Älteste Einwohnerin Untermarchtals feiert 103. Geburtstag

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 Hausoberin Schwester Lintrud (links), Bürgermeister Bernhard Ritzler und Schwester Gudula (rechts) gratulieren Schwester Agathi
Hausoberin Schwester Lintrud (links), Bürgermeister Bernhard Ritzler und Schwester Gudula (rechts) gratulieren Schwester Agathina zu ihrem 103. Geburtstag. (Foto: Illenberger)
Hermann Illenberger

Die älteste Einwohnerin von Untermarchtal, Schwester Agathina – die im Schwestern-Altersheim „Maria Hilf“ des Klosters Untermarchtal lebt, hat am Wochenende ihren 103. Geburtstag inmitten ihrer Mitschwestern in gesundheitlich guter Verfassung, gefeiert.

Bürgermeister Bernhard Ritzler überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und übergab ein kleines Präsent. Ihre Mitschwestern mit Hausoberin Schwester Lintrud schlossen sich als Gratulanten an.

Von einem langen Leben erzählte Schwester Agathina in klarer Sprache, sagte aus ihren Erinnerungen: In einer Bauernfamilie wuchs sie in Dunningen im Kreis Rottweil auf. Von sieben Geschwistern war sie die Jüngste, hatte eine Schwester und fünf Brüder. Zu den Brüdern hatte sie ein besonders gutes Verhältnis und auch sie war ein „Bubamädele“, wie sie selbst sagt.

Sorgender Charakter

Ihr sorgender Charakter, ihre soziale Einstellung und Nächstenliebe habe sie mit einer besonderen Art von Menschlichkeit lebenslang geprägt. Als einfache Bauerntochter trat Schwester Agathina im Jahr 1938 in das Kloster Untermarchtal ein. Beim Abschied von zu Hause legte besonders ihr Vater Werte auf ein „odeles Leben ohne Unfirm“, wie man es damals auf schwäbisch ausdrückte.

Nach drei Postulantenjahren legte sie 1941 das Professgelübde ab und ist somit nach 78 Jahren mit der längsten Professablegung aller Untermarchtaler Ordensschwestern an das Ordensleben gebunden. Eine umfassende Ausbildung als Krankenschwester folgte. Ihr Talent, ihre Geduld und ihr Können ließen sie bald zur Ausbildungsschwester im „Karl-Olga-Krankenhaus“ in Friedrichshafen aufsteigen.

Einser-Examen

Ein „Einser“-Examen dabei war dann Grundlage ihres weiteren Wirkens auch als Ausbildungsschwester in den Stationen und Krankenhäusern Neckarsulm, Kißlegg, Aulendorf und zuletzt im Rottenburger Spital. Eine Führungsperson mit sozialem und hilfsbereiter Umgang mit den Kranken und Nächsten – dass Schwester Agathina genau das ist bezeugen ihre Mitschwestern im Altersheim „Maria Hilf“ auch heute noch an ihrem Geburtstag. Besonders hervorzuheben sei ihr jahrzehntelanges Wirken als Sterbebegleiterin bei ihren Mitschwestern.

Aus ihrem Alltag früherer Zeiten wurde Schwester Agathina nach dem Essen in ihrer Familie gefragt: „Möge han i besonders Brotschnittla-Suppe und Spätzle.“

Jeden Tag wird gebetet

Die jetzigen Tage sind ausgefüllt mit Gebet, damit das „Kraftwerk des Betens der Schwestern“ immer im Betrieb bleibt. So hatte es Schwester Teresa bei ihrem Besuch in Untermarchtal schon 1982 hervorgehoben. Der Tag wird auch dazu genützt, um ein wenig Zeitung zu lesen, besonders das Sonntagsblatt interessiere sie. Fernsehen wiederum sei für sie kein Thema. Die Augen und das Gehör seien nicht mehr ganz so gut. Medikamente nehme sie kaum. Was Schwester Agathina als kleine Freizeitbeschäftigung ausfüllte, war Gedichte zu reimen für festliche Anlässe.

Ihr Leben war schon immer von Humor begleitet und wer seinen höchsten Herrn so verehrte und an ihn glaubt, der vertraut auf ihn und sagt wie Schwester Agathina: „Was er schickt, ist recht.“ Deshalb ist die 103-Jährige auch der Überzeugung: Alles ist ein Geschenk vom lieben Gott. Auf ihr bisheriges Leben schaut die Schwester deshalb gerne zurück.

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