Autor spricht über die Arbeit des Behandlungszentrums für Folteropfer

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Urs M. Fiechtner über dei Arbeit mit Opfern von Folfer.
Urs M. Fiechtner über dei Arbeit mit Opfern von Folfer. (Foto: Sz- khb)
Schwäbische Zeitung
Karl-Heinz Burghart

Urs M. Fiechtner hat am Donnerstagabend im Bildungshaus des Untermarchtaler Klosters über Folter, Folteropfer und die Arbeit des Ulmer Behandlungszentrums für Folteropfer. Das Zentrum wurde 1995 von Amnesty International und Ulmer Bürgern gegründet, Urs M. Fiechtner ist Schriftsteller, Menschenrechtler, hiesiger Bezirkssprecher von Amnesty International und Mitgründer des Behandlungszentrums.

Bücher mit Titeln wie „Folter: Angriffe auf die Menschenwürde“ stammen aus seiner Feder. „Nur acht Prozent der Deutschen kennen die Menschenrechts-Konvention der Vereinten Nationen“, klagte Fiechtner am Donnerstag. Dabei seien knapp 30 Prozent der in Deutschland lebenden Flüchtlinge Opfer von Folter oder seien durch Kriege, Flucht und Gewalt schwer traumatisiert. „Hinzu kommen Menschen, die als politische Gefangene in den Gefängnissen der DDR misshandelt worden sind“, so Fiechtner.

Rund 51 Millionen Menschen seien momentan weltweit auf der Flucht. „Flucht ist die Antwort auf unangenehme Fragen, die von der Welt zu verantworten sind“, so der Menschenrechtler. In 141 Ländern der Erde werde auf die unterschiedlichste Art gefoltert. Ziel sei immer die Menschen zu demütigen und ihren Willen zu brechen. „Diese Menschen sind meist an Körper und Seele erkrankt“, sagte Fiechtner, „nicht Mitleid, sondern nur einfühlsames Verständnis kann ein bisschen helfen“.

Fiechnter berichtete von einem kenianischen Studenten, der nach 19-tägigem Schlafentzug im Gefängnis, seit Jahren nur noch drei Stunden am Stück schlafen kann und einer jungen Südamerikanerin, die nach mehrfachen Vergewaltigungen mit ansehen musste, wie der Kopf ihrer zweijährigen Tochter gegen eine Betonwand geschlagen wurde. „Sie hatte fortan Angst vor allen Menschen und beging schließlich Selbstmord“.

„Flüchtlinge werden bei uns als Belastung, nicht als Bereicherung empfunden“, sagte der Menschenrechtler. Flüchtlinge aus dem Osten hatten nach 1945 die junge Bundesrepublik aber sehr bereichert, betonte Fiechtner. „Die allermeisten der heutigen Flüchtlinge wollen wieder in ihre Heimat zurück. Wenn es uns gelingen würde, ihnen Wissen, Können und unsere Grundwerte mitzugeben, könnten wir damit der Welt einen großen Dienst erweisen“, so Urs M. Fiechtner.

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