Das steckt hinter den Schildern am Familienpark Westerheim

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung

Am Familienpark Westerheim stehen neuerdings drei seltsame Warnschilder. Sie verbieten vermeintlich Sonnenschein, Regen und Wildwechsel an dieser Stelle. Die Schilder sind jedoch Teil einer Verkehrssicherheitskampagne des baden-württembergischen Verkehrsministeriums.

Sonne, Regen, Wildwechsel – alles verboten laut den Schildern am Westerheimer Familienpark? Nicht wirklich. Quasi mit einem Augenzwinkern folgt auf den Schildern im Kleingedruckten der Hinweis, dass die Verbote selbstverständlich unbeachtet bleiben werden – und Verkehrsteilnehmende deshalb aufgerufen sind, ihre Geschwindigkeit den Gegebenheiten anzupassen. Die offenbar humorvoll gedachte Aktion hat einen ernsten Hintergrund: Die tief stehende Sonne, eine nasse Fahrbahn und Wildwechsel können für Verkehrsteilnehmende zur Gefahr werden, wenn sie ihre Geschwindigkeit nicht reduzieren – insbesondere außerorts, schreibt das Verkehrsministerium.

Teil einer Verkehrssicherheitskampagne

Mehr als 100 Schilder wurden im Rahmen der Verkehrssicherheitskampagne „Vorsicht.Rücksicht.Umsicht“ des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg im Land aufgestellt. Die Schilder sind aus Recycling-Material hergestellt, nach Abschluss der Aktion werden sie komplett recycelt und die Pfosten wiederverwendet. Doch zunächst sollen sie bis zum Spätherbst ohne erhobenen Zeigefinger Aufmerksamkeit für die Gefahren auf Landstraßen schaffen.

„Die Geschwindigkeit zu senken kann Leben retten und ist außerorts besonders wichtig“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann zum Hintergrund der Kampagne. „Wir appellieren daher an alle Verkehrsteilnehmenden: Achten Sie auf Faktoren wie Nässe, Lichtverhältnisse oder möglichen Wildwechsel und reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit – auch unter die zulässige Höchstgeschwindigkeit. So können Sie in gefährlichen Situationen besser reagieren. Sie haben Ihre Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmender zu einem großen Teil selbst in der Hand“, sagt er.

Ganz oft sind die Leute vor einem Unfall zu schnell unterwegs

Bei sogenannten Geschwindigkeitsunfällen außerorts bewegen sich Verkehrsteilnehmende in vielen Fällen innerhalb der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, passen aber die Geschwindigkeit nicht den äußeren Bedingungen an. Vorausschauendes Fahren bedeutet, äußere Faktoren, aber auch das Verhalten von anderen Verkehrsteilnehmenden zu berücksichtigen. Die maximal erlaubte Geschwindigkeit sollte nur bei optimalen Bedingungen gefahren werden, schreibt das Ministerium. Außerhalb von Ortschaften ereignen sich zwar insgesamt nur rund ein Drittel der Verkehrsunfälle, jedoch verunglücken dort dreimal so viele Menschen tödlich wie innerorts. Besonders häufig betroffen sind Motorradfahrende – auch ihnen sollen die Schilder das Anpassen der Geschwindigkeit ins Gedächtnis rufen.

437 Menschen starben 2019 im Straßenverkehr

Zum Hintergrund: Im vergangenen Jahr 2019 hat das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg seine mehrjährige Verkehrssicherheitskampagne „Vorsicht.Rücksicht. Umsicht.“ gestartet. Sie rückt wechselnde Themen der Verkehrssicherheit in den Mittelpunkt. Die Kampagne macht auf wichtige Sicherheitsmaßnahmen aufmerksam, klärt über Fakten auf und gibt konkrete Tipps für Verhaltensänderungen: Damit die Teilnahme am Straßenverkehr in Baden-Württemberg sicherer wird.

Im Kampagnenjahr 2019 lag der Schwerpunkt auf Unfällen im ruhenden Verkehr. In diesem Jahr wird das Schwerpunktthema „Sichere Landstraße“ in den Mittelpunkt gerückt, da Landstraßen einen Unfallschwerpunkt darstellen. Unter Landstraßen verstehen wir hier Straßen aller Art außerhalb geschlossener Ortschaften ohne Bundesautobahnen. Im Jahr 2019 kamen insgesamt 437 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, davon 281 außerhalb geschlossener Ortschaften.

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen