65 Jahren freuen sich die meisten Leute auf den Ruhestand. Als Pfarrer kann man in diesem Alter nochmals durchstarten“. Beim neuen Wallfahrtsrektor handle es sich zwar um eine Übergangslösung, fügte der Weihbischof hinzu. „Aber es ist die beste aller Übergangslösungen.“ Ziel sei es nach wie vor, eine Ordensgemeinschaft für Ave Maria zu finden. „Aber das ist nicht einfach“, gab Renz zu bedenken.

Pfarrer Schmolke, der zuletzt die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Ost betreut hatte, komme nun aus der Landeshauptstadt aufs Land. Seine reiche Erfahrung aus den vielen Jahren an unterschiedlichen Orten der Seelsorge könne er künftig in Ave Maria einbringen. Stets den Rücken frei halte ihm seine Haushälterin Heidi Mäser, die vor wenigen Tagen ebenfalls in die umgebauten Räume des Klosters eingezogen war.

Dann kam Pfarrer Schmolke selbst zu Wort: Der Weihbischof habe ihm erlaubt, an diesem Abend die erste Predigt zu halten. Eigentlich sei dies dem Vorsteher vorbehalten. „Deshalb ist es eine besondere Ehre, dass er mir das Wort erteilt.“ Schmolke sprach vom „heiligen Ort“ Ave Maria und davon, dass er kürzlich zum „Ursprungsort“ spaziert sei, wo „das Heiligtum begann“, zu Alt Ave. Dass er jetzt „in einem solch‘ gnadenvoll geschichtlichen Rahmen Platz nehmen soll“ bewege ihn sehr. „So stehe ich also da als entwurzelter Pfarrer aus Stuttgart, als Übergangslösung gedacht, und versuche, mich mit Ihrer Hilfe einzuwurzeln in Ave Maria. Bitte helfen Sie mir dabei“, wandte er sich an die Gottesdienstbesucher, die gebannt zuhörten.

Grußworte und Geschenke

Anschließend sprachen Bernhard J. Schmid, der stellvertretende Dekan des katholischen Dekanats Göppingen-Geislingen, der evangelische Pfarrer Wolfgang Krimmer und Michael Bittlinger, stellvertretender Degginger Bürgermeister, Grußworte und überreichten dem neuen Wallfahrtsrektor Willkommensgeschenke. Schmid überbrachte unter anderem eine Wanderkarte, Pfarrer Krimmer hatte eine Flasche Quellwasser von den Vinzenzquellen in Bad Ditzenbach dabei, aber auch Auendorfer Apostelwein. Und Bittlinger schenkte Pfarrer Schmolke im Namen der Gemeinde das Degginger Heimatbuch, damit er die Geschichte des Orts schnell kennenlerne.

Zum Abschluss ließ es sich Weihbischof Renz nicht nehmen, nochmals auf das Thema Übergangslösung einzugehen: „Ein Priester kann mit 70 Jahren in den Ruhestand gehen – er muss es aber nicht“. Insofern habe sich schon manchmal aus einem anfänglichen Provisorium eine gute Langzeitlösung entwickelt.

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