Ein atemberaubender Start für Charly Feelgood

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Schwäbische Zeitung

Vor 25 Jahren stand die Westerheimer Rockband Charly Feelgood erstmals auf der Bühne – beim „Rock am Kuhloch“ nahe der Schertelshöhle. „Ein atemberaubender erster Auftritt“, wie Gründungsmitglied Charly Gutbrod heute sagt. Wir haben mit ihm und Schlagzeuger Dietmar Ramminger über die Geschichte der Band gesprochen. Mit einem Jubiläums-Open-Air feiert „Charly Feelgood“ an diesem Freitag ab 19.30 Uhr 25-jähriges Bestehen.

Wie fing denn alles an?

Ramminger: Charly, Edgar Enderle und ich spielten im Musikverein. Das war gut und recht, wir verspürten aber immer wieder die Lust, in einer kleineren Band eine etwas andere Musik zu machen. Das Projekt scheiterte aber daran, dass uns ein Gitarrist fehlte.

Offensichtlich hat es dann doch noch geklappt?

Gutbrod: Ja, das war aber eher ein Zufall. Thiemo Kneer war 1993 bei den Rekruten und hatte an der Fasnet einen Auftritt mit seinem Jahrgang. Er stand mit seinen erst 20 Jahren souverän auf der Bühne, spielte Gitarre und sang mit einer unter die Haut gehenden Stimme. Wir nahmen ihn später an der Bar zur Seite – und schon war unsere Band komplett.

Und dann ein halbes Jahr später schon der erste Auftritt?

Ramminger: Der Höhlenverein organisierte grad das Festival „Rock am Kuhloch“. Und offenbar hat es sich schnell rumgesprochen, dass es da eine Westerheimer Gruppe gibt, die schon fleißig übt. Da lag es natürlich nahe, uns zu fragen.

Was habt Ihr denn geübt?

Gutbrod: Zunächst haben wir allgemeine Rock-Klassiker nachgespielt. Aber irgendwie fehlte uns der Original-Sound. Unser Equipment war natürlich recht bescheiden. Da kam uns die Idee, eigene Songs zu spielen. In der nächsten Probe brachte ich gleich zwei Texte mit. Wir legten los und siehe da, es funktionierte.

Wie war der Kuhloch-Auftritt?

Gutbrod: Atemberaubend. Das 500-Mann-Zelt war mit 700 Leuten proppenvoll. Und wir kamen mit unserer Musik super an.

Ramminger: Das Publikum wollte uns gar nicht von der Bühne lassen. Thiemos Kumpel puschten uns aus der ersten Reihe direkt vor der Bühne und Charlys Freunde spannten große Banner. Am Ende mussten wir jedes unserer fünf Lieder zweimal spielen. Und dann hatten die immer noch nicht genug.

Ihr singt meist auf schwäbisch. Wie kam es zum englischen Namen?

Gutbrod: Das ist eine witzige Geschichte. Jürgen Rehm vom Höhlenverein wollte vorm Kuhloch-Rock unseren Namen fürs Plakat wissen. Uns fiel aber nichts Gescheites ein. Irgendwann lief die Zeit davon und Jürgen handelte. Wir waren dann selbst überrascht, als wir die Plakate hängen sahen mit „Charly Feelgood and the Heartbreakers“.

Ramminger: Wir haben den Namen dann bis heute so belassen. Nur die Heartbreakers haben wir im Laufe der Zeit gestrichen, nachdem wir dann ja alle verheiratet waren…

Das war ja ein vielversprechender Start. Wie ging’s weiter?

Ramminger: In der Tat waren die Anfangsjahre aufregend. Wir gingen ins Studio und nahmen eine Kassette auf und hatten viele Auftritte. Darunter echte Highlights wie zum Beispiel als Vorgruppe der damaligen Rocklegende Roger Chapman im Ulmer Roxy oder im Vorprogramm der Spider-Murphy-Gang im großen Bierzelt in Feldstetten.

Gutbrod: Leider stockte es dann ein bisschen. Wir wurden alle Eltern, die Musik musste da ein bisschen kürzertreten. Und schließlich überraschte uns Edgar Enderle mit der Nachricht, ganz aufzuhören.

Es war aber dennoch nicht Schluss?

Gutbrod: Gott sei Dank, nein. Wir hörten uns im Flecken um, wer denn Keyboard spielen könne. Da bekamen wir den Tipp Uli Baumeister. Wir fragten ihn und er war sofort Feuer und Flamme, obwohl wir zehn bis 15 Jahre älter waren als er. Aber das machte nichts, die Chemie stimmte von Anfang an.

Ramminger: Zu dieser Zeit erhielten wir auch eine weitere musikalische Aufwertung. Dietmar Strack war nach Westerheim gezogen und schloss sich uns an. Er spielte Mundharmonika und Gitarre. Wir nannten ihn dann nur „Diddy the Blues“. Leider macht er zurzeit bei uns eine Pause.

Gutbrod: Ende der 1990er-Jahre hatten wir dann nochmals eine äußerst kreative Phase. Wir komponierten viele eigene Songs, darunter „Spätzla mit Soß“ oder „Dr Reggae-Man von dr Alb“. Wir gingen wieder ins Studio und nahmen jetzt eine CD auf. Einer unserer größten Fans, der Jörg Baumeister vom Lebensmittelgeschäft „Klei-Hans“, unterstützte uns finanziell. Wir ließen 500 Stück pressen. Die waren nach vier Wochen ausverkauft. Unsere Live-Auftritte belebten damals Peter Staudenmayer und Ulrich Hainz. Ulrich ist nicht nur als „Meisterkoch“ heute noch dabei. Wir ließen dann aber alles insgesamt etwas ruhiger angehen.

Der Dornröschenschlaf dauerte aber nicht lange, oder?

Gutbrod: Das stimmt. Vor rund zehn Jahren hatte ich die Westerheimerin Kristina Theodoridis (heute Mack) am Jugendalter an Fronleichnam singen gehört. Das ging mir unter die Haut. Ich habe sie gefragt, ob sie bei uns mal mitsingen will. Sie wollte.

Ramminger: Und nicht nur sie. Zur ersten Probe brachte sie dann gleich ihre Freundin Sabrina Weber (heute Heyer) mit. „Die kann auch gut singen“, meinte Krissi. Das war aber Understatement pur. Wir waren von beiden begeistert – und schon hatten wir zwei Sängerinnen in der Band.

Gutbrod: Aber jetzt gerade wieder nur eine, die Sabrina. Die Krissi macht Babypause. Mit den Sängerinnen hatten wir nun ganz andere Möglichkeiten. Wir entschieden uns, wieder mehr Lieder nachzuspielen. Unser Programm wurde nun so vielfältig und groß, dass wir sogar die vergangenen beiden Jahre beim Bürgerball der IGF spielen konnten.

Was bringt die Zukunft?

Ramminger: Jetzt feiern wir erst einmal unser 25-Jahr-Jubiläum, zu dem wir alle herzlich einladen möchten.

Gutbrod: Und dann kriegen wir vielleicht doch noch mal die Kurve und nehmen eine zweite CD auf. Das ist ein kleiner Traum von mir.

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