Kornkohle gibt dem Abwasser den Rest

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Fachingenieur Lukas Oswald (rechts) erläutert dem Westerheimer Gemeinderat die neu eingebaute Aktivkohlefiltration der Kläranla
Fachingenieur Lukas Oswald (rechts) erläutert dem Westerheimer Gemeinderat die neu eingebaute Aktivkohlefiltration der Kläranlage. Die Räte ließen sich durch den Neubau führen und begutachteten das gereinigte Wasser. (Foto: Steidle)

Der Probelauf ist abgeschlossen, Westerheims erweiterte und ertüchtigte Kläranlage läuft und reinigt sehr gut. „Die Kläranlage weist gute Ergebnisse auf. Wir sind mit dem Probelauf sehr zufrieden“, erklärten die Fachingenieure Werner Maier (iat -Ingenieurberatung für Abwassertechnik GmbH aus Stuttgart) und Lukas Oswald (Wassermüller Ulm GmbH). Sie führten die Westerheimer Gemeinderäte durch den Neubau bei der Kläranlage und zeigten ihnen auf, wohin in den vergangenen zwei Jahren rund zwei Millionen Euro geflossen sind.

Die Kläranlage im Pfählerweg bildete in den vergangenen Jahren die größte und teuerste Baumaßnahme, die vielen Bürgern gar nicht so aufgefallen ist: Weil sie halt etwas abseits südwestlich des Ortes liegt und weil das meiste Geld in die Technik geflossen ist. Von Mai bis Oktober 2015 wurde der Rohbau für die neue Technik der Sand- und Aktivkohlefiltration erstellt. Dann folgte der Innenausbau. Das Filtrations- oder Maschinengebäude wurde am Nordwestrand des Kläranlagen-Areals errichtet. Die Aushubarbeiten waren dort schwierig, da der Bau auf hartem Fels (Juragestein der Schwäbischen Alb) zu errichten war.

Die technische Ausrüstung und komplexe Elektrotechnik ist im vergangenen Jahr von Januar bis Juni eingebaut worden. Die Inbetriebnahme des Sandfilters erfolgte am 4. Juli, die der Aktivkohleanlage am 26. Juli. Der Probebetrieb lief im August an und erstreckte sich bis in den Spätherbst. Das Bauamt des Landratsamts und das Wasserwirtschaftsamt hatten den Bau noch vor Weihnachten abgenommen und eine Freigabe aller Zuschüsse ermöglicht. So erhält die Gemeinde Westerheim einen aufgestockten Zuschuss von 77,3 Prozent der Gesamtkosten von zwei Millionen Euro erstattet, also rund 1,36 Millionen Euro.

Die Westerheimer Gemeinderäte hatten sich in den vergangenen vier Jahren intensiv mit der Erweiterung der Kläranlage befasst, insbesondere während der Planungsphase. Jetzt wollten sie sich ein Bild von der Funktionsweise der Kläranlage machen. Bei einem Rundgang durch den Neubau erläuterten die Ingenieure Werner Maier und Lukas Oswald sowie Klärwärter Dietmar Hofele, wie die Sand- und Aktivkohlefiltration technisch funktioniert und wie die erzielten Reinigungsergebnisse ausfallen.

Ziel der umfangreichen Investitionen: Mit dem Einbau einer Sand- und Aktivkohlefiltration (Kornkohle) sollen dem biologisch gereinigten Abwasser in einer vierten Reinigungsstufe gelöste umweltrelevante Spurenstoffe – vor allem Medikamentenrückstände und hormonaktive Substanzen – entnommen werden.

Mit mehreren Varianten hatte sich der Gemeinderat befasst, um den Auflagen des Wasserwirtschaftsamt nachzukommen, erinnerte Bürgermeister Hartmut Walz: So sei auch daran gedacht gewesen, das Abwasser nach Laichingen zur dortigen Kläranlage zu pumpen und dort reinigen zu lassen oder wie die Gemeinde Heroldstatt in die Aach zu leiten. Doch diese Alternativen sein aus Kostengründen bald vom Tisch gewesen.

Wie Maier und Oswald darlegten, handelt es sich bei der Westerheimer Kläranlage um die erste großtechnische Anlage mit granulierter Kohle in Baden-Württemberg. Deshalb sei das Interesse an ihre recht groß, zahlreiche interessierte Gemeinderäte von auswärts und Besuchergruppen würden immer wieder mal vorbeischauen und sich über das Verfahren erkundigen, und dabei insbesondere über das Kornkohle-Granulat, teilte Klärwärter Hofele mit.

Aufgrund der enorm großen Oberfläche der Kornkohlekörnchen könnten sich dort die Spurenelemente gut anheften, erläuterte Ingenieur Maier von iat-Ingenieurberatung GmbH. Diese müssten im Schnitt jedes Jahr ausgetauscht werden, seien aber zum Großteil recycelbar. Die Aktivkohle sei kein Sondermüll, sondern könne verbrannt und wieder einsatzfähig gemacht werden. Die regenerierte Kohle werde mit frischer vermengt, erläuterte Fachingenieur Maier. Mit 76 Kubikmeter Aktivkohlegranulat war die Aktivkohlefiltration erstmals im Juli 2016 befüllt worden.

Auch in den kommenden Jahren werde die Gemeinde Westerheim viel Geld in den Abwassersektor stecken müssen, erklärte Bürgermeister Hartmut Walz abschließend bei der Besichtigungstour der Kläranlage. Nach dem Bau eines Retensionsbodenfilters beim Regenüberlaufbecken in der Donnstetter Straße bei Kosten von 1,13 Millionen Euro und einem Landeszuschuss von 618 000 Euro sei auch an einen Ausbau des Regenüberlaufbeckens in der Feldstetter Straße gedacht, da die Förderung im Jahr 2022 auslaufe. „Wir müssen in unsere Pflichtaufgaben investieren“, betonte Walz. Zu sehen seien auch die Unterhalts- und Personalkosten für die Kläranlage, für die das Personal aufzustocken sei. Gedacht sei zudem an ein weiteres Außen-Klärbecken.

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