Ein Leben für den Pfarrer: Seit 25 Jahren kocht und putzt sie für Geistliche

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 Seit 25 Jahren ist Petra Leigers aus Westerheim die Pfarrhausfrau von Pfarrer Karl Enderle. Zu ihrem Jubiläum erhielt sie 25 R
Seit 25 Jahren ist Petra Leigers aus Westerheim die Pfarrhausfrau von Pfarrer Karl Enderle. Zu ihrem Jubiläum erhielt sie 25 Rosen und 25 Fliegenpilze. Die 55-Jährige ist auch die Bundesvorsitzende aller Pfarrhaushälterinnen in Deutschland. (Foto: Hansjörg Steidle)

„Ich habe mich an meinem Arbeitstag kaum aus meinem Zimmer getraut“, verrät augenzwinkernd Petra Leigers aus Westerheim und ergänzt schmunzelnd: „Und das bei meiner Klappe, wo ich doch sonst gar nicht schüchtern bin.“ Die Pfarrhausfrau denkt an ihren ersten Arbeitstag am 1. Oktober 1993 bei Pfarrer Karl Enderle in Friedrichshafen zurück. Mittlerweile ist sie seit 25 Jahren für ihn „die rechte Hand“ und quasi für das „Waschen, Putzen, Bügeln und Kochen zuständig“ oder mehr oder weniger für alles, was eine Hausfrau zu erledigen hat. Für ihren 25-jährigen Einsatz und ihre 25-jährige Treue hat ihr Pfarrer Enderle gedankt und sie mit 25 Rosen und 25 unterschiedlich großen Fliegenpilzen bedacht, die sie so sehr mag.

„Die Zeit ist unglaublich schnell verstrichen. Ich glaubte anfangs nicht, dass ich meinen Beruf bei ein und demselben Pfarrer über 25 Jahre aushalte“, sagt die Jubilarin. Aus gesundheitlichen Gründen hat die heute 55-Jährige vor 25 Jahren den Beruf der Pfarrhausfrau übernommen, wie er in der Diözese Rottenburg-Stuttgart offiziell heißt. Sonst in Deutschland ist von der Pfarrhaushälterin die Rede, was Petra Leigers besser gefällt.

Den Beruf der Altenpflegerin hatte sie gelernt und diesen als Stationsschwester in Münster über viele Jahre bis 1993 ausgeübt, bis es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war. Die in Neuenkirchen in Westfalen in einer katholischen Familie groß gewordene Petra Leigers suchte den Wechsel und eine neue Aufgabe und wollte Pfarrhaushälterin werden. So sprach sie beim Ordinariat der Diözese Münster vor, die damals allerdings keine offene Stellen hatte. Ihr Berufswunsch wurde in Diözesanblättern ausgeschrieben und prompt habe sich Pfarrer Karl Enderle aus dem tiefen Süden am Bodensee gemeldet, der eine Pfarrhaushälterin suchte.

Ein erstes Treffen fand am 12. August 1993 in Friedrichshafen statt, nach dem die Frau aus dem Münsterland eher das Gefühl hatte, nicht in den Süden ziehen zu wollen, sondern lieber eine für sie eigens geschaffene Stelle in einem neuen Altenzentrum zu übernehmen. „Ich glaubte zunächst, wir passen nicht zueinander“, erzählt sie schmunzelnd. Einem Hin und Her folgte dann der plötzliche Entschluss, doch als Pfarrhausfrau zu arbeiten. Mit „Sack und Pack“ sei sie dann in Friedrichshafen am 30. September aufgetaucht und ins Pfarrhaus der katholischen Kirchengemeinde „Zum guten Hirten“ eingezogen. Pfarrer Enderle hatte dort nur wenige Wochen zuvor, am 5. September 1993, seine Investitur gefeiert und war auch neu in der Pfarrgemeinde. „Wir haben mehr oder weniger zeitgleich in Friedrichshafen gestartet“, sagt sie.

Ein Flüstern in der Kirche

An ihrem ersten Arbeitstag an einem Donnerstag habe sie, wie es sich gehört, zunächst die morgendliche Messfeier besucht und in der Kirche immer wieder ein „Das ist sie“ oder „Das ist die Neue“ flüstern gehört, denn die älteren Menschen wussten von ihrem Kommen. Der erste Arbeitstag am 1. Oktober 1993 sei ein vorsichtiges Abtasten gewesen und einem gemeinsamen Frühstück folgte ein Gang durch das umgebaute und neu renovierte Rathaus mit einer Absprache zum Tagesablauf. „Schließlich musste ich auch noch wissen, was der Pfarrer gerne oder weniger gerne isst“, erzählt Leigers. „Wir mussten lernen miteinander umzugehen und miteinander klar zu kommen. Wir mussten lernen, mit unseren jeweiligen Mentalitäten zurecht zu kommen“, ergänzt Pfarrer Enderle. In Friedrichshafen habe sie sich gut in die Gemeindearbeit einbringen können und schnell viele nette Begegnungen erlebt, da dort weder ein Pastoralreferent noch ein Gemeindereferent im Einsatz waren, sagt sie und denkt gerne an ihre Anfangsjahre am Bodensee zurück.

25 Jahre ist nun Petra Leigers die treue Pfarrhausfrau von Karl Enderle und hat ihn an drei Pfarrstellen begleitet: elf Jahre in Friedrichshafen von 1993 bis 2004, zehn Jahre in Schwäbisch Hall von 2004 bis 2014 und vier Jahre in Westerheim vom Herbst 2014 an bis heute. Was sie in Westerheim besonders schätzt, das sind die herrliche Alblandschaft, das raue Albklima mit Wind und Schnee und den dörflichen Charakter. „Ich bin ein Herbst- und Wintermensch“, sagt Petra Leigers und weiß, dass sie als Pfarrhausfrau nicht nur den Haushalt zu führen hat, sondern auch Ansprechpartner für viele Gemeindeglieder bei vielen Fragen ist.

Gemeinsam Dampf ablassen

„Ich schätze die Lebensqualität zu zweit unter einem Dach in einem großen Haus“, sagt Pfarrer Enderle und ist der Jubilarin dankbar für ihre Treue und ihren Einsatz in den zurückliegenden 25 Jahren. „Wir sind jetzt ein eingespieltes Team und ergänzen uns im Tagesablauf“, so der Seelsorger. Sehr wichtig für ihn sei auch, jemand im Haus zu haben, mit dem er sich aussprechen und austauschen sowie anvertrauen könne. Es sei gut, manche Angelegenheiten aus der Perspektive einer Frau erläutert zu bekommen und „Dampf über manchen Dingen ablassen zu können.“ Karl Enderle schätzt seine Pfarrhausfrau für ihre Glaubensansichten und christliche Lebenseinstellung und ihre Offenheit ihm gegenüber. Und was ihm zudem wichtig ist: „Unsere gemeinsame Leidenschaft für die Natur und den Schutz der Umwelt ist groß.“

Viele Tage im Jahr ist Petra Leigers nicht im Westerheimer Pfarrhaus anzutreffen, ist sie doch seit 2010 die Bundesvorsitzende aller Pfarrhaushälterinnen in Deutschland und damit die Sprecherin aller rund 1500 gemeldeten aktiven und 2500 pensionierten katholischen Pfarrhaushälterinnen. Aufgrund ihres Amtes ist sie auch eine gefragte Person bei vielen Tagungen und Seminaren und reist durch ganz Deutschland und darüber hinaus.

„Ich trage ihren Posten gerne mit, ich komme zwischendurch auch alleine über die Runde. Ich weiß, wo die Küche ist“, sagt Pfarrer Enderle zu den Zusatzaufgaben seiner Pfarrhausfrau. Angesichts der vielen Ämter sei ihre Freizeit knapp bemessen, in der sie gerne liest und klassische Musik hört und sich vor allem gerne um die drei Hunde Yarell, Kerry und Faye sowie die Katze Fips kümmert. Mit einem morgendlichen Spaziergang mit den Hunden startet sie in den Tag. Da lasse sich der Alltag gleich lockerer angehen, so Leigers.

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