Wie Sport Sohn dem Internet trotzt

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 Das Sport-Sohn-Geschäft in der Ulmer Bahnhofstraße.
Das Sport-Sohn-Geschäft in der Ulmer Bahnhofstraße. (Foto: Alexander Kaya)
Oliver Helmstädter

Die regionale Einzelhandelslandschaft wird durcheinandergewirbelt wie selten: K&L Ruppert schließt Filialen, Gerry Weber ist zahlungsunfähig und der Konzern hinter Galeria Kaufhof steht vor einem Sanierungsprogramm.

Sport-Sohn-Chef Christoph Holbein ist dennoch überzeugt, dass Ulm in naher Zukunft wieder der starke Magnet sein wird, der er in früheren Jahren einmal war. „Wenn die Sedelhöfe und der Hotelbau in der Bahnhofstraße fertig sind, hat Ulm eine neue städtebauliche Attraktion.“ Und weniger Baustellen und weit mehr Parkplätze.

Der Ulmer Einzelhandel geht jetzt in das verflixte siebte Jahr der Baustellen, 2013 wurde mit dem Abriss der Gebäude rund um die Sedelhofgasse begonnen. 2020 sollen die Sedelhöfe fertig sein. „Und das schaffen wir auch noch.“ Voll des Lobes ist Holbein für die Projektentwickler der Sedelhöfe, Lothar Schubert und sein Team der Firma DC Development. Obwohl das im Bau befindliche 200-Millionen-Euro-Projekt längst an die „Aachener Grundvermögen“ verkauft wurde, werde nicht hoppla-hopp im Sinne kurzfristiger Profitmaximierung gebaut – immer wieder werde an Details gefeilt. Holbein merkt: „Hier will jemand ein funktionierendes Referenzobjekt hinterlassen.“

 Christoph Holbein in den neuen Räumen des etwa 500 Quadratmeter großen Performance Shops, die dem Sportreff in der Neu-Ulmer Me
Christoph Holbein in den neuen Räumen des etwa 500 Quadratmeter großen Performance Shops, die dem Sportreff in der Neu-Ulmer Memminger Straße angegliedert sind. Die hauseigene Teamsport-Spezialabteilung steht hier im Zentraum. (Foto: Alexander Kaya)

Im Gegensatz zu anderen Geschäftsleuten in der Ulmer Innenstadt hegt Holbein keinen Groll wegen der einseitigen Sperrung des Bahnhofszubringers Friedrich-Ebert-Straße. „Was sein muss, muss sein.“ Schließlich profitiere langfristig der gesamte Ulmer Einzelhandel. Zumal Holbein überzeugt ist, dass die Auswirkungen der Sperre nicht so schlimm wie jene der Vergangenheit sein werden: Denn durch den Wegfall anderer Baustellen seien umliegende Kreuzungen und Straßen leistungsfähiger, was Staus vermeide.

Neu ist gut

Der derzeit beobachtbare Wandel im Handel sei nicht unbedingt schädlich für die Attraktivität Ulms: Die Filialisten Zara, Primar oder TK-Maxx, die für das K&L-Ruppert-Gebäude als Nachmieter gehandelt werden, hätten sich allesamt in anderen Städten als Frequenzbringer erwiesen. Auch Zalando, als erster feststehender Textilfilialist der Sedelhölfe und künftig direkt gegenüber der Sport-Sohn-Rückseite gelegen, sei was Neues für Ulm. Und neu sei gut. Was Neues und ebenso gut für den Standort Ulm sei zudem der Food-Court der Sedelhöfe. „So etwas fehlt Ulm.“

Dennoch macht sich Holbein keine Illusionen, dass der Textilhandel angesichts eines Online-Anteils von – je nach Quelle 25 bis 30 Prozent – in stationären Geschäften nicht einfacher werde. Denn mehr Hosen, Jacken und Co würden nicht wirklich verkauft – nur die „Kuchenstücke“ werden kleiner.

Das Gute an der Digitalisierung ist, dass es so mehr Rückmeldungen gibt.

Christoph Holbein, Sport-Sohn-Chef 

Holbein ist aber überzeugt, dass es auch in Zukunft genügend Menschen geben wird, die auf persönliche Beratung in Geschäften nicht verzichten wollen. „Das Gute an der Digitalisierung ist, dass es so mehr Rückmeldungen gibt.“ Und aus diesem Feedback der Kunden habe er drei zentrale Punkte im Kopf, die heutzutage den Kunden wichtig seien: Der Kauf im Laden müsse einen spürbaren Mehrwert durch Beratung vermitteln. Zweitens müsse die Beratung den Fokus auf Zeitersparnis im Sinne des Kunden als Ziel haben. Drittens müsse jede Beratung Variantenreiche bieten – also passende Angebote von günstig bis premium.

Auf die Spitze treibt Holbein seine Antwort auf die Digitalisierung in Neu-Ulm: Der Verkauf von Schuhen und Co nimmt hier neben Service und Beratung scheinbar nur noch eine Nebenrolle ein.

 Hans-Peter Linder und Chantal Gonzalez kümmern sich bei Sport Sohn um die Abteilung Teamsport. Hier stehen sie im „Fußball-Käfi
Hans-Peter Linder und Chantal Gonzalez kümmern sich bei Sport Sohn um die Abteilung Teamsport. Hier stehen sie im „Fußball-Käfig“. (Foto: Alexander Kaya)

Das etablierte und arg renovierungsbedürftige Stammhaus an der Augsburger Straße steht wie berichtet seit Anfang des Monats leer. An der Memminger Straße, direkt beim Sporttreff mit den Tennis-, Squash- und Badminton-Plätzen eröffnete am Donnerstag der „Performance Shop“.

Auf 500 Quadratmetern will Holbein mit Vereinen und Betriebssportgruppen bis zu 80 Prozent des Standort-Umsatzes generieren. Hans-Peter Linder, der Leiter des Bereichs Teamsport, hat die ganze Palette im Angebot: Von Trikots, Fanschals und Schuhen mit Vereinslogo geht das Angebot weiter über die Organisation von Vereinsfesten und Sportcamps bis hin zur Vermietung von „Eventmodulen“. Das sind etwa Schuss-Geschwindigkeitsmesser oder Torwände. „In dieser Breite sind wir ziemlich einzigartig“, sagt Linder. Neu im Sporttreff an der Memminger Straße ist ein kleiner „Cage Football“-Platz. Hier kann kostenlos, Eins-gegen-Eins, in einem kleinen „Fußballkäfig“ gekickt werden. Im Sommer soll bei den Parkplätzen ein „Soccer-Court“ gebaut werden. Ganz offline.

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K&L ist insolvent und macht zu. Gerry Weber hat Insolvenz angemeldet. Galeria Kaufhof will bundesweit Mitarbeiter entlassen. Keine guten Nachrichten für die Geschäfte in den Innenstädten – auch nicht für Ulm. Wie sehen das die Bürger?
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