Wo Ulm wirklich Spitze im Süden ist

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Ulm ist an der Spitze angekommen. Das zeigt eine neue Studie der Handelskammer.
Ulm ist an der Spitze angekommen. Das zeigt eine neue Studie der Handelskammer. (Foto: archiv: Roland Rasemann)
Oliver Helmstädter

Die Region hat eine Wirtschaftskraft wie anderswo ganze Staaten: Länder wie Island oder Zypern haben ein ähnliches Bruttoinlandsprodukt. Der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die hier hergestellt werden hatte nach den jüngsten Zahlen zuletzt einen Wert von 25,6 Milliarden Euro.

Hier bedeutet in diesem Falle die Region der Ulmer Industrie- und Handelskammer, die neben Ulm auch den Alb-Donau-Kreis und den Kreis Biberbach mit einschließt. Nach 23 Jahren als Hauptgeschäftsführer hört Otto Sälzle Ende des Jahres bei der IHK auf.

Auch wenn der 63-Jährige bei der Vorstellung einer neuen Publikation rund um die Spitzenwerte der Region betonte, das Heft habe nichts mit seinem Abschied zu tun. So ist „Spitze im Süden“ auch ein Rückblick auf sein Wirken in der Ulmer IHK.

Wir spielen damit in der obersten Liga mit den Metropolregionen. 

Otto Sälzle

Die regionale Wirtschaftsleistung ist von von 2000 bis 2017 um mehr als 77 Prozent gewachsen. Damit ist die IHK-Region Ulm die zweitwachstumsstärkste Region Deutschlands in diesem Jahrhundert. Lediglich die Raumschaft Leipzig kann als eine der 78 anderen IHK-Regionen Deutschlands ein noch höheres Wirtschaftswachstum aufweisen.

„Und hier gibt es sicherlich Nachholeffekte“, sagt Sälzle über die Stadt im Osten der Republik.

Mit dieser Entwicklung hat die Region zudem auch den Sprung unter die Top-Ten der wirtschaftsstärksten Räume in Deutschland geschafft. „Wir spielen damit in der obersten Liga mit den Metropolregionen Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf, München oder Stuttgart“, so Sälzle.

Hinzu komme, dass die Region Ulm 2018 auch die niedrigste Arbeitslosenquote der Republik aufwies und seit mehreren Jahren quasi Vollbeschäftigung verzeichnet.

Und trotz dieser ohnehin schon hervorragenden Lage entwickelten sich die Arbeitsmarktzahlen weiterhin überdurchschnittlich gut. Auch bei wenn’s ums „Schaffa“ geht, landet Ulm unter den ersten Zehn: Mit 61,3 Erwerbstätigen pro 100 Einwohner liegt Ulm auf Platz sechs.

Über 48 000 neue Jobs seien in den vergangenen gut 20 Jahren entstanden, sagte Jonas Pürckhauer, Mitglied der IHK-Geschäftsleitung und Autor der IHK-Analyse.

Und nur zwei Regionen in ganz Deutschland hätten eine stärkere Industrie. Und selbst das sind fast Nachbarn: Stuttgart und Villingen-Schwenningen haben einen noch höheren Anteil der Wertschöpfung durch das verarbeitende Gewerbe.

Dritthöchste Innovationsniveau

Stark ist Ulm insbesondere durch mittelständische Unternehmen, also Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Umsatz unter 50 Millionen Euro. Und die Unternehmen sind innovativ: So hat die IHK-Region Ulm das dritthöchste Innovationsniveau in der europäischen Innovationsregion Nummer eins, Baden-Baden-Württemberg.

Was das Einkommen angeht liegt Ulm auf Platz elf in der Republik. Durchschnittlich haben Arbeitnehmer 24 570 Euro im Jahr nach Steuern und Sozialabgaben zur freien Verfügung. Auf Platz eins liegt München mit 27 342 Euro. „Doch da müssen ganz andere Mieten gezahlt werden“, sagte Sälzle.

Die guten Platzierungen gehen auf vielen Feldern weiter: Ulm gehört laut einer Prognos-Studie zu den „Top-Wohlfühlregionen“ in Deutschland. 53 Indikatoren von Sicherheit, über Wohnangebot führten in die Top-Sechs.

Und jung ist Ulm auch: Mit einer Bevölkerung, die im Schnitt 42,4 Jahre alt ist, gehöre Ulm zu den drei jüngsten Regionen in Deutschland. Und wo ist Ulm richtig schlecht? Sälzle muss überlegen. „In Sachen Kinderbetreuung sind wir im hinteren Tabellendrittel.“

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