Bilder zeigen wahres Leben in Indien statt nur Tourismus

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 Klaus Eggert mit seinen Werken.
Klaus Eggert mit seinen Werken. (Foto: Hog)
Friedrich Hog

Der vor zehn Jahren nach Untermarchtal zugezogene Klaus Eggert führte am Montag im Rahmen eines informativen und bewegenden Vortrags in seine Ausstellung „Komm mit nach Indien“ ein, die im Infozentrum 50 seiner Fotos zeigt. Im Obergeschoss der Mehrzweckhalle zeigte er zudem einen Film. Seine Fotos zeigen das wahre Leben in Indien, keine Touristenorte.

Fünf Jahre dort gearbeitet

Bürgermeister Bernhard Ritzler begrüßte über ein Dutzend Interessenten, und freute sich, dass mit Klaus Eggert jemand etwas tut gegen die Behauptung, auf dem Land sei kulturell nichts los. Für eine deutsche Firma hatte Eggert fünf Jahre im Süden Indiens gearbeitet, in Bangalore. Von Freitag 16 Uhr bis Sonntag Nacht war er jeweils unterwegs, auf Märkten, in Wohngebieten, bei den Menschen, um seine Eindrücke festzuhalten. Da weniger als 30 % der Menschheit im Wohlstand leben, über 70 % aber ähnlich wie die Menschen in Indien, zeigten seine Bilder die Realität auf dem Planeten Erde, so Eggert.

„Die meisten Kollegen sind nach wenigen Monaten wieder nach Deutschland zurückgekehrt, weil sie Indien nicht verkraftet haben“, verrät der Referent. „Indien sieht sich als Weltmacht, in Indien gibt es die meisten Millionäre, große Teile der Bevölkerung leben aber wie im Mittelalter. Indien beschäftigt mich täglich“, so Eggert. Blicke man in den Grand Canyon, sei man beeindruckt, aber das wars dann auch, stellt er touristische Eindrücke dem Erlebnis Indien entgegen. Die Schönheit Deutschlands habe er erst begriffen durch seine Indienerfahrungen.

Mentalität der Menschen

„Street Photography“ nennt Eggert seine Bilder, und wenn die Ausstellung ankommt, werde er nach dem Wahltag Ende Mai 50 andere Bilder ausstellen, damit sich ein mehrfacher Besuch lohnt. Dabei war Eggert nicht in Delhi und Umgebung, also im feucht-heißen Norden Indiens unterwegs, in denen Touristenreisen angeboten werden, sondern dort, wo das wahre Indien zu erleben ist. Dort, wo die Mentalität der Menschen völlig anders ist also hier. Wo das größte Schinennetz der Welt von den Engländern vor 120 Jahren gebaut wurde, und bis heute ohne Sanierung betrieben wird, mit der Folge, dass Fahrten Tage dauern können. Das mache den Menschen nichts aus, sie wollten keinen getakteten Tag mit Verpflichtungen.

Daher verzichten sie auch auf Jobs, die 120 EUR im Monat brächten, bei gleichen Preisen wie bei uns, und leben lieber in völliger Armut. Doch sie seien zufriedener und glücklicher als wir. Wir griffen ständig neue Dinge an, weil wir diese Zufriedenheit nicht in uns spürten, analysiert Eggert. Freilich gäbe es die vielen Millionäre in Indien, da sie die arbeitenden Menschen ausbeuten. Aber Indien war immer schon reich an Gewürzen, die seit der Entdeckung durch Vasco De Gama 1498 auch nach Europa exportiert wurden.

Und man erfuhr im Vortrag, dass das Wasser aus dem Heiligen Fluss Ganges, das aus dem Himalaja kommt, nicht fault, und die 400 vor Christus geschaffene Eiserne Säule in Delhi nicht rostet. Außerdem sei Indien ein buntes Land, das erkenne man schon an der Kleidung. Wer das Land besucht, brauche nicht Hindu zu sprechen, die Bevölkerung beherrsche Englisch, und sei von einer Herzlichkeit und Freundlichkeit erfasst, die man hier nicht kenne.

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