Unterstadion will Entsorgung des Mülls weiter selbst organisieren

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Die Gemeinde Unterstadion will auch weiterhin die Müllentsorgung selbst organisieren.
Die Gemeinde Unterstadion will auch weiterhin die Müllentsorgung selbst organisieren. (Foto: Bernd Weißbrod)

Unterstadion will auch künftig die Entsorgung des Mülls selbst organisieren, das hat der Gemeinderat am Montagabend beschlossen. Allein Bürgermeister Uwe Handgrätinger hatte sich dafür ausgesprochen, die Aufgabe wieder dem Landkreis zu übertragen. Bei der Abstimmung waren Müllentsorger Karl-Eberhard Braig und sein Sohn anwesend und schürten bei den Ratsmitgliedern Ängste, dass nach einer Übertragung an den Kreis die Müllentsorgung nicht mehr reibungslos funktionieren würde.

„Für die Verwaltung wäre es eine Entlastung, die Müllentsorgung wieder an den Kreis zu übertragen“, sagte Bürgermeister Uwe Handgrätinger während der Ratssitzung. Schließlich würden anstehende gesetzliche Veränderungen die Müllentsorgung weiter verkomplizieren und sicher auch nicht günstiger machen. Er betonte, dass der Landkreis gemeinsam mit den Kommunen ein für alle verträgliches Entsorgungssystem erarbeiten werde, auch wenn aktuell noch nicht feststehe, wie dieses aussehen könnte. Der Bürgermeister räumte ein, dass die Leerungen der Tonnen und die Zusatzabfuhren für Sperrmüll und Altholz nicht mehr so individuell geplant werden könnten und gab gleichzeitig aber zu bedenken, dass auch jetzt schon eine Abstimmung mit den übrigen Gemeinden der Wiegegemeinschaft erfolge.

Leserbrief im Briefkasten

Während der Beratung ergriff Karl-Eberhard Braig vom Ehinger Müllentsorgungsunternehmen das Wort. Er hatte schon vorher eine Mail an die Gemeinde gesendet, in der er auch Zeitungsartikel aus anderen Regionen mitgeschickt hatte, um zu untermauern, dass eine Veränderung dazu führen könne, dass die Müllentsorgung in den Gemeinden nicht mehr funktioniere. Und auch auf andere Weise sollten die Ratsmitglieder im Vorfeld der Abstimmung beeinflusst werden. Ein unbekannter hatte einen Leserbrief in die Unterstadioner Briefkästen geworfen, in dem behauptet wird, dass mit einer landkreisweiten Lösung kleine Wertstoffhöfe schließen müssten und so weite Wege für Bürger entstünden.

Karl-Eberhard Braig behauptete in der Sitzung, dass bei einer kreisweiten Ausschreibung ein Großunternehmer zum Zug kommen würde, dem es nicht wichtig sei, die Leerungen in den Gemeinde zuverlässig zu absolvieren. „Die Vertragsstrafen werden pünktlich bezahlt, aber der Müll trotzdem nicht geholt“, so der Ehinger Unternehmer. Er behauptete zudem, dass bei den Großunternehmern telefonisch nie jemand zu erreichen sei. „Da hängen Sie in der Warteschleife und niemand will etwas von ihrem Problem wissen.“ Ihm und seinem Unternehmen drohe das Aus, führte Braig weiter aus, weil er preislich nicht mit den Angeboten größerer Bieter mithalten könne, „wenn die uns wegpusten wollen“.

Bürgermeister befürchtet keine Verschlechterung

Bürgermeister Uwe Handgrätinger bezweifelte, dass mit einem anderen Unternehmer eine Verschlechterung eintreten würde, wollte seinen Ratsmitgliedern aber keine Empfehlung für ihre Abstimmung aussprechen, weil er selbst „hin und her gerissen“ sei. „Ich tue mich etwas schwer bei der Abstimmung, weil wir nicht wissen, welches Konzept der Landkreis sich vorstellen könnte“, gab Ratsmitglied Bruno Hipper zu bedenken.

Um das mittelständische Unternehmen mit seinen rund 140 Mitarbeitern zu schützen und die Individualität für Unterstadion zu wahren, sprach sich Ratsmitglied Rainer Müller dafür aus, die Müllentsorgung auch weiterhin kommunal zu organisieren. Mit der Gegenstimme von Uwe Handgrätinger wurde das beschlossen.

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