Lebensmittelmarkt in Westerheim ja oder nein?

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 Am Ortsrand von Westerheim an der Wiesensteiger Straße beim Kapellenfeld soll ein Lebensmittelmarkt entstehen, falls die Bürger
Am Ortsrand von Westerheim an der Wiesensteiger Straße beim Kapellenfeld soll ein Lebensmittelmarkt entstehen, falls die Bürger sich dafür aussprechen sollten. Die Gemeindeverwaltung möchte zur Nahversorgung eine Umfrage starten. Der Gemeinderat greift das Thema auf. (Foto: Steidle)

Soll in Westerheim ein Supermarkt zugelassen werden? Um diese Frage geht es in der Sitzung des Westerheimer Gemeinderats am Dienstag, 9. März, von 19.30 Uhr an im Sitzungssaal des Rathauses. Die Gemeindeverwaltung bringt das Thema erneut auf die Tagesordnung und möchte wissen, ob sie sich mittelfristig mit der „Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes“ beschäftigen soll.

Die Verwaltung schlägt deshalb eine Verbraucherbefragung zur Nahversorgung vor, bei der Westerheimer Bürger ihre Ansichten äußern dürfen. Geht es nach der Gemeindeverwaltung, so soll die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH aus Ludwigsburg die Umfrage vornehmen. Dafür benötigt sie allerdings die mehrheitliche Zustimmung des Gemeinderats. Dieser entscheidet am Dienstagabend, ob die Umfrage zur Nahversorgung in Westerheim gestartet werden soll.

Im Dialog mit den Bürgern

Was das Nahversorgungskonzept und die mögliche Ansiedlung eines Lebensmitteldiscounters in Westerheim angeht, so möchte die Gemeindeverwaltung jetzt in den Dialog mit den Bürgern treten und die Meinungen der Bürger mit der Umfrage ermitteln. Mittel- oder langfristig müssen die Gemeinderäte eine Antwort auf die Frage „Will und braucht Westerheim einen Lebensmittelmarkt?“ finden. Hintergrund des Themas und der Umfrage ist die in Auftrag gegebene Studie in Sachen Lebensmittelmärkte und Nahversorgung in Westerheim, die schon mehrmals Gegenstand im Westerheimer Gemeinderat war und bei denen Abwägungen für und wider eines Lebensmittelmarktes ausgetauscht wurden. Weder in die eine noch in die andere Richtung wurden bislang Entscheidungen getroffen. „Es ist noch alles offen“, erklärt Bürgermeister Hartmut Walz im Vorfeld der Gemeinderatssitzung am Dienstag.

Kaufkraftabfluss nach Laichingen

Eine klare Aussage in dem Nahversorgungskonzept, die Gerhard Beck von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH dem Gemeinderat erläutert hatte, lautet: Derzeit hat die Gemeinde Westerheim mehr als 70 Prozent Kaufkraftabfluss (umgerechnet rund 6,3 Millionen Euro) vor allem nach Laichingen. Diese Studie hatte der Gemeinderat bereits im September 2016 in Auftrag gegeben, da sich nach der Schließung des Lebensmittelmarktes in der Wiesensteiger Straße zum Jahresende 2013 „die Nahversorgung in Westerheim deutlich verschlechtert habe“. Den Bürgern, Beschäftigten wie den Feriengästen des Luftkurorts fehle seitdem eine 170 Quadratmeter große Verkaufsfläche in einem Lebensmittelmarkt, war der Ausgangspunkt der damaligen Studie.

„Verkaufsflächen ausbaufähig“

Die Untersuchungen ergaben, dass nach der Schließung des Spar-Marktes in der Ortsmitte von Westerheim fehlende Verkaufsflächen durch die Erweiterung des Angebots im Hofladen Rehm teilweise kompensiert wurden. Aufgrund der kleinteiligen Struktur der Nahversorger mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 500 Quadratmetern könne jedoch in der Gemeinde durch die vorhandenen Betriebe nicht die Sortimentsbreite und –tiefe eines größeren Lebensmittelmarktes vorgehalten werden.

Am Ortsrand von Westerheim an der Wiesensteiger Straße beim Kapellenfeld soll ein Lebensmittelmarkt entstehen, falls die Bürger
Am Ortsrand von Westerheim an der Wiesensteiger Straße beim Kapellenfeld soll ein Lebensmittelmarkt entstehen, falls die Bürger sich dafür aussprechen sollten. Die Gemeindeverwaltung möchte zur Nahversorgung eine Umfrage starten. Der Gemeinderat greift das Thema auf. (Foto: Steidle)

Das Gutachten ergab ferner, dass für den sogenannten Wocheneinkauf sich die Westerheimer insbesondere nach Laichingen orientieren, was durch die Kaufkraftbindung zum Ausdruck komme: Gut 70 Prozent der Kaufkraft für Lebensmittel (6,3 Millionen Euro) würden vor allem in Laichingen ausgegeben, weniger als 30 Prozent der Kaufkraft würden in die Kassen der Westerheimer Einzelhändler fließen.

Das nahversorgungsrelevante Lebensmittelangebot in Westerheim verteilt sich auf den Hofladen Rehm, drei Bäcker, eine Metzgerei, einen Getränkemarkt und eine Apotheke. Die Gutachter der Studie zur Nahversorgung sehen generell ein zusätzliches Potenzial von 800 bis 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche in Westerheim. Dies würde prinzipiell ausreichen, um in Westerheim einen Lebensmittelmarkt anzusiedeln.

Händler befürchten Einbußen

Bei den örtlichen Einzelhändlern zeichneten sich in der Vergangenheit – und wohl auch weiterhin – gegenüber dem Nahversorgungsgutachten kritische Meinungen ab. Sie sind zwar mit ihrer bisherigen Geschäftsentwicklung zufrieden, größere Umsatzeinbußen könnten sich dennoch bestandsgefährdend auswirken, so ihre Ansicht. Dies hatte Bernhard von Nathusius vom Hofladen Rehm als Vertreter der Westerheimer Lebensmittelanbieter in einer Gemeinderatssitzung Anfang Mai 2017 deutlich zum Ausdruck gebracht: „Ein Discounter gefährdet die Existenz der örtlichen Händler“. Bei dieser Sitzung wurde auch deutlich, dass die Meinungen im Gremium weit auseinander gehen.

Meinung der Bürger gefragt

In dieser Sitzung diskutierte der Gemeinderat auch darüber, einen Fragebogen bezüglich des Themas Nahversorgung für die gesamte Bürgerschaft zu entwickeln. Dieses Thema möchte nun Bürgermeister Hartmut Walz aufgreifen und zur Debatte stellen: Bei einer in Auftrag zu gebenden Umfrage könnten die Wünsche und das Einkaufsverhalten der Bürgerschaft erörtert werden. Ebenso hätten so alle Westerheimer Bürger die Möglichkeit, auch den ortsansässigen Betrieben im Rahmen einer anonymen Befragung Anregungen zum vorhandenen Sortiment in Westerheim vorzulegen, so Walz.

Nach Auffassung der Gemeindeverwaltung sollten sich die Bürger zu diesem Thema positionieren, damit die Auftragsgrundlagen und die Haltung der Gemeinde klar ist. Genau dazu sei eine Verbraucherbefragung zur Vorbereitung weiterer Entscheidungen hilfreich, unterstreicht der Bürgermeister und sagt: „Nahversorgung heißt Daseinsvorsorge“.

Vorkehrungen im Flächennutzungsplan

Eine Entscheidung zu dem Thema hatte das Gremium in der Sitzung im Mai 2017 getroffen, als es die Fortschreibung des Flächennutzungsplans und die Ausweisung von 1,4 Hektar als Mischfläche am Ortsende an der Wiesensteiger Straße fasste, um die etwaige Ansiedlung eines Lebensmitteldiscounters zu ermöglichen. Die Verbandsversammlung des Gemeindeverwaltungsverbands Laichinger Alb (GVV) hat am 18. Januar 2018 den Feststellungsbeschluss gefasst und das Landratsamt hat darauf hin die Fortschreibung und damit Ausweisung einer Mischbaufläche an der Wiesensteiger Straße/Kapellenfeld genehmigt.

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