Grüne Ampel verweist auf 60 Ausbildungsberufe

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Sie ziehen gemeinsam an einem Strang bei der Suche nach guten Auszubildenden: Vertreter von Westerheimer Firmen und der Gemeinde
Sie ziehen gemeinsam an einem Strang bei der Suche nach guten Auszubildenden: Vertreter von Westerheimer Firmen und der Gemeinde. In den Räumen von Kneer Südfenster GmbH ist am Mittwoch die 15. Westerheimer Lehrstellenbörse vorgestellt worden. Die Fly (Foto: Fotos: Steidle)

Die Ampel steht auf Grün und ein Vorfahrtsschild soll zeigen, dass der Lehrling Vorfahrt hat. Zudem wird dem Auszubildenden auf einem Hinweisschild die Richtung gezeigt, nämlich zu dem Ausbildungsbetrieb. So ist der im Blauton gehaltene Flyer der Gemeinde Westerheim für die 15. Westerheimer Lehrstellenbörse gestaltet. 60 gute Berufsmöglichkeiten für junge Leute finden sich in dem Flyer, der zudem im Inneren mit dem Titel „Finde Deinen Arbeitsplatz“ überschrieben ist. Seit nunmehr 15 Jahren unterstützt die Gemeindeverwaltung unter der Initiative von Bürgermeister Hartmut Walz die Werbung für Ausbildungsplätze in Westerheim.

Dies war am Mittwoch in den Räumen der Firma Kneer GmbH Fenster und Türen einmal mehr der Fall, als er in Anwesenheit zahlreicher Firmenvertreter aus Westerheim sowie der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm den neuen Lehrstellenflyer für das Ausbildungsjahr 2019 präsentierte. Dieser soll jungen Menschen einen Überblick geben, welche beruflichen Chancen in Westerheim vorhanden sind. Er soll den Schulabgängern deutlich machen, dass vor Ort in Westerheim eine ganze Palette an Ausbildungsberufen zu finden sind, vom Industriemechaniker und Mechatroniker über den Verfahrensmechaniker und Elektroniker bis hin zum Landschaftsgärtner und Bankkaufmann.

„Das Spektrum ist sehr breit. Viele Schulabgänger kennen oft das vielfältige und attraktive Angebot der Westerheimer Betriebe nicht“, erklärte Bürgermeister Walz in seinen Einführungsworten und machte deutlich, dass der Flyer ein Baustein von mehreren sei, der auf die Ausbildungsplätze aufmerksam machen solle. „Westerheim braucht Facharbeiter und gute Handwerker“, unterstrich Walz. Ein Zugang zu den Firmen mit den unterschiedlichen Berufen sei zudem die Gewerbeschau in der Gemeinde und die Tatsache, dass immer wieder Betriebsführungen für Schulklassen stattfinden. „Das Hineinschnuppern ist wichtig“, betonte er. Und auch schon spielerisch und locker-leicht könnten Grundschüler in die Berufswelt herangeführt werden, etwa im Rahmen des Sommerferienprogramms und der Sommerferienbetreuung, wenn Betriebe ihr Pforten öffnen.

900 Arbeitsplätze im Ort

Mit rund 900 Arbeitsplätzen in Westerheim sei es von ganz entscheidender Bedeutung, auch genügend Fachkräfte in den Betrieben zu haben, und da sei eine gute und qualifizierte Ausbildung wichtig, betonte Walz. Zudem seien für einen guten Wohn- und Arbeitsort eine gute Infrastruktur etwa mit Kindergärten mit flexiblen Öffnungszeiten bedeutsam, zudem auch gute Anbindungen ans Straßen- und Schienennetz, was mit dem Bahnhof Schwäbische Alb bei Merklingen komme sowie ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr. Ferner sorge die Gemeinde dafür, dass die Westerheimer Firmen Erweiterungsmöglichkeiten haben. Dahingehend sei der Flächennutzungsplan abgestimmt worden.

Die Präsentation des Lehrstellenflyers diene zudem dazu, dass sich die Firmenvertreter und Ausbildungsleiter untereinander austauschen können, sagte Walz. Die Vorstellung hatte Florian Kneer als Geschäftsführer und Hausherr der Kneer Südfenster GmbH eröffnet, der den 1933 gegründeten Betrieb mit Stammwerk in Westerheim kurz vorstellte. Er ließ wissen, dass bei dem Unternehmen 700 Mitarbeiter in drei Standorten beschäftigt sind, darunter 40 Auszubildende. Er meinte, dass es immer schwieriger werde, geeigneten Nachwuchs vor allem im technischen und handwerklichen Betrieb gewinnen zu können.

Diese Ansicht teilten die Gäste bei einer Gesprächs- und Austauschrunde: Die übereinstimmende Meinung lautete, dass auf dem kaufmännischen Sektor noch ausreichend Bewerbungen eingingen, weniger aber im technischen und handwerklichen Bereich. „Die Anzahl der Bewerbungen geht generell zurück“, erklärte Freddy Wiume von der Firma Meba und ließ wissen, dass die Metall- und Bandsägenmaschinen GmbH seit zwei Jahren mit Erfolg auch Mädchen zur Industriemechanikerin oder Mechatronikerin ausbilde.

Auszubildende im Betrieb halten

Sehr wichtig, aber immer schwieriger sei es, ausgebildete Fachkräfte im Betrieb halten zu können, meinte Achim Knupfer für die Firma Alfa Tools. Diese Tatsache wurde allgemein bestätigt, denn immer mehr junge Menschen würden nach der Lehre nochmals die Schulbank drücken und sich weiterbilden. So sah es auch Betriebsleiter Hugo Schairer von Kneer Südfenster: „Unser Ziel ist, die Auszubildenden zu halten. Doch das sei nicht einfach.“ Sein Wunsch schon vor Jahren sei gewesen, dass junge Menschen eine überbetriebliche Ausbildung absolvieren können, sprich während der Ausbildung in mehrere Betriebe hineinschnuppern zu können, was allerdings aus versicherungstechnischen Gründen letztendlich gescheitert sei, bedauerte er.

Wichtig seien Entwicklungs- und Aufstiegschancen im eigenen Betrieb, meinte Andy Meffle von der Meffle GmbH. Das Thema Digitalisierung spiele eine immer wichtigere Rolle, auch im Bankgeschäft, erklärte Thorsten Mangold, Filialdirektor bei der Sparkasse Ulm in Laichingen. Für die traditionelle Ausbildung zum Bankkaufmann sprach sich Ausbildungsleiterin Yvonne Röcker von der Volksbank Laichinger Alb aus. Weitere Ausbildungsplätze bei der Gemeinde Westerheim seien wegen den begrenzten Räumlichkeiten im Rathaus kaum machbar, ließ Sandra Haag von der Gemeindeverwaltung wissen. Es bereite viel Freude, lernwillige und motivierte junge Leute ausbilden und fördern zu dürfen, wenngleich die Betreuung zeitintensiv sei, so Anna Staudenmayer von der Gartengestaltung Staudenmayer.

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