Wollte er seine Ehefrau mit dem Auto umbringen?

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Patrick Mößle
Patrick Mößle leidet nach Angaben der Polizei an einer akuten Psychose. (Foto: Polizei)
Michael Lindner

Es ist alles andere als ein gewöhnlicher Unfall, der sich am Sonntagabend auf der A8 bei Leipheim ereignet hat. Das Aufsehenerregende ist nicht der Unfall an sich, sondern die Umstände. Und das, was sich in den Stunden danach zugetragen hat. Denn der 29-jährige Autofahrer wird nun wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau gesucht, nachdem er noch in der Nacht aus dem Bezirkskrankenhaus in Günzburg geflüchtet ist.

Ziel: Ehefrau sollte wohl sterben

Am Sonntagabend hat sich auf der Autobahn zwischen der Anschlussstelle Leipheim und dem Autobahnkreuz Ulm/Elchingen ein spektakulärer Unfall ereignet. Mit hoher Geschwindigkeit ist der 29-jährige Autofahrer nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und auf etwa 200 Metern Länge auf den dortigen Lärmschutzwall hochgefahren. Dann überschlug sich der Ford und kam zwischen der rechten Fahrspur und dem Standstreifen zum Stehen. Während die Polizei zunächst über die Gründe des Unfalls rätselte, stellte sich im Laufe des Montags heraus, dass der Autofahrer diesen vermutlich absichtlich herbeigeführt hatte. Sein Ziel: seine neben ihm sitzende 28-jährige Ehefrau umzubringen.

Wie die Ermittler zu dieser Annahme kommen, dazu hält sich die Polizei bedeckt. Auf jeden Fall wird der 29-jährige Patrick Mößle aus dem Landkreis Günzburg nun vom Amtsgericht Memmingen per Haftbefehl wegen des versuchten Mordes an seiner Ehefrau gesucht. Zugleich ordnete die Staatsanwaltschaft Memmingen die Öffentlichkeitsfahndung nach Mößle ein. Die 28-jährige Beifahrerin wurde bei dem Unfall mittelschwer verletzt und zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Zugriff auf einem Campingplatz

Der gesuchte Autofahrer flüchtete nach dem Unfall in Richtung eines nahe gelegenen Campingplatzes, wo er wenig später von der Polizei festgenommen wurde. Da er laut Polizeisprecher Holger Stabik auf die Beamten einen psychisch labilen Eindruck gemacht hatte und man ihn deswegen „nicht in eine normale Zelle“ setzen konnte, wurde er ins Bezirkskrankenhaus nach Günzburg gebracht.

Bei Mößle selbst konnten keine äußeren Verletzungen festgestellt werden. Er war wohl in der Lage, ein normales Gespräch zu führen und es gab keine Hinweise auf eine Fremd- oder Eigengefährdung. Wie Georg Schalk, Sprecher der Bezirkskliniken Schwaben, auf Nachfrage mitteilt, war der 29-Jährige nicht in der forensischen Klinik, sondern in einer normalen Akutaufnahmestation untergebracht. Über die Umstände der Flucht konnte der Kliniksprecher nichts sagen. Der 29-Jährige habe, wie zu erfahren war, einen günstigen Moment erwischt und sei in der Nacht von Sonntag auf Montag geflohen.

Noch keine heiße Spur

Direkt nach der Flucht machte sich ein Großaufgebot der Polizei vor Ort auf die Suche nach Mößle. Laut Polizeisprecher Stabik waren 18 Streifen plus ein Hubschrauber an der Suche beteiligt – insgesamt etwa 40 Beamte. Die Suchmaßnahmen gehen, wenn auch in deutlich verringerter Zahl, weiter. „Es gibt noch keinen heißen Hinweis“, so Stabik. Der persönliche Hintergrund des Gesuchten wird nun überprüft.

Der Polizeisprecher bezeichnete einen Mordversuch mit einem Auto als äußerst selten, da dies ein „erhebliches Gefährdungspotenzial für den Täter selbst“ darstelle. Doch das war dem 29-Jährigen, sollte sich der Tatverdacht bestätigen, wohl egal. Patrick Mößle leidet nach Angabe der Polizei an einer akuten Psychose.

Mit Schlafanzug bekleidet

Die Polizei beschreibt den Vermissten wie folgt: Er ist etwa 1,80 bis 1,85 Meter groß, hat eine sportliche Figur und spricht deutsch. Zum Zeitpunkt der Flucht war der Mann mit einem blauen Schlafanzug bekleidet. Ob er sich noch etwas anderes angezogen hat, ist nicht bekannt. Wer ihm begegne, solle ihn nicht ansprechen, sondern die Polizei unter der Telefonnummer 08221 / 919-0 oder den Notruf 110 verständigen.

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Mößle in Begleitung seines Hundes, eines schwarzen Rottweilers, ist. Das Tier war bei dem Unfall auf der Autobahn mit im Fahrzeug und sprang anschließend heraus. Den Beamten ist es nicht gelungen, den Hund einzufangen. Es könnte laut Stabik also sein, dass der Gesuchte seinen Rottweiler gefunden hat und mit ihm unterwegs ist.

Verkehrsbeeinträchtigungen waren die Folge

Das Auto des Gesuchten wurde bei dem Unfall stark beschädigt und musste abgeschleppt werden. Der Schaden beläuft sich auf etwa 10 000 Euro. Der Verkehr wurde zweispurig an der Unfallstelle vorbeigeleitet, was zu nicht unerheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen führte.

Dass der 29-Jährige aus dem Krankenhaus flüchten konnte, ist für dessen Sprecher Schalk zwar ärgerlich, er betont aber: „Wir sind ein Krankenhaus und kein Gefängnis.“ Für große Aufmerksamkeit hatte im September vergangenen Jahres die Flucht zweiter Männer gesorgt – allerdings aus der Forensik –, die eine Klinikangestellte bedrohten. Ein weiterer Mitarbeiter hatte daraufhin die Türe entriegelt. Vier Monate später konnte einer der beiden Männer in Spanien aufgegriffen werden. Von dem zweiten Gesuchten, einem 23-jährigen Ukrainer, fehlt nach wie vor jede Spur.

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