Langjähriger Seelsorger feiert Diamantenes Priesterjubiläum

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 Pfarrer Marzell Gekle zusammen mit seinem Mitbruder Karl Enderle bei einer Messfeier im Konzentrationslager Dachau, als die Sch
Pfarrer Marzell Gekle zusammen mit seinem Mitbruder Karl Enderle bei einer Messfeier im Konzentrationslager Dachau, als die Schönstatt-Bewegung im März 2017 eine Gedenkfahrt nach Dachau veranstaltete. Als Häftling Nr. 29392 war Pater Josef Kentenich am 13. März 1942 ins Konzentrationslager Dachau eingeliefert worden. Marzell Gekle ist ein Bewunderer des Paters, der in Ennabeuren wie Westerheim einige Predigten hielt. (Foto: Steidle)

Marzell Gekle, langjähriger Pfarrer der katholischen Kirchengemeinden Ennabeuren und Westerheim, darf an diesem Donnerstag sein Diamantenes Priesterjubiläum feiern. Genau vor 60 Jahren, am 14. März 1959, hat er die Priesterweihe erhalten. Der damalige Weihbischof Wilhelm Sedlmeier hat ihn im Dom zu Rottenburg zum Priester geweiht.

Mit seinen früheren katholischen Kirchengemeinden von Ennabeuren, Westerheim und Magolsheim, aber auch mit der gesamten Seelsorgeeinheit Laichinger Alb feiert er am Samstag, 16. März, um 18.30 Uhr anlässlich seines Diamantenen Priesterjubiläums in der Westerheimer Christkönigskirche zusammen mit mehreren Priestern seinen Jubiläumsgottesdienst. Die Festpredigt hält Pfarrer Karl Enderle.

Ich kann mich an meine Priesterweihe noch sehr gut erinnern.

Marzell Gekle

„Ich kann mich an meine Priesterweihe noch sehr gut erinnern“, erzählt der bald 87-Jährige, der vor 60 Jahren mit 16 anderen Priesteramtskandidaten die Weihe empfangen durfte. Groß gefeiert worden sei damals nicht, wohl aber einige Wochen später, als am Ostermontag die Primiz in seinem Heimatort Rexingen bei Horb begangen wurde. „Damals hat die ganze Gemeinde mitgefeiert, die Musikkapelle hat aufgespielt und der Chor gesungen, von Glück- und Segenswünschen bin ich überhäuft worden“, erinnert sich Marzell Gekle, der bis zu seinem 75. Geburtstag der katholische Pfarrer von Westerheim und Heroldstatt sowie für ein Jahr auch von Laichingen war.

Seit seinem Weggang am 30. Juni 2007 nach einer feierlichen Verabschiedung in den Ruhestand mit einer Kutschenfahrt durch Westerheim wohnt Marzell Gekle im Pfarrhaus in Herrlingen, zusammen mit einem jungen Syrer, der nach Europa geflohen ist. Er hat bei ihm eine Wohnung erhalten, das Obdach habe er gerne gewährt. Zuflucht zu gewähren sei ein christliches Gebot, hat er beim zurückliegenden Sonntagsgottesdienst in Ennabeuren betont. Seit seinem Ruhestand hilft Marzell Gekle immer wieder als Seelsorger in den Gemeinden aus und feiert mit ihnen Gottesdienste, so auch im Gebiet der Laichinger Alb. „So habe ich den Kontakt mit den Älblern nicht verloren und sehe immer wieder vertraute Gesichter. Das ist schön“, sagt der 87-Jährige, der sich immer noch relativ guter Gesundheit erfreuen darf.

Er freut sich sehr auf die Messfeier mit seinen früheren Gemeindegliedern am Samstag in der Christkönigskirche. Den Gottesdienst stellt der Jubilar unter ein Wort aus dem Johannes-Evangelium, das er auch für sein Diamantenes Priesterjubiläum gewählt hat: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe Euch erwählt und dazu bestimmt, Dass Ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass Eure Frucht bleibt. (Joh. 15.16)“ Er würde sich über viele Menschen freuen, die mit ihm den besonderen Gottesdienst feiern und lädt zu der Messfeier am Samstagabend mit anschließendem Stehempfang in der Marienburg ein. Solange ihm Gott die Kraft und Gesundheit schenke, möchte er im kirchlichen Dienst stehen, sagt er.

„Halt keine 70 mehr“

Gesundheitlich gehe es im ordentlich, doch mit „87 ist man halt keine 70 mehr“, sagt der Seelsorger, der nicht nur Vertretungsdienste in und um Westerheim und Ennabeuren wahrnimmt, sondern auch in der Seelsorgeeinheit Blaustein und Blaubeuren. „Mein Einsatzgebiet ist groß“, sagt Gekle und ist dankbar, noch unterwegs sein zu dürfen. So hat er in den vergangenen Jahren auch immer wieder Wallfahrtsgruppen begleitet, sei es nach Lourdes, Medjugorje oder Schönstatt.

Zuletzt hat er am vergangenen Sonntag in Ennabeuren einen Gottesdienst mit der dortigen Gemeinde gefeiert und seine Freude und Dankbarkeit bekundet, 60 Jahre Priester sein zu dürfen. Das sei eine Gnade und ein Geschenk Gottes, ließ er wissen. Gerne hätte er das seltene Jubiläum mit einem Kurskollegen gefeiert, der aber erst vor Kurzem in Söflingen verstorben sei. Von 1975 bis 2007 war Marzell Gekle Pfarrer in Heroldstatt, seit 1984 zudem in Westerheim und ein gutes Jahr nach dem Weggang von Pfarrer Martin Roth auch noch in Laichingen und Suppingen.

Geboren wurde Marzell Gekle am 30. Juni 1932 in Rexingen bei Horb als zweites von neun Kindern. Dort ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Am Gymnasium in Horb, wo er auch Griechisch und Latein erlernte, legte er 1954 das Abitur ab. Dem Theologiestudium von 1954 bis 1958 in Tübingen und München folgte das Priesterseminar in Rottenburg.

Die Menschen sollen ihre Berufung erkennen, nach dem Evangelium leben, sich in der Nächstenliebe verwirklichen und sich im sozialen Bereich engagieren.

Marzell Gekle

Vikar war Marzell Gekle in Dunningen im Schwarzwald, in Oberkochen im Ostalbkreis und in Grunbach im Remstal. Seine erste Pfarrstelle bildete Tannhausen im Dekanat Ellwangen. 1975 war er dann dem Ruf auf die Schwäbische Alb nach Ennabeuren gefolgt, wo er zunächst die Pfarrstellen in Ennabeuren und Magolsheim inne hatte. In Westerheim wirkte er dann von 1984 bis zu seiner Verabschiedung an seinem 75. Geburtstag, am 30. Juni 2007. Er ging dann in den Ruhestand und zog im Pfarrhaus in Herrlingen ein.

Sein großes Vorbild

Ist die Bergpredigt sein Lieblingsabschnitt im Evangelium, so sieht Marzell Gekle den Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Joseph Kentenich, nach wie vor als sein großes Vorbild an. „Sein einfaches priesterliches Leben und Wirken haben mir mehr geschenkt und gegeben als die Flut von theologischen Abhandlungen mancher namhafter Theologen“, legte er immer wieder dar. Ein Zitat von Pater Kentenich hat er auch für seinen Jubiläums-Flyer gewählt. Auf die Spuren von Pater Josef Kentenich hat sich Pfarre Gekle noch im März 2017 zusammen mit 30 interessierten Personen aus Laichingen, Heroldstatt und Westerheim im Konzentrationslager Dachau begeben, wo Pater Kentenich als Häftling Nr. 29392 von 1942 bis 1945 Schreckliches erleben musste.

Höhepunkte als Priester habe er viele erlebt, betont Gekle. Jede Messfeier und jedes Kirchenfest sei für ihn eine Besonderheit gewesen. Bedauern müsse er jedoch, dass heute immer weniger Menschen an Gottesdiensten teilnehmen, obwohl viele Mitarbeiter sich engagiert in der kirchlichen Arbeit einbringen. Dies sei leider ein bundesweiter Trend. „Die Menschen sollen ihre Berufung erkennen, nach dem Evangelium leben, sich in der Nächstenliebe verwirklichen und sich im sozialen Bereich engagieren“: Das sind die Wünsche von Pfarrer Gekle zu seinem Diamantenen Priesterjubiläum. Zu Gast in Westerheim bei seinem Jubiläumsgottesdienst zum 45-jährigen Priesterdienst war übrigens am 14. März 2004 Weihbischof Johannes Kreidler, ein Freund von Pfarrer Marzell Gekle. Nachfolger Gekles in der Seelsorgeeinheit Laichinger Alb war Pfarrer Reinhold Rampf, der am 22. Juli 2007 seine Investitur in der Heroldstatter Berghalle feierte.

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