Vortrag über besondere Generaloberin

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Über das Leben von Vinzenz Sultzer sprach die Referentin.
Über das Leben von Vinzenz Sultzer sprach die Referentin. (Foto: Sz- hog)
Friedrich Hog

Im Rahmen des Literatursommers 2018 des Landes Baden-Württemberg hat am Mittwoch im Bildungsforum Untermarchtal Susanne Kaup, Archivarin der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul in München über die Generaloberin der Barmherzigen Schwestern von Straßburg, Schwester Vinzenz Sultzer gesprochen. Neben der Darstellung des Lebenswegs und Wirkens dieser aktiven und starken Frau, näherte sich die Referentin anhand von Briefen auch ihrer Persönlichkeit, und wies direkte Verbindungen nach Untermarchtal nach.

Unter der Überschrift „Von großen Talenten und Fähigkeiten, von großer Liebe Gottes und des Nächsten“ stand der Vortrag am Mittwoch im Kloster Untermarchtal. Thema war eine Frau, die viel bewirkt hat auf den Gebieten der Qualifikation von Ordensschwestern in der Gesundheit und Pflege. Alleine 55 ihrer 90 Lebensjahre verbrachte sie als Generaloberin in Straßburg.

Geboren wurde Schwester Vinzenz Sultzer am 9. August 1778 als jüngstes von sechs Kindern in Straßburg als Katharina Magdalena Sultzer, gestorben ist sie am 26. April 1868 ebenda. Zum 150. Todestag wird in Straßburg ein Fest ausgerichtet, zu dem auch Untermarchtal eine Delegation entsenden wird. König Ludwig XVI. und Marie-Antoinette herrschten zur Zeit der Geburt von Schwester Sultzer über Frankreich. Vater Johann Michael Sultzer war Schlossermeister neben dem Straßburger Münster, der sich 1789 als Jakobiner der Französischen Revolution anschloss. 1805 trat Katharina den Barmherzigen Schwestern bei, und wirkte zunächst im Spital in Zabern, dem ursprünglichen Mutterhaus. 1806 legte sie die Profess ab. 1811 wurde sie Oberin, am 13. Juni 1813 zusätzlich zur Generaloberin gewählt.

Als 1792 bis 1815 die Napoleonischen Kriege auch über das Elsass hinwegfegten, waren verwundete Soldaten zu pflegen. 1816 und 1817 sorgten zusätzlich Missernten für Hungersnöte und Seuchen. Ab 1810 wurde von den Barmherzigen Schwestern im Bürgerspital Straßburg die Krankenpflege aufgebaut. Als Vertreter des Bischofs unterstützen die Superioren Schwester Vinzenz Sultzer bei ihrer Arbeit. Diese umfasste die Formung einer Gemeinschaft, die profunde Ausbildung von pflegenden Ordensschwestern und auch die Aussendung von Schwestern nach Deutschland. 1823 erfolgte die Verlegung des Mutterhauses von Zabern nach Straßburg. Rund 1000 Schwestern hat sie in ihrer Dienstzeit eingekleidet, die sogar in Internaten und Gefängnissen tätig wurden. „Ziel des Lebens ist die Freude im Himmel“, diesen Slogan setzte Vinzenz Sultzer den Gemeinden entgegen, die für die Ausbildung der Schwestern nicht aufkommen wollten, um ihren Schwestern Halt zu geben in ihrer Tätigkeit in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam.

Als geistige Nahrung verordnete Vinzenz Sultzer ihren Schwestern „Betrachtungen“, also die Lektüre von Büchern wie „Heilige Regel der Barmherzigen Schwestern des Straßburger Bistums“, „Das Leben des Heiligen Vinzenz von Paul“ oder „Unterrichte und Übungen - wie man alle seine Handlungen wohl auszuführen habe“. 110 Originalbriefe von Vinzenz Sultzer sind greifbar, fünf davon in Untermarchtal, die sie an eine Schwester Zita, ausgebildet in Straßburg, geschickt hat. In ihren Briefen in französischer und deutscher Sprache geht es beispielsweise um die Bestellung blauen Stoffes mit Rabatten, die professionelle Ausbildung von Schwestern für das Ausland, die Arbeit mit Waisenkindern und die Gesundheit von Schwestern. So heißt es: „das Eingeständnis, zur Zeit nicht mehr zu vermögen, ist die rechte und einzig wichtige Haltung gegenüber Gott. Sollte sie beschämt seind wegen der Schohnung vür ihre gesundheit, so kann sie es sich verdienstlich machen durch Erinnerung, das wier uns absterben sollen und müssen. Die Eigenliebe will überal anderen gleich seind. Nun, wenn sie nicht stark ist, um zu thun, was andere thun, so glaube sie das: wenn sie weniger thut als andere und sie sich in der Demuth übt, dadurch das sie bekennt nicht mer zu vermögen, so thut sie hierdurch Gott gefallen. Mehr braucht sie nicht. Dies ist der geist des heil. Vinzens, um welchen ich oft bitte für mich und die ganze Congregation“.

Klares systematisches Denken und geschickter Umgang mit weltlicher Obrigkeit zeichnet diese frühe starke Frau aus, und bei geistlichen Themen konnte man bei ihr Rat suchen. „Die Barmherzigkeit Gottes ist größer als die Sünden der Welt“, so könnte man Vinzenz Sultzer zusammenfassen. Am Mittwoch, 18. Juli, um 20 Uhr folgt an gleicher Stelle ein Vortrag über Schwester Arcadia Scholl (1824-1900), Gründerin und erste Generaloberin des Mutterhauses Untermarchtal, „unbeugsam und doch dienend“.

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